Nordschwarzwald - Ein Nationalpark im Nordschwarzwald macht aus naturschutzfachlicher Sicht Sinn, wenn möglichst große, zusammenhängende Waldgebiete als Kernzone festgelegt werden. Das ist die zentrale Empfehlung, die der Arbeitskreis Naturschutz und Biodiverstät gestern in seinem Endbericht Minister Alexander Bonde vorlegte.

Mit seinem Ergebnis steht der Arbeitskreis im Widerspruch zu der von Nationalpark-Kritiker Wolfgang Tzschupke geforderten Kompromisslösung. Der ehemalige Forstprofessor hatte vorgeschlagen, statt eines großen Nationalparks im Nordschwarzwald mehrere kleinere über den Schwarzwald zu verteilen.

Fotostrecke2 Fotos

Bei der gemeinsamen Abschluss-Sitzung der regionalen Arbeitskreise im Freudenstädter Kurhaus machte Dorothee Braband, Sprecherin des Arbeitskreises Naturschutz und Biodiversität, deutlich, warum die Größe eines Nationalparks von Bedeutung ist: Eine große Fläche, so die Expertin des Dezernats für Natur- und Landschaftsschutz im Calwer Landratsamt, könne mehr unterschiedliche Lebensräume beherbergen und damit auch mehr Arten.

Ökologische Nische heißt der Fachbegriff für die unzähligen Kombinationsmöglichkeiten von Standortbedingungen, die beispielsweise Waldgebiete in kühlen Talauen von denen auf sonnigen Kuppen unterscheiden. Für jede dieser Nischen, so Braband, gebe es in der Natur eine angepasste Lebensgemeinschaft. Wenn eine große Zahl von Nischen und ihre jeweilige Artenvielfalt geschützt werden soll, sei dies nur auf größeren Flächen möglich, so das Ergebnis. Zudem bräuchten Vögel und andere Wirbeltiere für den Aufbau langfristig überlebensfähiger Populationen viel Fläche.

Was die Größe eines Nationalparks im Nordschwarzwald anbelangt, befürworten die Arbeitskreismitglieder die geplanten und den Europarc-Richtlinien entsprechenden 10 000 Hektar Gesamtfläche. "Die Mindestgröße von 10 000 Hektar ist eine in der Fachwelt akzeptierte Konvention, die unter den Standortbedingungen in Europa und somit auch für den Nordschwarzwald gilt", heißt es im Abschlussbericht.

Tannen- und Buchenanteil erhöhen

Auf insgesamt 7500 Hektar der Gesamtfläche, der sogenannten Kernzone, sollen die natürlichen Prozesse geschützt und der Wald nach einer Umbau- und Entwicklungszeit von 30 Jahren weitgehend sich selbst überlassen werden. Zur sofortigen Übernahme in die Kernzone schlägt der Arbeitskreis Bannwälder, Wälder der Hochlagen, Wälder in Steillagen, Sturmwurfflächen mit Mischbeständen in der Verjüngung, Mischwälder mit einem Fichtenanteil unter 40 Prozent, Moorrandwälder, Missen und Kare vor. Für die Entwicklungszone empfiehlt der Arbeitskreis, den bestehenden Tannen- und Buchenanteil zu erhöhen.

Dazu, so der Endbericht, sollten nur Flächen ausgewählt werden, auf denen ein Waldumbau in 30 Jahren erfolgversprechend ist.

Für die restlichen 2500 Hektar, die sogenannte Managementzone, empfiehlt der Arbeitskreis die Aufnahme von pflegeabhängigen Lebensräumen wie Grinden oder Heiden, die weiterhin pflegende Eingriffe brauchen, um nicht zuzuwachsen.

Zum Schutz der Auerhuhnpopulation sollte laut Arbeitskreis auch ein kurzzeitiger und kleinräumiger Ein­griff in den Kernzonen erlaubt sein, jedoch nur bei wissenschaftlich begründetem Handlungsbedarf.

Außerdem soll die Entwicklung ausgewählter Arten und Lebensräume langfristig erfasst, beobachtet und überwacht werden. Grundsätzlich wünschen sich die Experten des Arbeitskreises so viel Eingriff wie nötig und so viel Prozessschutz wie möglich, damit ein Nationalpark zum Erlebnisraum und Lernort für die Besucher und zur Chance für die Wissenschaft wird, die dort die natürlichen Prozesse des "Waltens der Natur" begleiten und erforschen könnte.