Freudenstadt - Der Nationalpark im Nordschwarzwald kann kommen - wenn er einige Forderungen erfüllt. Dieses Resultat lässt sich aus den Berichten der sieben regionalen Arbeitsgruppen herauslesen, die am Mittwoch in Freudenstadt vorgestellt wurden. Die Betroffenen wollen mehr Mitspracherechte sowie Garantien für Wirtschaft und Tourismus. Ihre Erkenntnisse werden jetzt in das vom Land in Auftrag gegebene Gutachten eingearbeitet. Naturschutzminister Alexander Bonde (Grüne) kündigte an, es nach der Osterpause 2013 zu präsentieren. Danach soll der Landtag entscheiden.

Die etwa 150 Fachleute aus der Region beschäftigten sich mehrere Monate lang mit den möglichen Folgen eines Nationalparks für die Region. Dabei untersuchten sie unter anderem die Wirkungen auf Infrastruktur und Tourismus, Waldentwicklung und Borkenkäfergefahr sowie auf die Wildtierpopulationen, speziell die Aussichten für das Wappentier Auerhuhn. Das Resümee: Die Einrichtung eines 10 000 Hektar großen Nationalparks darf nicht nur der Natur Vorteile bringen, sondern muss sich auch für Wirtschaft und Tourismus lohnen.

Im Bericht des Arbeitskreises Infrastruktur etwa heißt es: „Der Nationalpark muss Mehrwert für alle Wirtschaftszweige haben.“ Dies gelte umso mehr, da die holzverarbeitenden Betriebe mit Einschränkungen rechnen müssten. Ihnen entgehen bis zu 50 000 Festmeter Holz jährlich, das in der geschützten Zone nicht mehr geschlagen werden darf. Sehr zum Unmut der Branche, die erneut darauf hinwies, „dass Holz ein viel zu wertvoller Rohstoff ist, um ihn nicht nachhaltig zu nutzen“.

Um die Vorteile zu gewährleisten, fordern die Regionalvertreter mehr Mitspracherechte. „Die in Deutschland bestehenden Beteiligungsformen der betroffenen Regionen bei Nationalparks sind nicht ausreichend.“ Ihrer Ansicht nach muss der Nationalparkrat paritätisch mit Land und Region besetzt sein. Die Region würde dann Vertreter aus allen Gruppierungen entsenden, von Naturschutz- und Wirtschaftsverbänden bis zu Kirchen und Sportvereinen. Nicht zuletzt verlangen die Regionalvertreter einen Ausstiegsplan, wenn es mit dem Nationalpark zu einer nicht mehr kontrollierbaren Borkenkäferplage käme.

Die Tourismusfachleute sehen den Nationalpark vor allem als Chance, die Region nach vorne zu bringen, auch wenn sie einschränken: „Grundsätzlich ist ein Nationalpark ein Naturschutz-Großprojekt und keine touristische Fördermaßnahme.“ Dennoch könnte er für „eine gemeinsame, nachhaltige Identität und ein Markenbewusstsein“ sorgen.

Daran hapert es bislang. Trotz etlicher Fünf-Sterne-Hotels, Michelin besternten Restaurants und Premium-Wanderwegen ist der Norden des Schwarzwaldes bei den Touristen bei weitem nicht mehr so beliebt wie der Süden. Die richtige Vermarktung des Parks könnte die Attraktivität steigern. Denkbar seien etwa Titel wie „Die Drei - Generationen Genussregion“ oder „Der wilde Schwarzwald mit dem echten Genuss“.

Dafür müsse auch ein passendes Verkehrskonzept erarbeitet werden, angefangen von Sonderfahrten der Bahn bis zu Verleihstationen für E-Roller und Segways. Wanderwege und Routen für Langläufer und Mountainbiker müssten Bestandsschutz erhalten und einheitlich ausgeschildert werden. Weitere Attraktionen wie Klettersteige, Wildgehege und auch drei Empfangsstationen für die Besucher sollten gebaut werden. Das Land müsse für solche Investitionen garantieren.