
Von Hans Schabert Neuweiler. Über zahlreiche Zuhörer im Museumsstüble des Schwarzwaldvereins Neuweiler freute sich Museumsleiterin Sabine Krusche beim heimatgeschichtlichen Frühschoppen. Im reich bebilderten Vortrag "Die Geschichte unserer Brunnen und der ländlichen Wasserversorgung in alter Zeit" ließ Seeger frühere Jahrhunderte aufleben.Brunnen in den Dörfern des Oberen Waldes sorgten wie auch andernorts bis vor etwa 115 Jahren fürs Lösch-, Trink- und Waschwasser aus Quell- oder Grundwasser. Natürlich wies der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Zwerenberg auch auf den von seinem Verein mit Unterstützung von Land und Gemeinde geschaffenen Dorfgeschichte(n)-Pfad in seinem Heimatort hin.
Dieser beinhaltet ja, wie auch dem aufliegenden, druckfrischen Flyer zu entnehmen war, eine spezielle, fünf Kilometer lange Brunnenwanderung. Diese bezieht den von den Frauen Hornbergs und Zwerenbergs zum Waschen genutzten Wäschbrunnen, den Kalten Brunnen und den Waldbrunnen ein.
Das Gebiet beim Kalten Brunnen am Heuweg in Zwerenberg kenne er nur als Wald, erklärte Seeger. Deshalb habe er nie verstanden, wenn sein Großvater erklärt habe, er gehe jetzt "ind Wies". Aber die Entdeckung in einer Flurkarte von 1836 habe das ihm früher verschlossene Geheimnis gelüftet: Die Fläche ist in dieser – wie sich auf der Leinwand zeigte – als weite Hangwiese ausgewiesen. Vom Heuweg in Breitenberg war ein Bild zu sehen, das einen offensichtlich für einen Brunnen vorgearbeiteten, aber nie fertig gewordenen Trog zeigt.
Überall gab es wohl nach der Gründerzeit der Dörfer entstandene Tief-, Pump- und von Quellen gespeiste Brunnen. Außerorts dienten sie meist als Viehtränke. Keine Ausnahme macht da der Kindlesbrunnen in Agenbach. Dem war aber noch die Aufgabe als "Ersatz-Klapperstorch" zugedacht: Man erzählte im Dorf den Kindern, dass Neugeborene das Licht der Welt aus diesem herausgezogen erblickten. Wo Quellwasser nicht zur Verfügung stand, dienten zum Tränken des Viehs Hülben. Das waren Becken, in denen oberflächennah Wasser gesammelt wurde. Eine solche Einrichtung gibt es noch oberhalb der Lindenstraße in Zwerenberg. Eine der bis ins 19. Jahrhundert hinein üblichen Teuchelleitungen, wie die alten Holz-Wasserleitungen heißen, führte von hier gut 100 Meter zur Viehtränke am Hof.
Die Plätze der Köhler in Agenbach und Zwerenberg, die Wasser in ihrer Nähe benötigten, die alten Löschteiche von Breitenberg, Neuweiler oder dem danach benannten Froschviertel von Zwerenberg sowie die gusseisernen Pumpbrunnen aus dem 19. Jahrhundert waren weitere Themen in Wort und Bild des Vortrags. Martin Seeger hatte diesen mit einer Aufnahme des Lieds "Am Brunnen vor dem Tore" eingeleitet.