Nordschwarzwald - Für die Befürworter des Nationalparks im Nordschwarzwald gibt es in diesem Jahr schon vor Weihnachten eine "frohe Botschaft": "Der Wunsch dieser Region: Nationalpark Schwarzwald" steht auf dem Riesenbanner, das gestern an der Staumauer der Schwarzenbach-Talsperre bei Forbach (Kreis Rastatt) hing. Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace hatten es dort in einer spektakulären Kletteraktion befestigt, um damit publikumswirksam das Ergebnis einer Forsa-Umfrage zu verkünden. Demnach sind 65 Prozent der Bevölkerung in den Kreisen Freudenstadt, Calw, Ortenau und Rastatt für die Einrichtung eines Nationalparks.

Wasser auf die Mühlen von Landesagrarminister Alexander Bonde (Grüne): "Die Forsa-Umfrage zeigt, dass der intensive Diskussions- und Beteiligungsprozess der Landesregierung von den Menschen im Land und in der Region angenommen wird und zunehmend die Chancen eines Nationalparks für Mensch und Natur in der Region gesehen werden."

Pünktlich zur Mittagszeit steigen die Greenpeace-Kletterer bei strahlendem Sonnenschein in die Wand der gewaltigen Staumauer. Strahlen auch in den Gesichtern der Organisatoren vor Ort: "Es läuft wie am Schnürchen, das Monsterbanner hängt bald", sagt Luis Scheuermann, Waldexperte von Greenpeace, und blickt auf die Staumauer. Sie ist eines der gewaltigsten Monumente im Schwarzwald und hat als Verkündungsort der Plakatbotschaft durchaus auch Symbolcharakter. Hier, in der Gegend um Forbach, regte sich schon früh Widerstand gegen das geplante Naturschutzprojekt der grün-roten Landesregierung, und von hier aus werden auch die Anti-Nationalparkschilder verschickt, mit denen die Projektgegner protestieren.

"Das war eine logistische Meisterleitung", lobt Scheuermann die 18 Greenpeace-Aktivisten nach der knapp zweistündigen Kletteraktion. Per Hubschrauber wird das ganze Spektakel fotografisch dokumentiert, denn "wir wollen dieses Bild ins ganze Land schicken", meint der Waldexperte.

Und die Botschaft auf dem Riesenbanner stimmt: Zumindest ist das das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die Greenpeace im vergangenen Monat in Auftrag gegeben hat. Dabei wurden 502 Menschen in den betroffenen Nationalparkregionen dazu befragt, ob sie einen Nationalpark im Nordschwarzwald gut oder schlecht finden. Das Ergebnis: Fast zwei Drittel aller Befragten fänden es sehr gut (21 Prozent) oder gut (44 Prozent), wenn im Nordschwarzwald ein Wald-Nationalpark eingerichtet werden würde. 16 Prozent betrachteten dies als weniger gut, nur acht Prozent hielten es für schlecht.

Damit widerspricht das Ergebnis der Behauptung der Nationalparkgegner, dass die Mehrheit der Bevölkerung in den betroffenen Regionen das Projekt ablehne. Und es bestätigt eine schon zuvor geführte landesweite Forsa-Umfrage von Greenpeace: Auch damals sprachen sich 65 Prozent der Baden-Württemberger für einen Nationalpark aus.

"Die hohe Akzeptanz der Menschen in der Region ermutigt die Befürworter des Nationalparks. Das ist ein guter Start. Wir wollen noch mehr Menschen informieren und sie von den Vorteilen eines Nationalparks überzeugen", sagt Scheuermann. Insgesamt, so sein Eindruck, verändert sich die Stimmung in Sachen Nationalpark gerade, immer mehr Menschen stünden dem Projekt aufgeschlossen gegenüber, und die Proteste würden immer leiser.

Die breite Zustimmung für die Einrichtung des Nationalparks findet sich laut der aktuellen Forsa-Umfrage in allen Altersklassen und über alle Parteien hinweg. Das dürfte wohl vor allem die CDU im Land interessieren, die sich eine Art Schweigegelübde bis zur Veröffentlichung des abschließenden Gutachtens zum Nationalpark auferlegt hat. Denn auch die Mehrheit der CDU-Wähler (56 Prozent) befürwortet in der Umfrage das Naturschutzprojekt der grün­roten Landesregierung.

Einen verwundert dieses Ergebnis nicht: Oliver Raststetter, Bürgermeister von Lauf (Kreis Ortenau). Gemeinsam mit anderen CDU-Kollegen hat er kürzlich die Gruppe Christdemokraten pro Nationalpark gegründet und schon damals darauf hingewiesen, dass die Meinung der Basis zum Nationalpark eine andere sei als die in der CDU-Landtagsfraktion und das Projekt an sich eine ursprünglich christdemokratische Idee. "Der CDU würde es gut tun, wenn sie ihre Haltung jetzt überdenkt", rät er den Landtagsabgeordneten, das Forsa-Ergebnis bestätige seinen subjektiven Eindruck. "Ich bin gespannt, wie die CDU darauf reagiert", so Rastetter.

Derzeit, so sein Gefühl, sei die Mehrheit der Abgeordneten gegen das Projekt, und manche würden versuchen, das Thema politisch zu instrumentalisieren. Das ist der falsche Weg, meint Rastetter: "So hat man vielleicht noch vor 20 Jahren Oppositionspolitik gemacht, heute aber wollen die Bürger eine kritische und sachliche Diskussion und keine ideologischen Grabenkämpfe mehr." Wenn das abschließende Gutachten, das die Landesregierung zum Nationalpark in Auftrag gegeben hat, im Frühjahr auf den Tisch kommt, würden noch mehr CDUler aus der Deckung kommen, da ist sich Rastetter sicher.

Bis dahin wird sich auch die Greenpeace-Gruppe mit dem Freundeskreis Nationalpark weiter für das Waldschutzprojekt im Nordschwarzwald engagieren: "Ich finde es peinlich, wenn wir Brasilien und Indonesien dazu auffordern, den Tropenwald zu schützen, und wir in Baden-Württemberg nicht mal 10 000 Hektar Schutzzone für einen Nationalpark hinbekommen", meint Luis Scheuermann. Dem heimischen Waldstorch und dem Dreizehenspecht bringe der Tropenwaldschutz nämlich nichts.

Gestern Abend wurde das 28 mal 15 Meter große Plakat wieder von der Staumauer genommen und eingepackt. Eingemottet wird es aber nicht: "Wir haben schon Ideen, wo es demnächst hängen könnte", sagt der Waldexperte von Greenpeace schmunzelnd.