Oberndorf a. N. Billiges Gebäude mit versteckten Mängeln

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Wenn alles glatt läuft, könnte die Verbundschule ab Weihnachten das Haus für ihre Ganztagesbetreuung nutzen. Foto: Zeger

Oberndorf - Zum Schnäppchenpreis hat die Stadt das Gebäude in der Hauptstraße 3 erworben. Jetzt stellte sich heraus, dass das ehemalige "Sabai" versteckte Mängel aufweist. Aus dem "billig erworben" könnte ein "teuer saniert" werden.

Unmut, die zweite: Die dicke Luft beim Thema Schuhmarktplatz hing am Dienstag noch im Sitzungssaal, da rief Bürgermeister Hermann Acker schon den nächsten Tagesordnungspunkt mit Zündstoff auf: Hauptstraße 3, Projektstand und weiteres Vorgehen.

Die Stadt hat das Gebäude aus einer Zwangsversteigerung heraus über die Volksbank für 150.000 Euro erworben. Der Gemeinderat beschloss Ende 2014, dort die Ganztagesbetreuung für die Verbundschule unterzubringen. Zuletzt befand sich das thailändische Restaurant "Sabai" darin.

"Quasi illegal"

"Die Kosten sind höher als bislang errechnet", stellte Dietrich Hopf vom Architekturbüro Hopf & Pfäffle in der Sitzung fest. Dies liege hauptsächlich daran, dass die Brandschutzmaßnahmen "anders ausgeführt als genehmigt" worden seien. Acker: "Wir haben ein Gebäude mit Mängeln erworben." Und Hopf ergänzte: "Der Betrieb war quasi 25 Jahre lang illegal." Eventuelle Regress-Ansprüche wolle man prüfen, so der Bürgermeister.

Allein für den Brandschutz müsse die Stadt etwa 122.000 Euro ausgeben, sagte Hopf. Die Giebelwände bräuchten neue Platten, das Treppenhaus und die Decken müssten "ertüchtigt" werden. Insgesamt errechnete sein Büro für die Baukonstruktion Kosten in Höhe von 257.000 Euro, für das Herrichten und Erschließen 5000 Euro, für die Möblierung 15.000 Euro und für Nebenkosten nochmals 73.000 Euro. Unterm Strich kommen so 350.000 Euro für den Umbau zusammen.

Nahwärmeversorgung?

Was der Anschluss an die Nahwärmeversorgung beziehungsweise der Einbau einer Pelletheizung an Kosten verursacht, werde derzeit noch geprüft. Bei Ersterem schätzt Hopf den Betrag auf circa 43. 000 Euro.

Das Haus bestehe quasi aus drei Teilen: Dem Altbau (rund 200 Jahre alt), dem Dachstuhl und dem gläsernen Vorbau, der ebenfalls in den 1990er-Jahren erbaut wurde. Im Erdgeschoss sollen zwei Gruppenräume entstehen, ein Aufenthaltsraum und ein Behinderten-WC werden eingebaut. "Hier findet primär eine Umnutzung statt", erläutert Hopf. Trennwände werden entfernt, Türen eingebaut. Im Obergeschoss haben Küche, ein dritter Gruppen- und ein Ruheraum sowie Büros für die Lehrkräfte Platz.

Spannend wird es in den kommenden Tagen: Wie Hopf erläuterte, müssen die Decken teilweise geöffnet werden, damit der Zustand der Balken überprüft werden könne. "Der ›worst case‹ wäre, wenn durch die früher üblich verbauten Schlacken die Balken verfault sind", schilderte der Architekt den Stadträten die Lage. Stadtrat Nico Pfisterer (Freie Wähler) bot an, sich als Zimmermann an der Überprüfung zu beteiligen.

Auf Nachfrage von Stadträtin Ruth Hunds (SPD) sagte der Architekt, dass das Haus voraussichtlich ab Weihnachten genutzt werden könne.

Der stellvertretende Schulleiter der Verbundschule, Gregor Cron, machte gegenüber dem Gemeinderat deutlich, dass die Schule einen "dringenden Bedarf" habe. Momentan weiche man für die Betreuung auf Klassenräume aus oder ginge bei schönem Wetter raus. "Wir improvisieren." Er sieht die direkte Anbindung des Hauses an den Schulhof als großen Vorteil.

"Rhetorischer Trick"

Die CDU-Fraktion sprach sich bereits im Jahr 2014 gegen die Unterbringung der Ganztagesschule in der Hauptstraße 3 aus. Und Stadtrat Wolfgang Meier meinte nun aufgrund des Gebäude-Mangels: "Wir wollen nicht triumphieren, aber die CDU hatte recht." Günter Danner von der SPD konterte, dass man auch triumphieren könne, wenn man eben nicht triumphiere. "Dies ist ein alter rhetorischer Trick." Und sachlich: "Wir müssen der Schule schnell unter die Arme greifen." Für Peter Gaberle sei diese Lösung noch "nie ein tragfähiges Konzept" gewesen und Robert Häring hält es "grundsätzlich für falsch".

Mit "ich freue mich, dass sich die CDU heute Abend freut", stieg Dieter Rinker von den Freien Wähler in die Diskussion ein. Er könne dem Projekt, sehe man das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen, durchaus noch einen "positiven Funken" abgewinnen.

Auf Anregung von Wolfgang Schittenhelm (Freie Wähler) und Antrag von Hans Häckel (SPD) werden die zwei Wohnungen im Dachgeschoss gleich mit saniert, um sie eventuell zu vermieten. Auf Seiten der CDU enthielt sich Wolfgang Meier der Stimme, seine Fraktions-Kollegen, bis auf Thomas Rohr, stimmten gegen das Projekt. Von SPD und Freien Wähler gab es grünes Licht – allerdings nur auf der aktuellen Kostenbasis.

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