Von Albert Bantle

Niedereschach-Fischbach. Chefankläger Edgar Schlenker war gestern beim 31. Fischbacher Narrengericht schwer in Fahrt, Verteidiger Herbert Martini kämpfte wie ein Löwe ständig um Freisprüche. Doch Richter Klaus Hartmann erwies sich als gnadenlos und verhängte drakonische Strafen.

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Nur mit Mühe entgingen die Angeklagten der Wässerung im eiskalten Bach neben dem Mohren. Am Ende waren die Angeklagten froh, nur Altbadischen Wein unters Narrenvolk bringen zu müssen.

Kurzfristig wurde gar befürchtet, dass die Gerichtsverhandlung ausfallen muss, denn das Gericht, so Chefankläger Edgar Schlenker sei "brutal überlastet": Man sei mit den Verfahren von Bildungsministerin Schavan sowie der Firma Hess in Villingen beschäftigt, wo das helle Licht neuerdings dunkle Schatten werfe. Mit Blick auf Annette Schavan hat der Chefankläger im Vorfeld des Narrengerichts sogar prüfen lassen, ob wenigstens der Doktortitel von Richter Klaus Hartmann echt ist und ob dieser tatsächlich Allgemeinmediziner ist oder nur ein Tierarztfachgehilfe.

Mit Zunftmeister Christoph Droxner wurde von den beiden Gerichtspolizisten Christan Albert und Andy Ettwein gleich der erste Angeklagte vorgeführt. Ihm wurde eine ganze Latte von Verfehlungen vorgeworfen. Unter anderem sei er nicht einmal in derLage richtig zu lesen, weshalb man den Bus für eine Einladung in den Balser Hof um eine Stunde verpasst habe. Dass die Sunshine-Band nach dem Jubiläumsball ihren Wurstsalat mit Schwarzwälder Kirschtorte verspeisen sollte, weil das Brot ausgegangen war, stieß dem Gericht übel auf.

Mit Pratricia Boner erwischte es eine bislang unbescholtene Fischbacherin. Sie soll nicht zuletzt auf Grund ihrer schwäbischen Herkunft und ihres Sparwahns, den Speck für die Kartoffelsuppe der Aufbauhelfer beim Jubiläumsfest absichtlich erst zwei Stunden zu spät geliefert haben, nachdem die Suppe schon verspeist war. Flugs wurde auch Patricia Boner verurteilt.

Nicht besser erging es auch dem Narrenstüblewirt und Gutseleonkel "Wummi" Winfried Kammerer. Weil Kammerer nach dem Verteilen der Auswurfgutsele seinen Autoschlüssel nicht mehr fand und diesen in einem Korb der Schlapphuttäler und Teufenmaale wähnte, mussten alle Hästräger vor Beginn des Umzuges die Körbe noch einmal leeren. Der Schlüssel wurde dabei nicht in einem der Körbe, sondern in der Jacketasche von Kammerer befunden. Ihm bescheinigte der Chefankläger zunehmende Demenz.

Gleich 20 Flaschen Altbadischen musste Stefan Bantle, seines Zeichens Bauhandwerker, berappen. Grund: Er hat bei einem seiner Objekte die Tür beim falschen Mieter ausgewechselt. Beim Auftritt des Musikvereins, anlässlich des 65. Geburtstages von Ortsvorsteher Peter Engesser, hat es mächtig pressiert. Nicht nur, dass er dort völlig zerzaust und zu spät mit dem Quad seines Bruders zum Auftritt erschien und dafür von Egon Stern gerüffelt wurde, nein, er hatte in der Eile auch statt seines eigenen Hemdes das Feuerwehrhemd seiner Frau Ramona erwischt. Den Vogel schoss Bantle aber beim Jubiläum der Zunft ab, als er bei einem Großmarkt in Schwenningen Nachschub besorgen wollte. Er sperrte sich dort selbst aus. Als er über den Zaun kletterte, um alles zu regeln, löste er die Alarmanlage und einen Polizeieinsatz aus. Mit Mohrenwirt Berthold Weißer stand zum Schluss noch ein unverbesserlicher Wiederholungstäter vor dem Narrengericht. Was der Mohrenwirt in seiner Frauen-Anmach-Party-Jacke so alles treibt, das verschlug selbst dem Pflichtverteidiger Herbert Martini die Sprache. Am Ende war auch der Mohrenwirt mit zehn Eimer Altbadischem Wein gut bedient.