Nordschwarzwald Mehr Fläche, größere Vielfalt

Sylvia Wiegert , 06.12.2012 08:01 Uhr

Nordschwarzwald - Ein Nationalpark im Nordschwarzwald macht aus naturschutzfachlicher Sicht Sinn, wenn möglichst große, zusammenhängende Waldgebiete als Kernzone festgelegt werden. Das ist die zentrale Empfehlung, die der Arbeitskreis Naturschutz und Biodiverstät gestern in seinem Endbericht Minister Alexander Bonde vorlegte.

Mit seinem Ergebnis steht der Arbeitskreis im Widerspruch zu der von Nationalpark-Kritiker Wolfgang Tzschupke geforderten Kompromisslösung. Der ehemalige Forstprofessor hatte vorgeschlagen, statt eines großen Nationalparks im Nordschwarzwald mehrere kleinere über den Schwarzwald zu verteilen.

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Bei der gemeinsamen Abschluss-Sitzung der regionalen Arbeitskreise im Freudenstädter Kurhaus machte Dorothee Braband, Sprecherin des Arbeitskreises Naturschutz und Biodiversität, deutlich, warum die Größe eines Nationalparks von Bedeutung ist: Eine große Fläche, so die Expertin des Dezernats für Natur- und Landschaftsschutz im Calwer Landratsamt, könne mehr unterschiedliche Lebensräume beherbergen und damit auch mehr Arten.

Ökologische Nische heißt der Fachbegriff für die unzähligen Kombinationsmöglichkeiten von Standortbedingungen, die beispielsweise Waldgebiete in kühlen Talauen von denen auf sonnigen Kuppen unterscheiden. Für jede dieser Nischen, so Braband, gebe es in der Natur eine angepasste Lebensgemeinschaft. Wenn eine große Zahl von Nischen und ihre jeweilige Artenvielfalt geschützt werden soll, sei dies nur auf größeren Flächen möglich, so das Ergebnis. Zudem bräuchten Vögel und andere Wirbeltiere für den Aufbau langfristig überlebensfähiger Populationen viel Fläche.

Was die Größe eines Nationalparks im Nordschwarzwald anbelangt, befürworten die Arbeitskreismitglieder die geplanten und den Europarc-Richtlinien entsprechenden 10 000 Hektar Gesamtfläche. "Die Mindestgröße von 10 000 Hektar ist eine in der Fachwelt akzeptierte Konvention, die unter den Standortbedingungen in Europa und somit auch für den Nordschwarzwald gilt", heißt es im Abschlussbericht.

Tannen- und Buchenanteil erhöhen

Auf insgesamt 7500 Hektar der Gesamtfläche, der sogenannten Kernzone, sollen die natürlichen Prozesse geschützt und der Wald nach einer Umbau- und Entwicklungszeit von 30 Jahren weitgehend sich selbst überlassen werden. Zur sofortigen Übernahme in die Kernzone schlägt der Arbeitskreis Bannwälder, Wälder der Hochlagen, Wälder in Steillagen, Sturmwurfflächen mit Mischbeständen in der Verjüngung, Mischwälder mit einem Fichtenanteil unter 40 Prozent, Moorrandwälder, Missen und Kare vor. Für die Entwicklungszone empfiehlt der Arbeitskreis, den bestehenden Tannen- und Buchenanteil zu erhöhen.

Dazu, so der Endbericht, sollten nur Flächen ausgewählt werden, auf denen ein Waldumbau in 30 Jahren erfolgversprechend ist.

Für die restlichen 2500 Hektar, die sogenannte Managementzone, empfiehlt der Arbeitskreis die Aufnahme von pflegeabhängigen Lebensräumen wie Grinden oder Heiden, die weiterhin pflegende Eingriffe brauchen, um nicht zuzuwachsen.

Zum Schutz der Auerhuhnpopulation sollte laut Arbeitskreis auch ein kurzzeitiger und kleinräumiger Ein­griff in den Kernzonen erlaubt sein, jedoch nur bei wissenschaftlich begründetem Handlungsbedarf.

