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Nusplingen/Asselfingen Paukenschlag zu Saisonstart der Grabungen

Schwarzwälder Bote, vom 15.04.2011 12:07 Uhr
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Die Schwanzwirbelsäule des 17. Nusplinger Meerengel ist bereits zu erkennen.  Foto: Ilg
Die Schwanzwirbelsäule des 17. Nusplinger Meerengel ist bereits zu erkennen. Foto: Ilg

Von Christoph Holbein und Johannes Wagemann
Asselfingen/Nusplingen. Die neue Saison für das Grabungsteam des Stuttgarter Naturkundemuseums im Nusplinger Plattenkalk (Zollernalbkreis) hat mit einem Paukenschlag begonnen. Völlig überraschend kam der nunmehr 17. Meerengel zum Vorschein – das jurazeitliche Fossil einer Hai-Art.

Auch gut 100 Kilometer weiter nordöstlich freuten sich die Archäologen: In Asselfingen (Alb-Donau-Kreis) konnte nach zwei Jahren andauernder Puzzlearbeit der größtenteils rekonstruierte Löwenmensch präsentiert werden. Die helle, braun-graue Figur ist eines der ältesten Kunstwerke der Menschheit und wurde in der letzten Eiszeit aus einem Mammutstoßzahn geschnitzt. »Das ist ein sehr schöner Tag heute«, sagte gestern in Asselfingen Ausgrabungsleiter Claus-Joachim Kind. Er sei begeistert von den gefundenen Fragmenten – die letzten wurden im Spätsommer 2010 entdeckt. Sie seien nicht nur von großer archäologischer, sondern auch kunsthistorischer Bedeutung.

Es ist wie ein dreidimensionales Puzzlespiel

Insgesamt haben die Forscher am Rand der Schwäbischen Alb in zweijähriger Arbeit Hunderte kleiner Fragmente aus der 35 000 bis 40 000 Jahre zurückliegenden Epoche entdeckt. Mit einigen probierten sie, den Löwenmenschen zu vervollständigen – und es gelang auf Anhieb, so Kind. So sei es nun möglich, die fehlende rechte Seite der Figur wie auch Rückenpartien zu vervollständigen. »Es ist wie ein dreidimensionales Puzzlespiel«, so der Archäologe Kind.

Zudem zeigten die Funde, dass die Figur ursprünglich größer gewesen sei als die heute vorhandenen rund 30 Zentimeter. Dargestellt ist jedenfalls eine Mischung aus dem gefährlichen Höhlenlöwen und einem Menschen – das könnte mit Schamanentum zu tun haben, vermuten die Forscher. Doch Kind ist sich offenbar nicht ganz sicher: »Wir bewegen uns auf sehr dünnem Eis.« Die Tatsache, dass bisher nur die eine Figur und keine Werkzeuge gefunden worden seien, deute auf eine religiöse Bedeutung des Ortes hin, den Sagen aus dem Mittelalter mit dem Teufel in Verbindung brachten.

Mit Hilfe von Computertomographie-Aufnahmen und einer Computersimulation werde die Figur 2012 insgesamt restauriert. Begonnen hatten die neuen Ausgrabungen in der Annahme, dass 1939, als der Löwenmensch von Robert Wetzel gefunden wurde, noch nicht alle Teile der Stadelhöhle in der Nähe von Asselfingen sorgfältig erforscht wurden. 25 Meter vom Eingang der Höhle am Hohlenstein waren die Ausgrabungen schließlich von Erfolg gekrönt.

Der neue Meerengel misst mehr als einen Meter

Der Erfolg für die Forscher um Günter Schweigert im Nusplinger Plattenkalk auf dem Westerberg kam viel überraschender. Im vergangenen Jahr war den Forschern zwar eine Vielzahl wissenschaftlich interessanter Funde jurazeitlicher Versteinerungen gelungen, jedoch befand sich darunter nichts allzu Spektakuläres, abgesehen von einem gut erhaltenen Pfeilschwanzkrebs.

Umso größer ist die Freude über das nun entdeckte Exemplar von mehr als einem Meter Länge. Das Fossil wurde komplett geborgen, bedarf aber erst noch einer äußerst aufwendigen Präparation, da es in einer stark tonigen Lage mit vielen Rissen und Klüften gelegen hatte.

Die Nusplinger Plattenkalk-Lagune wird als »Reich der Meerengel« bezeichnet. Nirgendwo sonst auf der Welt wurden so viele Fossilfunde dieser Haigruppe gemacht wie in diesen 150 Millionen Jahre alten Plattenkalken. Schweigert und seine Mitstreiter sind gespannt, welche Überraschungen die diesjährige Grabungskampagne noch bereithält.

Der Asselfinger Fund reiht sich ebenfalls in eine Serie von Entdeckungen ein: Auf der Schwäbischen Alb waren in den vergangenen Jahrzehnten in mehreren Höhlen immer wieder bedeutende Kunstwerke aus der Eiszeit entdeckt worden – so zuletzt die sogenannte Venus vom Hohlen Fels oder auch eine kleine Mammutfigur. Claus Wolf, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, sagte, die Funde könnten auch dazu beitragen, für die Höhlen der Schwäbischen Alb die Aufnahme ins Unesco-Weltkulturerbe zu beantragen.

Ab Sonntag, 17. April, wird der Löwenmensch in einer Ausstellung im Ulmer Museum gezeigt.

 

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