
Von Alwin Weber
Oberndorf. Leider konnten diejenigen, für die der Ertrag des Orgelkonzerts mit Walter Holweger in der ehemaligen Klosterkirche bestimmt war, nicht anwesend sein: Hund, Katze und Co. Das Geld floss nämlich an den Tierschutzverein und die Tierschutzinitiative "Menschen für Tiere" in Oberndorf-Boll/Schlatthof .
Doch die rund 40 Zuhörer, die den Weg in die Klosterkirche fanden, wurden mit Walter Holwegers Musik belohnt, die perfekt auf die französisch-romantische Disposition dieser Orgel abgestimmt war.
Was auf den ersten Blick verblüffte, war das Keyboard, das neben der Orgel aufgebaut war.
Diese instrumentale Erweiterung war aber, so Walter Holweger, nötig, um auch die Glockentöne in den Weihnachtsliedern wiedergeben zu können; denn die Orgel verfügt über kein Glockenregister.
Mit "Konzert für Orgel, D-Dur, Vivace – Adagio – Vivace" eröffnete Holweger sein Spiel. Es ist eine reine Improvisation; kein ausgeschriebenes Notenblatt war zu sehen. Zu hören gab es im ersten Satz rauschende Tonkaskaden und eine immense Pedalarbeit.
Das Adagio, mit Betonung der Zungenregister, wesentlich gedämpfter als das einleitende Vivace, bot eine herrlich dahinströmende Melodie.
Der abschließende schnelle Satz war für Orgelmusik nahezu scherzoartig. Im Rhythmus fast aggressiv, bot er dem Organisten die Möglichkeit, seine ganze Kunstfertigkeit sowohl im Manual als auch Pedal zu zeigen. Mitreißender, leuchtender Orgelklang erfüllte die Klosterkirche.
Zwölf Weihnachtslieder aus den verschiedensten Ländern in Bearbeitung von Walter Holweger folgten. Hier war die Übersetzung der Texte auf der Programmrückseite für das Verständnis sehr hilfreich.
Sicher war es in spieltechnischer Hinsicht eine Meisterleistung, mit der rechten Hand das Glockenspiel im Keyboard, mit der linken das Orgelmanual und mit den Füßen das Pedal der Orgel mit traumwandlerischer Sicherheit zu spielen.
Ohne Bruch schlossen sich Variationen und Fuge über "O du fröhliche"" an. Oftmals verblüffende Registrierungen trugen zu einem farbenprächtigen Musikgemälde bei.
Mit fulminanter Toccata begann die Fuge. Unter immer wechselnder Registrierung ein Feuerwerk an musikalischen Ideen bis zum überwältigenden Schluss.
Dieses große Konzert vor kleiner Publikumskulisse endete mit der Zugabe "Es ist ein Ros’ entsprungen".