Außerdem soll die Entwicklung ausgewählter Arten und Lebensräume langfristig erfasst, beobachtet und überwacht werden. Grundsätzlich wünschen sich die Experten des Arbeitskreises so viel Eingriff wie nötig und so viel Prozessschutz wie möglich, damit ein Nationalpark zum Erlebnisraum und Lernort für die Besucher und zur Chance für die Wissenschaft wird, die dort die natürlichen Prozesse des "Waltens der Natur" begleiten und erforschen könnte.

 

 
 
Kommentare (2)
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DEZ
06
Martin Burster, 22:27 Uhr

Sachverständiger und keine Ahnung

Lieber 'Sachverständiger' machen sie sich doch einmal sachkundig, bevor sie hier soviel fehlenden Sachkenntnis zur Schau stellen. In einer Kernzone des zukünftigen NP ist keineswegs das Jagen für 'Hobbyjäger' verboten. Alleine schon der Ausdruck zeugt davon, dass jemand hier sich aus dem Fenster gehängt hat, der tatsächlich Null Ahnung hat. Mir ist nicht bekannt, dass wir in Deutschland sowas wie 'Profijäger' hätten. Die Jagd wird alleine schon deshalb weiterhin möglich und notwendig sein, um die für die Naturverjüngung viel zu hohen Schalenwildbestände im Gebiet zu regulieren. Im Bereich des NP Kellerwald in Hessen wird zum Beispiel heute viel mehr Wild zur Strecke gebracht als vor der Ausweisung zum NP. Insgesamt bleibt festzustellen, dass die Argumentation der NP-Gegner, der NP werde vor Ort abgelehnt, mittlerweile endgültig in sich zusammengebrochen ist. Trotz (versuchter) Mobilisation durch die NP-Gegner hat sich nur eine kleine Gruppe NP-Gegner zum Demonstrieren finden können. Wenn ich das richtig sehe, sind auf dem Bild übrigens auch Befürworter zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass endlich auch die letzten NP-Gegner ihre ungerechtfertigte Fundamentalopposition aufgeben. Und Herr Waldeimer, ich hoffe es dauert nicht allzu lange bis hier Aufruf Nummer 8 steht. Ich freu mich drauf, wie auf den zukünftigen NP Schwarzwald.

DEZ
06
Wildtiersachverständiger, 13:47 Uhr

UIUIUI, Zum schießen der Bericht.

Super Bericht, komme aus dem Lachen kaum noch heraus. Vielleicht sollten dem Leser auch noch einige Zusammenhänge erklärt werden. In einer Kernzone besteht erst einmal generelles Jagdverbot für Hobbyjäger. 7500 Ha fehlt ihnen also an Spielzone. Wie redet die Zeitung von Millionengrab? Aus dem Life Programm der EU fließen garantiert genug Gelder. Dieses läuft 2013 aus. Die Jägerschaft bemüht sich derzeit auch mit einigen Projekten an Gelder zu kommen, da ist so ein Projekt sicher sinnvoller, denn es dient dem Schutz der Tiere. Warum spricht man im Bericht von Vögel und Wirbeltiere? Im nächsten Moment von überlebenfähigen Populationen? Rehe, Wildschweine, Füchse, Dachse, Marder etc. sind alles Wirbeltiere. Angeblich besteht doch eine Überpopulation und hier geht es plötzlich ums überleben? Welcher Eingriff soll den die Auerhähne schützen? Solange nicht gejagt wird besteht keine Gefahr. Beutegreifer finden genug anderes Fressen wenn sie in Ruhe gelassen werden. Ich sehe es sofern die Kernzone so groß wie möglich ist nicht als Kostenfaktor an sondern sie kann wie in anderen Ländern den Nachweis erbringen das die Argumentation der Jagd Humbug ist und nur daruf gründet das Spaß verloren geht. Die Leser sollten sich selbst informieren bezüglich Kernzonen, Life Projekt, Fördermittel usw. Da wird viel verschwiegen oder verdreht. Von wegen Milliongrab.