Stuttgart - Es sei nur „ein kleines Signal“, sagte der Bosch-Chef bei der Präsentation der vorläufigen Zahlen für 2012. Aber eines, das für einen Wandel im Hause steht: Bis vor kurzem fuhr am Bosch-Stammsitz auf der Gerlinger Schillerhöhe ein Aufzug nur für Geschäftsführer. Dieser sei jetzt „für jedermann nutzbar“, betonte Denner. Damit einher geht ein neuer Kommunikationsstil: Bei seinem Amtsantritt rief Denner die Beschäftigten im Intranet auf, Hinweise zu geben, was bei Bosch geändert, was beibehalten werden solle. „Die Reaktionen waren überwältigend“, sagt der 56-Jährige. Aus mehr als 5000 Beiträgen wurden die häufigsten Themen ausgewählt, seit Januar arbeiten Freiwillige daran, die Prozesse bei Bosch zu verbessern. Diese Art, die Belegschaft in Entscheidungen einzubinden, „könnte ein Muster sein, um den dynamischen Wandel im Unternehmen voranzutreiben“, so Denner. Getreu dem Motto „Was zählt, ist die beste Lösung, nicht, von wem sie kommt“. Das Management ist sich auch nicht zu schade, sich von Jüngeren in die Nutzung sozialer Netzwerke einweisen zu lassen.

Von Ideen für Produkte und Vorschlägen zur Kostensenkung erhofft sich Bosch letztlich mehr Umsatz und auch mehr Ertrag. „2013 wird ein Jahr harter Kosten- und Prozessarbeit“, kündigte Denner an. „Die Reaktionszeiten sind heute einfach zu lang.“ Auf vielen Feldern werde Bosch Kosten senken und flexibler werden, zugleich sollen Wachstumschancen konsequent genutzt werden. Seit Jahren bemüht sich der Konzern, vom Autozuliefergeschäft unabhängiger zu werden, und bietet zunehmend Technologien an, die die Umwelt schonen. Im Portfolio der Stuttgarter finden sich neben Solarzellen etwa Blockheizkraftwerke und Getriebe für Windturbinen. Aber auch – und diese Produkte hat nicht zuletzt Denner vorangetrieben – Motoren für Elektrofahrräder, ein elektronisches Stabilitätssystem für Motorräder, sprachgesteuerte Navigationssoftware sowie ein System zur Benzindirekteinspritzung und der laut Denner „erste Akkuschrauber mit eingebautem Zubehör“. Neu ist auch eine Abteilung namens Nutzer-Erfahrung aus Ingenieuren, Informatikern, Designern und Psychologen. Sie sollen „versteckte Wünsche“ von Kunden ergründen und Bosch-Produkte noch attraktiver machen.

Freilich: Bisher tragen solche Geschäfte wenige Millionen zum Umsatz bei, mit knapp 31 Milliarden Euro ist die Kraftfahrzeugtechnik nach wie vor der Hauptumsatzbringer. 2012 entsprach das einem weltweiten Plus von 1,7 Prozent, in Europa hat Bosch aufgrund einer gesunkenen Nachfrage in den Euro-Schuldenstaaten zwei Prozent weniger mit Kfz-Technik umgesetzt. Künftig werde die Wirtschaft in Europa „auf Jahre allenfalls schwach wachsen“, prognostizierte Denner, entsprechend richte Bosch seine „Strukturen in Europa aus“. Was das konkret bedeutet, ließ Denner offen, kündigte aber an, dass sämtliche Werke Konzepte entwickeln sollen, wie sie „gegenüber Niedriglohnstandorten konkurrenzfähig sein wollen“. Zwar preist der Bosch-Chef dies als Chance für jeden Standort an, spricht aber auch von einem „laufenden Kampf der Bewährung“.

Erlaubnis, Arbeitszeit und Einkommen bei Auftragseinbrüchen kurzfristig abzusenken

Die deutschen Mitarbeiter helfen dem Unternehmen künftig ohnehin sparen: In einer im Dezember geschlossenen Vereinbarung mit dem Konzernbetriebsrat hat sich das Management vorsorglich die Erlaubnis geholt, Arbeitszeit und Einkommen bei spürbaren Auftragseinbrüchen kurzfristig abzusenken. Damit können Umsatzeinbrüche von bis zu 20 Prozent ohne gesetzliche Kurzarbeit abgefedert werden, die Arbeitszeit kann in einzelnen Werken oder nur in Abteilungen gesenkt werden. Im Gegenzug verzichtet Bosch in diesen Werken zwölf Monate auf betriebsbedingte Kündigungen, und alle Standorte zahlen einen Solidarbeitrag, damit betroffene Beschäftigte den Gehaltsverlust nicht allein schultern müssen.

Ausgenommen von der Vereinbarung sind die mehr als 3000 Mitarbeiter in der Bosch-Solarsparte. Über die Zukunft der Sparte sei „noch nicht abschließend entschieden“, sagte der Bosch-Chef. 2012 hat das Solargeschäft mit Hauptsitz in Thüringen mehr als eine Milliarde Euro Verlust erwirtschaftet, in den Büchern steht es nur noch mit den Grundstückswerten und ist damit nahezu wertlos. Ein ruinöser Preisverfall macht wirtschaftliches Arbeiten in Deutschland derzeit unmöglich, die Entscheidung über die Zukunft des Solargeschäfts dürfte deshalb für Denner vordringlich sein. Zudem strebt er 2013 etwas bessere Umsätze und ein deutlich besseres Ergebnis an.