Oberndorf a. N. Die ganze Stadt wurde verschenkt

Schwarzwälder-Bote, 09.05.2012 18:00 Uhr

Oberndorf - Vor über 1100 Jahren wurde Oberndorf samt Kloster verschenkt. Diese großzügige Gabe kam vom Bischof von Konstanz und galt dem Kloster St. Gallen. Am 14. Mai 912 bestätigte dies König Konrad in einer Schenkungsurkunde.

Urkundliche Ersterwähnungen werden oft als "Geburtsurkunde" einer Stadt ange­sehen – fälschlicherweise. Wenn Oberndorf am 11. Januar 782 erstmals genannt wird, schließt dies keineswegs aus, dass hier schon vor zweieinhalb Jahrtausenden eine Siedlung existiert hat. Denn archäologische Befunde deuten daraufhin, dass das Gebiet der heutigen Oberstadt seit Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausends dauerhaft besiedelt ist. Gleichwohl wird in einer Urkunde von 782 erstmal ein Name genannt: "Obarindorf". Ortsnamen mit "-dorf" weisen auf eine Entstehung in der Merowinger-Zeit im frühen siebten Jahrhundert hin.

Historisch weit bedeutender als diese erste ist eine zweite Urkunde über Oberndorf: Am 14. Mai 912 – also vor 1100 Jahren – bestätigte König Konrad I. die Schenkung des Oberndorfer Königshofes mit zugehörigerer Pfarrkirche, die einst der Bischof von Konstanz erhalten und an sein Kloster in St. Gallen weitergegeben hatte.

Die erste Urkunde, die von 782, entstand in einer Phase, in der das Kloster St. Gal­len, um 720 gegründet, mit zahlreichen Schenkungen bedacht wurde und rasch zu einem Machtfaktor mit weitreichendem Grundbesitz zwischen Alpenvorland und Neckar aufstieg. So übereignete in unserer Region bereits im Jahr 769 eine Nonne diesem Kloster ihren Besitz, zu dem unter anderem Beffendorf zählte. Und 782 ver­schenkten zwei Adelige ihre Dörfer Bickelsberg und Brittheim nach St. Gallen; dabei wird die Stadt Oberndorf eher beiläufig genannt, als Ort der Ausfertigung: "actum in obarin­dorf villa publice".

Selbst Gegenstand einer Beurkundung wurde Oberndorf erst in dem Dokument von 912. Der gerade ein Jahr zuvor gekrönte König Konrad bestätigte einen Rechtsakt, den einer seiner Vorgänger im ausgehenden 9. Jahrhundert verfügt hatte. Wie und wann der Besitz der karolingischen Könige in Oberndorf entstanden ist, wie umfang­reich er war, ist hier nicht bestimmt; sicher ist aber, dass er keineswegs unerheblich, sondern weit ausgedehnt war. Kern war die Taufkirche St. Remigius, die im 8., vielleicht sogar schon im 7. Jahrhundert gebaut wurde. Dem Heiligen Remigius geweihte Patrozinien entstanden häufig in der Zeit der merowingischen Alamannen-Mission.

Bedeutender Rechtsakt wurde wiederholt

Die Oberndorfer Remigiuskirche stand bis 1806 / 11 auf dem Gelände des heuti­gen Talfriedhofs, um die sich im Frühmittelalter noch eine Siedlung gruppiert hatte.

Diese Oberndorfer Güter waren ursprünglich, wahrscheinlich noch vor 900, dem Bischof von Konstanz übereignet worden, der sie an das Kloster in St. Gallen weiter­gab, dem er ebenfalls vorstand. Salomon III. war seit 890 gleichzeitig Bischof von Konstanz und Abt von St. Gallen. Zuvor war er Diakon und Notar des Kaisers Karl III. gewesen und stand somit in enger Verbindung zum karolingischen Kaiserhaus. Neben Gütern erhielt das Kloster Besitzungen in Rätien, in Thurgau und im Allgäu übereignet. Der Kaiser sicherte dem Abt zudem Immunität, also recht­liche Unabhängigkeit, und weitere Privilegien zu. Dieser Rechtsakt war so bedeutsam, dass er im Jahr 948 von Kaiser Otto I. dem Großen wiederholt wurde. Danach wird die Überlieferung spärlich. Die St. Gallener Besitzungen auf der Baar und in Oberndorf, gingen zu einem nicht bekannten Zeitpunkt zu Beginn des 12. Jahrhunderts, auf dem Hintergrund des Investiturstreits, in den Besitz der Herzöge von Zähringen über.

 
 
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