Nusplingen Wenn High Noon ist in Polen

Schwarzwälder-Bote, 03.08.2012 20:01 Uhr

Von Karina Eyrich

Nusplingen. Zu einer "Tour d'Europe" durch fünf Länder starten zehn Radfahrer heute um 7 Uhr auf dem Platz vor dem Rathaus. Ihr Ziel ist Ujazd – die polnische Partnergemeinde von Nusplingen.

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Rund 1300 Kilometer Radstrecke liegen vor Bürgermeister Alfons Kühlwein und seinen neun Mitstreitern, die heute um 7 Uhr vor dem "Roten Rathaus" in Nusplingen in Richtung Ujazd aufbrechen – wobei sie am ersten Tag noch von weiteren Fahrern, zum Beispiel dem SPD-Landtagsabgeordneten Hans-Martin Haller, begleitet werden.

Elf Tage lange werden sie unterwegs sein – mit Begleitfahrzeug, das zwei junge Feuerwehrleute steuern. "Die opfern ihren Urlaub dafür", betont Kühlwein. "Auf dem Donauradweg geht es bis Wien, dann weiter durch das Marchtal bis Olmütz. In Ostrau treffen wir dann die Delegation aus Ujazd, die uns dort abholt – um High Noon, um zwölf Uhr mittags."

Angeführt wird die Delegation aus der Partnergemeinde von einem gewissen Herrn Woityla, einem Verwandten von Papst Johannes Paul II., der als Karol Wojtyla in Polen geboren wurde. Da ist es gut, dass auch die Radfahrer schon mit dem Segen des Herrn unterwegs sind: Vor ihrer Abfahrt spendet ihnen Pfarrer Schygulla aus Ujazd, der zurzeit in Nusplingen weilt, den Reisesegen.

"Am 14. August werden wir abends auf dem Marktplatz von Ujazd eintreffen", berichtet Kühlwein, der sich auf die anstrengende Tour eigens vorbereitet hat, obwohl er als Radfahrer gut trainiert ist. "Rund die Hälfte der Strecke habe ich im vergangenen Jahr schon mit dem Kollegen Manfred Bopp aus Straßberg zurückgelegt." Allzu sehr abstrampeln wollen sich die Nusplinger – neun Männer und eine Frau – allerdings nicht, wie Kühlwein betont: "Zwischendurch werden wir uns auch etwas anschauen: Regensburg, Passau, das Stift Melk und natürlich Wien – ich freue mich schon auf dieses gemeinsame Erlebnis."

Ist Doping ein Thema für Kühlwein und seine Begleiter? Selbstredend dopen sie – freilich so, wie es sich für echte Radsportler gehört: "Mit Müsliriegeln und Traubenzucker", sagt der Schultes und lacht.

Sein Amtskollege Tadeusz Kauch aus Ujazd wird die Delegation beim Empfang im Rathaus sicher auch mit dem einen oder anderen Muntermacher versorgen – Oberschlesien ist für seine gute Küche bekannt. Die Nusplinger schätzen aber noch mehr an der Gemeinde, zu der die Partnerschaft seit elf Jahren besteht – zwischen den Kirchengemeinden beider Orte sogar schon fünf Jahre länger. "Wir versuchen, den Kontakt mit mindestens einem jährlichen Treffen zu pflegen", sagt Kühlwein, der inzwischen sogar etwas Polnisch kann: "Guten Tag, meine Damen und Herren". Immerhin.

Dennoch ist er froh, dass die Deutschkenntnisse der polnischen Freunde deutlich besser sind: "Die Alten in Oberschlesien können es noch, und die Jungen lernen es wieder", freut sich Kühlwein. In diesem Sinne: Szerokiej drogi – gute Reise!

 
 
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