
Neuweiler. Ein noch nie gehörtes Konzertprogramm stellen Ulrich Seeger und sein Zwerenberger Vokalensemble bei den traditionellen Neujahrskonzerten am Wochenende, 8. und 9. Januar, in Zwerenberg und Nagold vor.
In diesem Jahr stehen ausschließlich Werke von Bach auf dem Programm, aber kein einziges ist von Johann Sebastian Bach. Er entstammt einer weit verzweigten Musikerfamilie, deren Wurzeln bis in das 16. Jahrhundert zurückreichen. Gleich 27 von 33 männlichen Familienmitgliedern waren bis zu seiner Zeit als Berufsmusiker tätig, darunter viele als Komponisten.
In der umfangreichen Notenbibliothek von Johann Sebastian Bach befindet sich eine Sammlung von etwa 20 Vokalwerken, geschrieben von Mitgliedern dieser Familie, das Altbachische Archiv. Die meisten Werke des Zwerenberger Konzertes entstammen dieser Sammlung.
Werke von fünf Mitgliedern der Familie Bach kommen zur Aufführung, allesamt Großonkel oder entfernte Vettern von Johann Sebastian Bach: Johann Christoph, Johann Michael, Johann Nikolaus, Johann Ludwig und Johann Bernhard. Obwohl deren Werke heute absolute Raritäten sind, die kaum zur Aufführung kommen, sind sie von besonderer musikalischer Qualität und bezeugen in eindrucksvoller Weise, wieso der Name Bach zu seiner Zeit in der gesamten thüringischen Heimat und darüber hinaus als herausragendes musikalisches Gütesiegel angesehen worden war. Zudem stehen die meisten dieser Werke in direktem Bezug zum Weihnachts- und Neujahrsfest, sie bieten somit einen idealen Rahmen für diese Neujahrskonzerte mit ihrer traditionell starken musikalischen Rückbesinnung auf die zurückliegenden Weihnachtstage.
Im Programm finden sich eine ganze Reihe von Kompositionen, die bereits in ihrer formalen Anlage von besonderer Originalität sind. So vertont Johann Christoph Bach in aufwendiger Manier sieben teilweise selten gesungene Strophen aus dem Weihnachtslied "Vom Himmel hoch", er verzichtet dabei aber auf die berühmte Eingangsstrophe.
Johann Nikolaus Bach kombiniert in seiner "Missa brevis" im Gloria zeitgleich den lateinischen Messetext mit seiner deutschen Übersetzung in Form des Kirchenliedes "Allein Gott in der Höh sei Ehr". In formaler Hinsicht am originellsten ist wohl das geistliche Konzert "Die Furcht des Herrn", ebenfalls von Johann Christoph Bach, in dem neben der allegorischen Figur der Weisheit zwei Stadtkämmerer, zwei Bürgermeister und, instrumental besetzt, ein Stadtschreiber auftreten.
Wegen der diesmal sparsamen solistischen Besetzung (Sopran Kristina Schaum) kommt dem Vokalensemble eine besonders tragende Rolle zu. Die oft doppelchörige Anlage der Stücke sowie die technischen Anforderungen der Partituren bieten vielfältige Gelegenheit, sich musikalisch auszuzeichnen. Dabei wird der Chor von den Mitgliedern des Barockensembles Cantate Domino unterstützt. Es ist mit Streichinstrumenten, drei Posaunen und vielfältigen Continuo klangvoll besetzt.
Die Konzerte sind am Samstag, 7. Januar, um 20 Uhr in der evangelischen Kirche Zwerenberg sowie am Sonntag, 8. Januar, um 17 Uhr in der Stadtkirche von Nagold. Eintrittskarten sind jeweils an den Abendkassen erhältlich.