Nigeria Spürhunde suchen in Lagos nach Leichen
dapd, 04.06.2012 10:42 Uhr
Foto: dpa
Lagos - Die Passagiermaschine schlug mitten im Wohngebiet auf: Nigeria trauert um mindestens 153 Tote bei dem schweren Flugzeugunglück in Lagos. Unter den Opfern war vermutlich auch ein Deutscher. Mit Spürhunden und Kränen suchten Rettungskräfte am Montag nach Leichen unter den Trümmern. Die Behörden befürchteten, dass noch weitaus mehr Menschen ums Leben kamen. Es war die schlimmste Flugzeugkatastrophe in Nigeria seit fast zwei Jahrzehnten.
Ein Deutscher an Bord der Maschine
Kein Insasse der Maschine auf dem Weg von der Hauptstadt Abuja nach Lagos habe das Unglück am Sonntagnachmittag überlebt, teilte die nigerianische Luftfahrtbehörde mit. In einem Bericht des Roten Kreuzes hieß es, 48 Leichen seien geborgen worden. Die Unglücksursache war unklar. Kurz vor dem Absturz hatten die Piloten Militärangaben zufolge Triebwerksprobleme gemeldet. Anschließend stürzte die Boeing MD-83 der Fluggesellschaft Dana Air in Geschäfte und Wohnhäuser nahe dem Internationalen Flughafen von Lagos.
Offensichtlich wurden bei dem Unglück auch ein Mitarbeiter der deutschen Entwicklungsorganisation GIZ und sein nigerianischer Kollege getötet. „Nach derzeitigen Erkenntnissen müssen wir leider davon ausgehen, dass wahrscheinlich ein deutscher Staatsangehöriger an Bord der verunglückten Maschine war“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte in einem Kondolenzschreiben an den nigerianischen Präsidenten Goodluck Jonathan ihm und den Bürgern seines Landes ihr Beileid.
Die Maschine war anscheinend nicht im Sturzflug abgestürzt, sondern war bei sonnigem Wetter mit dem Rumpf in die dicht besiedelte Wohngegend geprallt. Das Flugzeug riss durch Dächer, durchtrennte einen Mangobaum und rammte mindestens zwei Wohngebäude. Da sich der Absturz in einer Wohngegend ereignet habe, seien zahlreiche weitere Opfer zu befürchten, sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzes, Yushau Shuaib.
Nicht genügend Löschwasser
Tausende Schaulustige strömten nach dem Absturz an den Unglücksort. Einige halfen der Feuerwehr, die Schläuche auszurollen. Mehr als drei Stunden nach dem Flugzeugunglück war aber noch immer nicht genügend Wasser verfügbar, um die Flammen zu löschen. Junge Männer brachten Plastikeimer mit Wasser. Die Behörden riefen zudem Transportfahrzeuge von nahegelegenen Baustellen herbei. Doch wegen der engen und überfüllten Straßen konnten sie die Absturzstelle nicht erreichen.
In der Nacht brachten die Behörden einen Kran zur Unglücksstelle, um die großen Trümmerteile zur Seite zu räumen. Mit Schneidbrennern begannen die Rettungskräfte außerdem, das Wrack auseinanderzunehmen. Die Flugdatenschreiber wurden zunächst nicht entdeckt.
Unter den Toten befanden sich mindestens vier chinesische Staatsbürger, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntagabend unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtete. Laut staatlichen libanesischen Medienberichten befanden sich auch zwei Libanesen unter den Opfern.
Dreitägige Staatstrauer angeordnet
Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Jonathan bete, „dass der Allmächtige den Familien der Opfer den Mut und die innere Stärke verleiht, ihren unersetzlichen Verlust zu ertragen“, hieß es in einer Stellungnahme des Präsidentenbüros zu dem Unglück. Der Präsident besuchte auch die Unglücksstelle und verbrachte begleitet von mehrere Abgeordneten etwa 20 Minuten vor Ort. „Wir werden sicherstellen, dass sich so etwas in diesem Land nicht wiederholt“, sagte er.
Der Flugzeugabsturz am Sonntagabend war offenbar der schlimmste in Nigeria seit September 1992. Damals stürzte ein Militärtransportflugzeug kurz nach dem Start in Lagos in ein Sumpfgebiet. Alle 163 Insassen kamen ums Leben.
Die Unglücksmaschine wurde nach Angaben des Aviation Safety Network 1990 gebaut und an Alaska Airlines ausgeliefert. 2009 wurde das Flugzeug nach Nigeria exportiert. Im April 2010 machte die Maschine in Lagos eine Notlandung, nachdem wegen eines Vogelschlags die Triebwerke ausgefallen waren.




