Nordschwarzwald - Endspurt für die regionalen Arbeitskreise zum Nationalpark Nordschwarzwald: Am 5. Dezember werden diese in Freudenstadt die Ergebnisse ihrer Arbeit vorstellen. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass nicht alle damit zufrieden sind.

Der ehemalige Forstprofessor Wolfgang Tzschupke aus dem Kreis Freudenstadt ist beispielsweise Mitglied im Arbeitskreis "Waldumbau und Borkenkäfer". Er gehört zu den Gegnern des Nationalparks Nordschwarzwald und kritisiert vor allem die seiner Meinung nach schwammige Zielsetzung der Arbeitsgruppe. Zwar werde über die Möglichkeiten des Waldumbaus diskutiert und auch die Borkenkäferproblematik angesprochen, doch "es wird nicht ernsthaft versucht, einen Vergleich zwischen der bisherigen Nutzung des Waldes und der künftigen Entwicklung in einem Nationalpark darzustellen", sagt er. Ein objektives Gutachten, so Tzschupke, müsste die Vor- und Nachteile beider Bewirtschaftungsarten gegenüberstellen.

Auch die Zusammensetzung der Arbeitskreise, die dem Nationalparkgutachten zuarbeiten, hält er mit Blick auf die Nationalparkgegner für nicht optimal: 30 Personen umfasst seine Gruppe, darunter hat Tzschupke nur "zwei bekennende Kritiker" ausgemacht, aber viele Mitarbeiter der Forstverwaltung, die "gute Beamte" seien. In den anderen Arbeitskreisen gehen für seinen Geschmack ebenfalls viele Mitglieder zu sehr in Deckung, um sich keine politischen Nachteile einzuhandeln. "Manche agieren dort eher nach dem Motto 'Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass'."

Am Ende zählt das Ergebnis

Die Einrichtung der Arbeitsgruppen sieht der Kritiker jedoch als "politisch klugen Schachzug", und auch an der Objektivität der Gutachter gibt es für ihn bislang keinen Grund zu zweifeln. Doch am Ende zählt das Ergebnis: "Es wird darauf ankommen, wie die Erkenntnisse der Arbeitskreise in das Gutachten einfließen und wie ergebnisoffen die Diskussion dann tatsächlich geführt wird." Und noch etwas kritisiert der ehemalige Forstprofessor: Die Suche nach einem Kompromiss, der Nationalparkbefürworter und -gegner wieder einen könnte, kommt ihm in der Diskussion zu kurz. Sein Vorschlag, um die verhärteten Fronten auszuweichen: Statt eines großen Nationalparks mit 10 000 Hektar Fläche auszuweisen, könnte die grün-rote Landesregierung mehrere kleine Nationalparke über den gesamten Schwarzwald verteilen und ihn damit zur Nationalparkregion machen.

Klaus-Ulrich Röber, erster Landesbeamter aus Freudenstadt, ist Mitglied in den beiden Arbeitskreisen Naturpark und Regionalentwicklung und sieht sie als Bereicherung. "Wir haben eine gute Arbeitsatmosphäre, in der die Dinge leidenschaftlich, aber sachlich diskutiert werden", sagt er. Hauptthema dort war die künftige Zusammenarbeit zwischen dem Land und den Nationalparkkommunen. "Hier gab es Befürchtungen, dass Gemeinden, die bisher die Planungshoheit haben, künftig bei wichtigen Infrastrukturveränderungen übergangen werden könnten."

Daher habe der Arbeitskreis "Regionalentwicklung/Infrastruktur" einen Verordnungsentwurf erstellt, der für Land und Kommunen in wichtigen Fragen jeweils ein 50-prozentiges Mitspracherecht vorsieht. Durch die Parität, so Röber, "wollen wir sicherstellen, dass wir auch künftig auf Augenhöhe wahrgenommen werden". Eine enge Kooperation mit dem Land fordert auch der Arbeitskreis Naturpark. Dort wird laut Röber ein Nationalpark als Ergänzung gesehen, von der auch der bestehende Naturpark Schwarzwald-Mitte-Nord profitieren könnte.

Sehr intensive Diskussionen

Karl-Heinz Stierle, Abteilungsleiter für Forst und Jagd im Calwer Landratsamt, hat sich im Arbeitskreis Naturschutz engagiert. "Die Stimmung ist gut, die Zusammensetzung richtig, und die Ergebnisse sind handfest", meldet er. Hauptthema in seiner Gruppe war die Frage, welche Vorteile für die Artenvielfalt ein Nationalpark im Vergleich zur Ausweisung weiterer Bannwälder hätte, und wie sich größere Borkenkäfer- oder Sturmholzflächen auf die Artenzusammensetzung auswirken könnten. Aber auch die Frage, ob der geplante Entwicklungszeitraum von 30 Jahren für den Umbau des Waldes zum Nationalpark ausreicht, sei durchaus kontrovers in dieser Gruppe diskutiert worden. "Bei uns war eine freie, sachliche und politisch unabhängige Diskussion möglich", bilanziert Stierle die Arbeit.

Der Baiersbronner Hotelier Hermann Bareiss sieht die Arbeitskreise ebenfalls recht positiv. "Wir haben uns intensiv mit den Kriterien der Gegner und der Befürworter des Nationalparks auseinandergesetzt und kritische Punkte analysiert und hinterfragt", berichtet der Sprecher des Arbeitskreises Tourismus. In dieser Gruppe ging es um die Frage, ob die ursprüngliche Planung des Nationalparks beibehalten werden kann. "Wir wünschen uns einen modifizierten Nationalpark, der unseren Standort aufwertet und für die Bewohner und Arbeitgeber in der Region ein Gewinn ist", fasst er die Ergebnisse zusammen.

Ein Nationalpark im Nordschwarzwald müsse attraktiv und lehrreich zugleich sein und mit ganzjährigen Angeboten die Möglichkeit bieten, die Natur im Nordschwarzwald hautnah zu erleben. "Wir brauchen keine oberflächlichen Events, sondern etwas, das in die Tiefe geht und von den Menschen in der Region und aus den Ballungszentren als Bereicherung erlebt wird." Dazu habe es im Arbeitskreis viele gute Ideen gegeben.

Mit Blick auf die aktuelle Diskussion war Hermann Bareiss eines besonders wichtig: "Bei so einem epochalen Projekt darf es keine isolierte Entscheidung von Gegnern oder Befürwortern geben. Wir müssen gemeinsam etwas entwickeln, was allen Menschen dieser Gegend zugute kommt. Ob das ein Nationalpark oder etwas anderes wird, werden wir sehen."

 
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