
Von Christoph Holbein
Obernheim. "Echt, aber dafür machst Du das ganz gut": Der Schüler schaut Margaretha Pehlke erstaunt an, nachdem die 53-Jährige ihm gestanden hat, dass sie noch nie Mathe in Klasse vier unterrichtet hat. Es ist dieses Menschliche, was die Schule ausmacht.
Und so hat die neue Rektorin der Obernheimer Grundschule "noch keine Stunde bereut": "Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber in Obernheim bin ich näher an den Kindern und mache mehr Unterricht." Und bei der kleinen Anzahl von fünf Lehrern sind die Angelegenheiten schneller erledigt, anders als an der Balinger Sichelschule, an der sie zuvor Rektorin gewesen ist. Dort unterrichtete sie sieben Stunden, jetzt steht sie 20 Stunden in der Woche vor den Schülern als Klassenlehrerin in der Klasse vier und als Fachlehrerin für das Fach Englisch in der Klasse drei.
Vor allem als Klassenlehrerin zu fungieren, ist für die 53-Jährige eine "besondere Herausforderung": "Das kostet einen Kraft und Energie, aber dafür ist auch ein Gegenwert vorhanden: das Gefühl, dass bei den Schülern etwas hängenbleibt, dass die Kinder es begreifen. Das macht richtig Laune." So kommt Margaretha Pehlke jeden Tag gerne in die Obernheimer Schule, wo sie sich so einbringen darf, wie sie es "irgendwann mal an der Pädagogischen Hochschule vorhatte".
"Die Kinder an der Grundschule sind ehrlich und fordern auch, sie kommen auch und sagen in Höflichkeit und Freundlichkeit, wenn der Lehrer etwas übersehen hat." Dieses Vertrauen in die Lehrer, dieser direkte Kontakt zwischen Kindern und Erwachsenen hat Pehlke als "stimmig" für beide Seiten erfahren, als Verpflichtung: "Wir dürfen die Kinder nicht enttäuschen." Verwaltungstätigkeit steht für Pehlke auch in Obernheim auf dem Tagesplan: Jeden Nachmittag ist sie da, um den Unterricht vorzubereiten und die administrativen Aufgaben zu erledigen. Morgens ist dazu keine Zeit, weil sie jeden Vormittag zwischen zwei und sechs Stunden Unterricht hat. Der Freitag ist Bürotag, wenn sie nicht, wie momentan, wegen Krankheit einen Kollegen zu vertreten hat.
"Ich habe es mir so vorgestellt." Anders dagegen ist die Vertretungssituation, wenn an der kleinen Schule ein Lehrer ausfällt, "sind wir gleich am Ende der Fahnenstange". Das ist "schon eine Nuss, an der ich knacke". Als "sehr gut" empfindet Pehlke den Kontakt zu den Eltern: "Sie haben keine Berührungsängste und kommen mit ihren Fragen auf mich zu: Das ist nach einer anfänglichen Unsicherheit, wie das mit der neuen Schulleitung werden wird, eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit." Die will die Rektorin auch mit dem Kindergarten auf eine breitere Basis stellen mit regelmäßigen Gesprächen am runden Tisch.
Eigentlich wollte sich Pehlke im ersten Jahr mit ihren Visionen zurückhalten und abwarten, wie in Obernheim gearbeitet wird. Das hat die Pädagogin nicht ganz "durchge- halten" und eine Sache umgesetzt: Jetzt steht wieder ein Weihnachtsbaum im Eingangsbereich der Schule. Ein anderer Wunsch bleibt: "Dass Obernheim immer genügend Kinder hat, damit die einzügige Grundschule Bestand hat und deshalb so attraktiv ist, dass sich die Eltern dafür entscheiden, ihre Kinder bei uns auf die Schule zu schicken."
Und ein pädagogischer Assistent steht auf der Wunschliste, der Aktionen vorbereitet und mit Kindern speziell den Stoff durchgeht. Beim Schulrat hat Pehlke ihr Anliegen angemeldet. Jetzt muss sie einen offiziellen Antrag stellen – ihr Ziel: Die Stelle für das neue Schuljahr auszuschreiben.