London - Die Queen bei einer Kabinettssitzung in der Downing Street - das hat es noch nie gegeben. Will die Monarchin im hohen Alter von 86 Jahren und nach 60 Jahren auf dem Thron plötzlich die jahrhundertealte Trennung von Krone und Regierung aufheben? Mitnichten.

Die Königin kam nur, um sich von den Ministern ihr Geschenk zum Diamantenen Thronjubiläum abzuholen - 60 Platzdeckchen für die Bankett-Tafel. Als sie am Dienstag für rund 30 Minuten zwischen Premierminister David Cameron und Außenminister William Hague auf Camerons angestammten Stuhl Platz nahm, rutschte sie die Stuhlbeine demonstrativ ein paar Zentimeter nach hinten - die Königin hat in der Regierung nur Beobachterstatus.

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König George III. war der letzte König, der in die Downing Street zu einer Kabinettssitzung kam. Das war 1781. Damals ging es um den Krieg zur Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Kolonie löste sich vom britischen Mutterland los. „Inzwischen hat sich das Verhältnis ein wenig verbessert“, sagte Premier Cameron scherzhaft.

Auch Elizabeths Vater, König George VI., hatte sich mit den Ministerin getroffen. Während des Zweiten Weltkriegs hatte er sich über die Lage informieren lassen - jedoch nicht in der Downing Street.

Die Monarchin greift üblicherweise nicht in die Tagespolitik ein

Die Ministerriege grüßte höflich per Handschlag, als die Queen, ganz in blau gekleidet, über den roten Teppich durch die Tür mit der berühmten Hausnummer zehn ging. Die Damen machten sogar einen Knicks. Die Kabinettsmitglieder hatten in ihre eigene Tasche gegriffen, um der Königin am Ende ihres Jubiläumsjahres ein Geschenk zu machen. Anschließend ging es um parlamentarische Geschäfte und um Afghanistan. Nach einer halben Stunde hatte die Königin genug gehört - und wünschte Frohe Weihnachten.

Die Monarchin greift üblicherweise nicht in die Tagespolitik ein und hat praktisch ausschließlich repräsentative Aufgaben. Selbst die Inhalte ihrer Reden und die Ziele ihrer Staatsbesuche muss sie sich von der Regierung billigen lassen.

Die Trennung von Krone, Regierung und Parlament war bereits 1689 in der Bill of Rights festgelegt worden; sie wurde später immer wieder durch einzelne Gesetze und auch Gewohnheitsrecht ergänzt und erweitert. Heute verliest die Queen nur noch das Regierungsprogramm in ihrer Thronrede und empfängt einmal pro Woche den Premierminister - in der Amtszeit von Elizabeth waren es bereits zwölf verschiedene.

Nach der Kabinettssitzung ging es für die Queen ins Außenministerium - der letzte offizielle Termin ihres Jubiläumsjahres nach 60 Jahren auf dem Thron. Aus dem Anlass verkündete Außenminister Hague, dass ein Landstück in der Antarktis nach der Monarchin benannt werden und Queen Elizabeth Land heißen soll. Die Fläche, mit 437 000 Quadratkilometern fast zweimal so groß wie Großbritannien, ist weitgehend unbewohnt. Hague legte Wert auf die Feststellung, die Namensgebung erfolge im Einklang mit dem Antarktis-Vertrag. Großbritannien streitet seit Jahrzehnten mit Argentinien um die Falkland-Inseln im Südatlantik.