Oberndorf/Fluorn-Winzeln/Hardt - Zwei junge Männer, einer aus Fluorn-Winzeln und einer aus Hardt, hatten sich am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht zu verantworten, da sie im vergangenen Jahr in eine Schlägerei beim "Geisterball" in Bösingen verwickelt waren.

So schummrig wie das Licht in der Bar der Turn- und Festhalle Bösingen wohl gewesen war, so undurchsichtig gestaltete sich auch der Tatablauf. Sicher waren letztendlich nur zwei Dinge: Es gab einen 33-jährigen Landwirt aus Tennenbronn, der im Februar vergangenen Jahres übel zurichtet wurde, und einen Angeklagten, der aber lediglich einen "leichten Schlag" zugab. Der andere Angeklagte wies jegliche Schuld von sich und berief sich auf eine Schulter-Operation, die er wenige Tage vor der Fasnetsveranstaltung habe durchführen lassen. Deshalb sei er körperlich gar nicht in der Lage gewesen zu schlägern.

Besonders bitter ist für den Geschädigten, der sowohl als Zeuge als auch als Nebenkläger anwesend war, dass er eigentlich einem Kollegen zu Hilfe kommen wollte, der sich in heftiger Diskussion mit den Angeklagten befand, und dann selbst zum Opfer wurde. "Es ging alles so schnell, ich war einfach nur baff. Ich war bisher noch nie in einer Schlägerei verwickelt und hätte nie gedacht, dass mir so etwas mal passiert", sagte der Zeuge.

Der Tennenbronner habe mit seiner Freundin an der Theke gestanden, als er sah, dass sein Kollege, der aus Bösingen stammt und auch als Zeuge aussagte, mit einer Gruppe junger Männer "heftig redete". Zu dieser Gruppe hätten auch die zwei Angeklagten, der 22-jähriger Auszubildende aus Fluorn-Winzeln und der 23-jährige Industriemechaniker, wohnhaft damals noch in Aichhalden jetzt Hardt, gehört. Als der Landwirt seinen Kollegen in eine andere Ecke der Bar bringen wollte, habe er auf einmal drei Schläge, einen davon von dem Fluorn-Winzelner, mit der Faust ins Gesicht abbekommen.

"Als ich diesen dann im Schwitzkasten hatte, habe ich von anderen noch weitere Schläge auf den Kopf abbekommen", erzählt der Zeuge. Er habe aber nur gedacht: "Der haut mir nicht mehr ab" und ihn festgehalten, bis das Wachpersonal kam. Die Schläge waren so stark, dass er einen Backenzahn verlor, eine Schädelprellung sowie zahlreiche offene Wunden im Gesicht und im Mundraum erlitt. Wer zugeschlagen habe, könne er nicht mehr genau sagen.

Anklage: Einfache Körperverletzung

Lediglich seine 29-jährige Freundin sagte aus, dass sie den 24-jährigen Angeklagten gesehen habe, wie dieser auch zuschlug – von einer Schulterverletzung habe sie nichts bemerkt. Ein weiterer Zeuge meinte ebenfalls, dass beide Angeklagten an der Schlägerei beteiligt gewesen wären, aber hundertprozentig könne er es nicht sagen. "Schließlich ist alles schon ein Jahr her."

Wer, wann und warum zugeschlagen habe, war auch der Polizeiobermeisterin nicht ganz klar, die damals an den Einsatzort gerufen wurde und als Zeugin aussagte. Sie musste sich auf die Aussage des Security-Personals verlassen. "Es war erst mal nicht ersichtlich, wer Geschädigter oder Täter war", beschreibt sie das Chaos an diesem Abend.

Im Laufe der über zweistündigen Verhandlung kristallisierte sich heraus, dass die Anklage auf gefährliche Körperverletzung nicht haltbar war. Die hätte ein gemeinsames Handeln der Angeklagten voraus gesetzt – was nicht nachweisbar war. Deshalb wurde die Anklage auf eine einfache Körperverletzung herabgestuft. Das Verfahren gegen den 24-jährige Angeklagten aus Hardt wurde eingestellt, da letztendlich nur eine Zeugin, noch dazu die Freundin des Geschädigten, mit Bestimmtheit sagen konnte, das er zugeschlagen habe. Die Anklage gegen den jungen Mann aus Fluorn-Winzeln wurde ebenfalls, gegen Zahlung von 400 Euro Schmerzensgeld, eingestellt. Schließlich hat dieser einen leichten Schlag zugegeben.

Damit stehen die strafrechtlichen Folgen für die zwei Angeklagten fest, wie der Zivilrichter entscheidet, wird sich zeigen. Der zusammengeschlagene Tennenbronner zeigte sich mit dem Ausgang des Verfahrens jedenfalls nicht einverstanden: "Für 400 Euro Schmerzensgeld solche Schläge abzubekommen, finde ich abartig."