Neuweiler 25-Jährige zockt bei Sex-Treffen ab

Von
Vor dem bereits bezahlten Geschlechtsverkehr musste Julia K. angeblich noch mal los, um latexfreie Kondome zu besorgen. Der Klient bekam weder Geld noch Dienstleistung. Foto: dpa

Calw/Neuweiler - Gut gelaunt albert Julia K. (Name geändert) vor dem Gerichtssaal mit einer Freundin herum. Von schlechtem Gewissen keine Spur. Dabei ist die 25-Jährige wegen Betruges und Fahrens ohne Führerschein angeklagt. Und das nicht zum ersten Mal.

Im April verabredete sich die arbeitslose Kosmetikerin über das Onlineportal "kaufmich.com" mit Tobias R. (Name von der Redaktion geändert) zu einem Sex-Treffen. In Chatnachrichten sprachen sich der Mann und die Dienstleisterin über die gegenseitigen Vorlieben, das gewünschte Outfit und die Konditionen für den gemeinsamen Abend ab: 350 Euro sollte Tobias R. zahlen. Im "Gesamtpaket" mit Geschlechtsverkehr und Fahrtkosten von Stuttgart, wo die Angeklagte wohnt, nach Neuweiler. Laut Aussage von Julia K. war zudem die Rede davon, dass sie eine Freundin mitbringen könnte. Das wollte Tobias R. sich aber noch mal durch den Kopf gehen lassen. "Meine Freundin ist dann von Stuttgart nach Neuweiler gefahren und kurz vor dem Treffpunkt ausgestiegen", erklärt die Angeklagte. "Ich bin dann nur so 100 bis 200 Meter selber gefahren." Das allerdings ohne Führerschein. "Es tut mir auch leid, da habe ich einfach nicht nachgedacht", klingt ein Hauch von Reue durch.

Am Treffpunkt angekommen, stellte die 25-Jährige zwar fest, dass es sich bei ihrem Klienten um einen "ziemlich netten Mann" handelte, jedoch auch, dass der Treffpunkt für sie kein geeigneter Ort für die verabredeten Handlungen sei. "Ich hab’ gemerkt, das ist nichts für mich", meint sie.

Der Klient habe ihr zuvor nicht erzählt, dass es sich bei dem Treffpunkt um eine Arbeitsstätte handle. "Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht möchte und wir haben uns geeinigt, dass ich die 50 Euro Fahrtgeld trotzdem bekomme", führt die Angeklagte weiter aus. Von den 300 restlichen Euro habe sie aber nichts gesehen. Anschließend sei sie mit dem Auto wieder einige hundert Meter, bis zu der wartenden Freundin, gefahren, die das Fahrzeug dann zurück nach Stuttgart gelenkt hätte. Den Namen der Freundin will Julia K. nicht verraten. "Wissen Sie", führt die zuständige Richterin aus, "das ist genau der Grund, weshalb ich Ihnen die Geschichte nicht abnehme." Bei der Polizei habe Julia K. den Namen der Freundin gesagt, diese sei auch mehrmals zum Verhör geladen worden, allerdings nie aufgetaucht. "Die Version ist nicht plausibel", fasst die Richterin zusammen.

Mehrfach angeschrieben – keine Reaktion

Anschließend erläutert Tobias R. seine Sicht der Dinge. Außer der Tatsache, dass die beiden sich im Chat verabredet hatten und es zum Treffen kam, findet man kaum Parallelen in den Geschichten der beiden. Laut dem Geschädigten wollte die junge Frau im Vorfeld des Geschlechtsverkehrs ihr Geld. Dann sei ihr eingefallen, dass sie die latexfreien Kondome, die sie aufgrund einer Allergie bräuchte, vergessen hätte. "Sie hat kurz telefoniert und gemeint, sie fährt schnell nach Bad Teinach zu einer Freundin und holt dort welche", erinnert sich Tobias R.. Julia K. habe sich ins Auto gesetzt, sei weggefahren und ward nie mehr gesehen. Die 350 Euro natürlich auch nicht. Von einer Freundin, die mitkommen sollte, sei nie die Rede gewesen, fügt der mutmaßlich Betrogene hinzu. Und gesehen habe er auch niemanden. "Sie ist direkt selbst weggefahren."

Nachdem Julia K. eine Weile lang weggewesen sei, habe Tobias R. sie mehrfach angeschrieben, auch in den darauffolgenden Tagen. Keine Reaktion.

Nur wenige Monate vor diesem Vorfall musste sich Julia K. bereits vor dem Amtsgericht Reutlingen wegen eines ähnlichen Delikts verantworten. Damals habe sie mit einem Mann aus Lichtenstein ein Treffen vereinbart, das Geld genommen und sei ebenfalls unverrichteter Dinge verschwunden. Vom Amtsgericht Stuttgart bekam sie schon einmal eine Geldstrafe wegen Fahrens ohne Erlaubnis und Diebstahls.

"Es gibt Menschen, die vertreten die Ansicht, dass man für sein Geld arbeiten muss", betont die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer an Julia K. gerichtet, die seit rund einem Jahr Hartz IV bezieht, Schulden hat und seit mehr als zwei Jahren nicht mehr arbeitet. Für die Staatsanwältin ist der Sachverhalt völlig klar: "Es war von vorne herein eine fiese Abzocke. Ich habe nicht den Hauch eines Zweifels an der Version von Tobias R." Dass Julia K. nur ein paar hundert Meter weit gefahren sein soll – auch das bezweifelt die Staatsanwältin. "Sie ist von Stuttgart aus gefahren", ist sie sich sicher.

Das Urteil: Die Angeklagte wird wegen Fahrens ohne Führerschein in Tateinheit mit Betrug zu acht Monaten Haft, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden, 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit und finanzieller Entschädigung für Tobias R., verurteilt. Ihr wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. "Ich gehe davon aus, dass die Aussage von Tobias R. glaubwürdig ist", bestätigt auch die Richterin. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das viele Männer freiwillig antun vor Gericht."

Artikel bewerten
23
loading
  
Kreis Calw
  
Prozesse
  
Gericht

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln

Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.

  1. Passwort vergessen?
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!
  1. null

loading