Oberndorf a. N. Zutaten für eine lange Ehe

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"Wir empfinden es als Gnade, 65 Jahre Glück und Leid miteinander tragen zu dürfen." Aus tiefem Herzen kommt diese Aussage von Ruth und Ernst Hornberger aus Boll, die heute das seltene Fest der Eisernen Hochzeit feiern.

Oberndorf-Boll. Mit 90 Jahren ist Ernst Hornberger noch mobil, seine Frau Ruth hat auch – obwohl vom Rollator abhängig – keine allzu großen Schwierigkeiten, mit 85 Jahren ihre Selbstständigkeit zu erhalten, im Haushalt anzupacken, was geht, wenn auch mit Einschränkungen.

Positiv sind beide dem Leben zugetan, verstehen es, dem Alltag die guten Seiten abzugewinnen, sich immer wieder kleine Freuden zu gönnen und all das, was nicht beeinflussbar ist, anzunehmen und damit umzugehen. Das haben sie in der langen Zeit ihrer Ehe lernen müssen. Denn Krankheiten und Schicksalsschläge blieben in ihrer Familie nicht aus.

Aufgewachsen auf dem Bauernhof seiner Eltern, hat Ernst Hornbergers Liebe zur Landwirtschaft sein ganzes Leben mitbestimmt. So fährt er noch heute hinaus in die Felder und macht mit seiner Frau kurze Spaziergänge. Ganz selbstverständlich war somit die Ausbildung zum Landwirt. Doch gerade die Lehrzeit beendet, wurde der junge Mann einen Monat vor Kriegsende zum Arbeitsdienst und zur Wehrmacht eingezogen. Gezeichnet von schwerer Arbeit unter Tage und schlechter Verpflegung in russischer Gefangenschaft, kehrte er sehr krank heim und musste mehrere Monate um sein Leben kämpfen.

Auch Ruth Hornberger, geborene Schittenhelm, wuchs in einem bäuerlichen Anwesen in Boll auf. Früh musste sie die Eltern unterstützen, wobei ihre Leidenschaft im Finanzwesen zu finden war. Lehrerin wollte sie einmal werden. So führte ihr Weg nach Rottweil in die Haushaltsschule und anschließend nach Schwenningen an die Lehrerinnenoberschule. Starkes Heimweh habe sie im Internat verspürt.

"Es hat einfach gepasst"

Als sie Ernst Hornberger begegnete, nahm die Lebensplanung eine Wende. "Wir haben uns gesehen, und es hat einfach gepasst", sagt die Ehefrau herzerfrischend. Man habe sich ergänzt, und das sei bis heute so geblieben.

Nach der Hochzeit begannen beide, den Bauernhof zu renovieren. Sie betrieben das landwirtschaftliche Anwesen am Rathausplatz 3, in welchem – zwischenzeitlich wieder umgebaut – heute die Tochter Ingrid wohnt und das für die drei Enkelkinder immer wieder zur Anlaufstelle wird. Als Landwirt mit Leib und Seele fungierte Ernst Hornberger 20 Jahre lang als Obmann der Landwirte in Boll, wobei sein Hauptinteresse der Fleckviehzucht galt. Seine Frau arbeitete 17 Jahre als Ortsvorsitzende im Land­frauenverband. Sehr jung hat der Ehemann seine Mutter verloren, doch in der Stiefmutter hatten beide eine große Unterstützung auf dem Hof und eine liebevolle Oma für die beiden Kinder Ingrid und Dieter gefunden.

So war der Alltag von Abwechslung geprägt. Begeistert erzählen sie von kulturellen Veranstaltungen, von Reisen und Ausflügen. "Auf sparsame Weise haben wir unser Leben genossen", erklärt Ruth Hornberger, die jahrelang ehrenamtlich im VdK und im Tourismusverein mitgewirkt hat. Lebhaft erinnert sie sich an die Organisation von Stadtfesten, Empfängen und Bällen.

Gesundheitlich haben beide der Landwirtschaft ihren Tribut gezollt: Ruth Hornberger mit der Diagnose einer "Farmerlunge", was Krankenhausaufenthalte und Reha-Maßnahmen nach sich zog. 1990 trennten sie sich vom Viehbestand, fortan wurde nur noch Ackerbau betrieben. Heute befindet sich alles in Pachtbesitz, das Ehepaar Hornberger lebt seit 25 Jahren in der Falkenstraße 5. Wenn der Musikverein sein Gartenfest veranstaltet, haben sie direkt vor ihrer Haustüre einen Logenplatz; gleich zweimal haben sie den Mostbesen besucht und waren des Lobes voll. Auch bei den "Kirchensenioren" fühlen sie sich wohl und umsorgt. Vor drei Jahren verloren sie ihren Sohn mit nur 58 Jahren. Seine Lebensgefährtin blieb im Hause. So ist immer jemand da, der sich kümmert. Doch noch erledigen beide den Haushalt und die Besorgungen weitgehend allein.

Vertrauen und Verantwortungsgefühl bezeichnen sie als unabdingbare Voraussetzungen für die Dauerhaftigkeit einer Ehe, denn nur auf dieser Basis könne das Leben zwei Menschen zusammenschweißen.

Und genau das wird nun heute gefeiert – im allerengsten Familienkreis.

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