
Von Bettina Bausch
Neuweiler-Zwerenberg. Kann man ein Bach-Konzert veranstalten, ohne dass im Programm der Name Johann Sebastian vertreten ist? Dass dies möglich ist, hat Kantor Ulrich Seeger mit seinem Zwerenberger Vokalensemble sowie dem Barockensemble Cantate Domino und Sopranistin Christina Schaum gezeigt.Das Konzert am 7. Januar in der Zwerenberger Kirche war ein voller Erfolg. Mit der ungewöhnlichen Veranstaltung auf hohem Niveau haben die Musiker etwas ins Bewusstsein der Musikfreunde gebracht, das vielen nicht in dieser Deutlichkeit bekannt war.
Musik zeigt eine beeindruckende Vielfalt
Die Bachs waren im mitteldeutschen Raum eine weit verzweigte musikalische Familie, die damals über die damaligen Grenzen hinweg sehr bekannt war. Nicht nur Johann Sebastians Vater und einige seiner Söhne musizierten und komponierten, sondern auch zahlreiche Onkel, Vettern und weitere Verwandte.
"Ein Geschlecht, in welchem Liebe und Geschick für die Musik gleichsam als ein allgemeines Geschenk für alle seine Mitglieder von der Natur mitgetheilt zu seyn scheint", lautet ein zeitgenössischer Nachruf auf Johann Sebastian Bach.
Seeger hatte Werke für Chor und Instrumente von gleich fünf Mitgliedern der Musikerfamilie für die Konzerte in Zwerenberg und Nagold ausgewählt, die teilweise direkten Bezug zu Weih- nachten und dem Neujahrsfest hatten. Hinzu kommt, dass die Aufführung mit dem Einsatz historischer Instrumente aus der Barockzeit eine besonders reizvolle und authentische Note hatte.
Der Zwerenberger Chor präsentierte die anspruchsvollen Doppelchorwerke unter der Leitung von Seeger lebendig und mit viel innerer Beteiligung. Dabei imponierte neben dem reinen Klang der Harmonien besonders die Präzision der Einsätze, die gute Artikulation sowie die feine Abstimmung der einzelnen Stimmen. Hervorzuheben sind zweifellos die Doppelchorsätze "Merk auf mein Herz" und "Herr, nun lässest du" von Johann Christoph, einem Großonkel von Johann Sebastian Bach.
Diese Werke beeindruckten mit harmonischem Reichtum und kompositorischer Dichte, sie sind schon von dem Großneffen Johann Sebastians immer wieder aufgeführt worden. Nicht minder beeindruckend erklang vom selben Komponisten die Kantate "Furcht des Herrn", bei der die junge Sängerin Kristina Schaum ihren strahlenden Sopran voll entfalten konnte.
Einen starken Eindruck hinterließ zudem die Missa brevis "Allein Gott in der Höh sei Ehr" von Johann Nikolaus Bach. Zwei Stücke von Johann Bernhard Bach sind mit historischen Instrumenten gespielt worden, die einen besonders weichen und warmen Orchesterklang erzeugt haben.
Diese Aufführung zeigt wieder einmal, wie es der gebürtige Zwerenberger Ulrich Seeger trotz mehr als 100 Aufführungen mit dem 1983 gegründeten Vokalensemble ver- steht, Neues zu bieten und damit den Chor zu motivieren sowie auch die Besucher mit hochkarätiger Musik zu faszinieren.