
Von Albert Bantle
Niedereschach. "Offene Türen" rannten die Gemeinderäte Walter Pankoke und Friederike Rabus mit ihrem Antrag auf eine Geschwindigkeitsbeschränkung für Teile der Villinger- und der Rottweiler Straße im Gemeinderat ein.
Zwar konnten beide persönlich nicht anwesend sein und sich für ihren schriftlichen Antrag stark machen, doch das war auch nicht nötig. Im Gegenteil: Auf Anregung von Michael Asal soll der Antrag, den die Gemeinde an die zuständige Straßenverkehrsbehörde stellen soll, um die Dauchinger Straße erweitert werden. Dem wurde ebenso einstimmig zugestimmt wie dem Antrag von Rabus und Pankoke.
Kappels Ortsvorsteher Werner Reich wäre es sogar am liebsten, wenn der Gesetzgeber durch eine entsprechende Gesetzesänderung innerörtlich generell Tempo 30 vorschreiben würde. Auch Bürgermeister Martin Ragg unterstützte den "wichtigen und sinnvollen Antrag". Er sei aber Realist und wisse aus dem Studium der Akten, dass die bisherigen Anträge der Gemeinde in dieser Sache abgelehnt wurden.
Bei beiden Durchgangsstraßen handelt es sich wie auch bei der Dauchinger Straße um Landesstraßen. Die wurden bislang nicht auf eine Mindestgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern reduziert. Lediglich in Kurorten oder dort, wo aus "verkehrtechnischen Gründen" keine Zebrastreifen angelegt werden können, wie beispielsweise um den Kindergarten in der Fischbacher Ortsmitte, sind Ausnahmen zugelassen.
"Sind denn Kurgäste mehr wert als unsere Kinder und Einwohner?", fragte der Gemeinderat und Ortsvorsteher Peter Engesser. Auch seine Ratskollegin Manuela Fauler betonte, dass Tempo 30 nur Sinn mache, wenn dies auch streng kontrolliert werde. Sie selbst wohne in einer solchen Zone, doch keiner halte sich dort an diese Begrenzung.
Engesser wollte weiter wissen, wie es mit den Durchgangsstraßen in den Ortsteilen bestellt sei. Hier war man sich einig, erst einmal zu warten, was aus dem nun beschlossenen Antrag für die Rottweiler- , Dauchinger- und Villinger Straße werde. Günther Herbst sieht es nicht gerne, wenn in Niedereschach an den drei genannten Durchgangsstraßen "Barrieren" aufgebaut werden, da diese den Winterdienst behindern und durch das ständige Anhalten und Anfahren die Lärmbelästigung für die Anwohner zu groß werden könne.
Ilse Mehlhorn wies darauf hin, dass man durch die Parkplätze am Straßenrand im Bereich des Restaurant "Bantle" bereits etwas für die Verkehrsberuhigung getan habe. Sie habe beobachtet, dass in bestimmten Situationen die Fahrzeuge, darunter selbst LKW, auf den gegenüberliegenden Gehweg ausweichen, was eine zusätzliche Gefährdung darstelle. Deshalb solle man überlegen, ob man in diesem Bereich den Gehweg nicht durch Poller unbefahrbar und damit sicherer machen sollte.
Auch Alwin Rist hat nichts gegen eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Stundenkilometer, würde aber ebenso wie Günther Herbst "Kübel" zur Verkehrsberuhigung in den drei genannten Straßen nur ungern sehen. Werner Reich sieht in dem Antrag eine Anregung "nach oben", mit einer Gesetzesänderung innerhalb geschlossener Ortschaften statt von 50 auf 30 Stundenkilometer zu reduzieren. Dann hätten alle etwas davon, egal ob sie in einem Kurort oder woanders wohnen.
Zu Beginn der Sitzung in der Frageviertelstunde hatte der Niedereschacher und früher auf der Katharinenhöhe in Schönwald tätige Kinderarzt Martin Aichele das Wort ergriffen und die Ratsmitglieder auf ihre Verantwortung gerade für Kinder und ältere Menschen und auf die in Schönwald bereits vorhandene Tempo 30-Regelung in den dortigen Durchgangsstraßen hingewiesen. Elisabeth Beck- Nielsen appelliert an die Räte, durch einen Tempo 30-Beschluss ein Signal zu setzen.
Einstimmig beschloss der Gemeinderat, für die Rottweiler-, Villinger- und Dauchinger Straße eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer zu beantragen. Sie soll mit einem entsprechenden runden Schild mit rotem Rand und schwarzer Zahl 30 ausgewiesen werden.