Oberndorf a. N. Aus wertvollem Streuobst wird Saft gepresst

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Als erstes Leader-Projekt der Region Oberer Neckar ist die neue Mostpresse von Melitta und Gerhard Steinwandt in Boll in Betrieb gegangen. Damit leisten die Inhaber und Betreiber einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Streuobstwiesen.

Oberndorf-Boll. Am Donnerstag wurde ihnen von Wilhelm Rieber, dem Vorsitzenden des Vereins "Regionalentwicklung Bürger.Kultur.Land". Oberer Neckar die offizielle EU-Förderplakette überreicht, verbunden mit der Hoffnung, dass die Streuobstwiesen von den Besitzern nun auch fleißig abgeerntet werden.

Jede Menge Aufmerksamkeit wurde dem Ehepaar Steinwandt und ihrem Kunden aus Bergfelden beim Mosten zuteil. Wolfgang Steinmaier war mit dem Ertrag zweier Obstwiesen in Bergfelden und Vöhringen, der heuer allerdings geringer ausfiel als im Vorjahr, zum Pressen gekommen. Vertreter der Leader-Geschäftsstelle Oberer Neckar und des Landschaftserhaltungsverbands, des Vereins Regionalentwicklung, des Landwirtschaftsamts Rottweil sowie Oberndorfs Bürgermeister Hermann Acker verfolgten interessiert den Prozess der Saftherstellung auf der neuen Anlage. Mit dabei waren auch Heidi Kuhring und Ulrich Schanz vom Leader-Auswahlausschuss.

Das Projekt ist dem "Regionalen Entwicklungskonzept" zugeordnet und entspricht den Handlungsfeldern "Starke Dörfer durch lebendige Gemeinschaften", "Kulturlandschaft aktiv gestalten" und "Nachhaltig wirtschaften". Die Mostpresse soll ein Anreiz sein, die Früchte zu verwerten und die wertvollen Streuobstbestände zu erhalten. Besuche von Kindergärten und Schulen können schon früh den Bezug dazu herstellen. Auch kleinere Obstmengen können gepresst werden, heißt es in einer Erklärung der Leader-Geschäftsstelle.

Den Neubau in der Härlestraße 9, wohin die Mosterei nun aus der Hofackerstraße umgezogen ist, hatten die Steinwandts schon 2013 begonnen und komplett selbst finanziert. Gefördert werden hingegen die Einband-Mostpresse, die Erhitzungsanlage sowie die "Bag-in-Box"–Abfüllanlage.

Nach der Montage der Presse Ende Juli erfolgte im August die erste Probepressung. Dafür habe man eigens einen Anhänger voll Bodenseeobst vom Vorjahr aus einem Lagerhaus holen müssen, erzählt Melitta Steinwandt. Doch aufgrund des abgenommenen Säuregehalts sei der Saft nicht besonders lecker gewesen und zur Schnapsproduktion verwendet worden. Allmählich beginnt nun die diesjährige regionale Obsternte. Erste kleinere Partien wurden vergangene Woche verarbeitet. Wolfgang Steinmaier nutzte die immer beliebtere "Bag-in-Box"-Abfüllung und konnte seinen Apfelsaft am nächsten Tag abholen. Die Steinwandts sind äußerst erfahrene Mostereibetreiber. Im ehemaligen "Milchhäusle" mostet er bereits seit 1978 im Auftrag, seit 1983 gemeinsam mit seiner Frau Melitta. Die neue Anlage ist stärker technisiert und verringert die schwere körperliche Arbeit. Zum Beispiel muss die Maische nicht mehr zwischen schweren Holzrosten in Tücher eingeschlagen werden, und der Trester fällt durch ein Loch im Boden ins Untergeschoss direkt auf den Wagen. Allerdings ist der Putzaufwand auch nicht ohne: Jede Menge Wasser und anderthalb bis zwei Stunden Zeit seien erforderlich. Schwiegersohn Armin Mäder, der potenzielle Nachfolger, packt mit an und erzählt mit einem Augenzwinkern, am Sonntag werde weder gemostet noch pasteurisiert. Schließlich müsse der Schwiegervater dann im Wald nach dem Rechten sehen.  Weitere Leader-Projekte, die in der Region Oberer Neckar umgesetzt werden, sind die Neugestaltung der Dorfmitte in Holzhausen, Spindeltreppe und Aussichtsplattform für die Burgruine Herrenzimmern sowie die Erstellung einer "Bed-and-Bike"-Herberge am Neckartalradweg in Epfendorf.

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