Oberndorf a. N. "Am Ende bleibt eine unglaubliche Erfahrung"

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Wolfgang Knöpfle Foto: Schwarzwälder-Bote

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Oberndorf-Beffendorf. Wolfgang Knöpfle hat es zwar nicht ganz geschafft, kam aber weiter als vergangenes Mal. Der 54-jährige Beffendorfer war beim Ultramarathon Jurasteig Nonstop Ultratrail – kurz Junut – gestartet (wir berichteten). Im Folgenden schildert er (in Auszügen), wie er den Lauf erlebt hat:

"Es sollte wohl einfach nicht sein, bei meiner zweiten Teilnahme am Junut hätte alles so gut laufen können. Die Form hat gepasst, und das Wetter hat sich mit optimalen Temperaturen auch von der besten Seite gezeigt. Leider hat irgendetwas nicht ganz gepasst, die falschen Schuhe, die falschen Socken, die Kombination von beiden oder irgendein anderer Grund.

Am Ende war es so, dass ich bei Verpflegungspunkt elf in Deining nach 202 Kilometern aufgrund großer Blasen an beiden Füßen ausgestiegen bin. Manchmal fühlt es sich an wie eine Niederlage, 37 Kilometer vor dem Ziel aufzugeben. Meist jedoch fühlt es sich einfach großartig an: 202 Kilometer an einem Stück, ohne größere Pause in gut 40 Stunden. Noch nie bin ich eine solche Strecke gelaufen. 2016 hat es ›nur‹ zu 170 Kilometern – meine bisherige Bestweite – gereicht. Für den Junut 2017 hatte ich mir vorgenommen, nicht auf die Zeit zu achten, sondern nur das Ziel im Fokus zu haben. Die lange Strecke und die gute Form haben jedoch das gute Gefühl, schneller unterwegs zu sein, gefördert. Und so schaute ich auch mal auf die Zeit.

Punkt 9 Uhr machten sich in Dietfurt im Altmühltal rund 100 ›Verrückte‹ auf den Weg. Es ging vom Start weg sehr gut. Den Verpflegungspunkt eins in Riedenburg nach 26,7 Kilometern und circa 1000 Höhenmetern erreichte ich nach 3.54 Stunden (...)

Bis nach Matting hatte ich mit einer tollen Gruppe ein gutes Tempo, sodass ich meinen optimistischen Zeitplan sogar unterbieten konnte. Der Verpflegungspunkt in Matting hat eine Besonderheit: Ab 21 Uhr wird man von der örtlichen Feuerwehr mit einem kleinen Rettungsboot über die Donau übergesetzt (...)

Erste Anzeichen von Blasen bemerkte ich bei den langen Bergab-Passagen. Ich wollte aber das aufziehende Übel noch nicht beachten und lies die Schuhe an. Die Nachricht, dass ein Bericht über mich und den Junut in der Zeitung steht, hatte mich zu diesem Zeitpunkt beflügelt und neue Energie freigesetzt. Mit einem längeren Abschnitt nach Schmidmühlen zu Verpflegungspunkt sieben brach der neue Tag an. Mit dem Tageslicht kam auch neue Energie in den Körper. Wegen der zunehmenden Schmerzen durch die Blasen konnte ich nur noch gehen, rennen war leider nicht mehr möglich. Die ganze Runde zu schaffen und das Ziel nach 239 Kilometern zu erreichen, stand dennoch außer Frage. Im Vorjahr habe ich für die 170 Kilometer 37.52 Stunden benötigt, dieses Jahr bin ich bereits nach 32.22 Stunden in Kastl angekommen. Von jetzt ab war es Neuland. Jeder weitere Schritt war ein neuer Rekord, eine Motivation mit Gänsehaut, mit übergroßer Freude habe ich mich auf den weiteren Weg gemacht (...)

Die zweite Nacht hatte begonnen. Ab hier war ich mit Hansi unterwegs. Nach längeren Abschnitten alleine war es zu Beginn der zweiten Nacht für uns beide einfacher, die Strecke zu finden. Hansi hatte es mit mir sicher nicht einfach, meine Laune wurde immer schlechter, jeder Schritt wie auf heißen Kohlen, die Schmerzen teilweise unerträglich. Ich wollte aber nicht jammern, jeder hat es sich selber ausgesucht. Nach 40.36 Stunden Laufzeit sind wir in Deining angekommen. Die Entscheidung war einfach – ein Blick auf die Füße und die beginnenden Entzündungen hat zum Abbruch geführt. Es ist zwar schade, so kurz vor dem Ziel aufgeben zu müssen, aber hinsichtlich der Gesundheit war die Grenze für diesmal erreicht. Die Saison hat gerade erst begonnen und einen Ausfall bei der Arbeit wollte ich auch nicht riskieren.

Am Ende bleibt eine unglaubliche Erfahrung. Ich habe neue Freunde gefunden und interessante Geschichten gehört, Streckenabschnitte und Schmerzen geteilt, aber auch das Glücksgefühl und den Stolz – trotz der Aufgabe des Rennens."

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