Neubulach - Die Bürgeranhörung als Auftakt der Gemeinderatssitzung in Neubulach hatte es schon erahnen lassen, dass es wegen der zweiten Änderung und Erweiterung des Bebauungsplans Gewerbegebiet auf der Höhe Altbulach Ärger geben könnte. Mit dem Auszug von sechs Räten aus dem Gremium hatte aber niemand gerechnet.

In der Besprechung des Beschlussvorschlags war zunächst nicht unbedingt zu vermuten, dass unter dem Deckel eine Menge Sprengstoff auf den Zündfunken wartete. Dieser Funke entwickelte sich nach und nach, er glomm unterschwellig weiter, um zu einem Zeitpunkt das Pulver zur Explosion zu bringen, als kaum jemand damit gerechnet hatte.

Die Meinungen im Gremium lagen weit auseinander. So meinte Ingo Mutterer, dass dieser Beschlussvorschlag überhaupt nicht notwendig sei: "Wenn sie, Herr Beuerle, nach der Sitzung am 25. Juli die aufgetragenen Gespräche und Verhandlungen geführt hätten, wäre diese Angelegenheit wohl schon über die Bühne gebracht." Auch Regina Dürr wies in ihrer Stellungnahme zum Beschlussvorschlag darauf hin, dass die Verwaltung das Protokoll der Sitzung am 25. Juli erst jetzt vorgelegt habe und dabei inhaltliche Punkte nicht aufgeführt wären.

Bürgermeister Walter Beuerle wies darauf hin, dass die zweite Änderung des Bebauungsplans Auf der Höhe vom Landratsamt vorgeschlagen sei, um das Flurstück des ehemaligen Hochbehälters in diesen Bereich einzubeziehen. An der äußerst gereizten Stimmung bei einigen Räten änderten seine Ausführungen allerdings wenig. Die Wogen gingen so hoch, dass er sogar zur Glocke greifen musste.

Friedrich Haarer blieb besonnen, er schlug vor dem Hintergrund der fortgeschrittenen Zeit vor, den Beschlussvorschlag zur Abstimmung zu bringen. Diese ergab eine Pattsituation, so dass der Beschlussvorschlag "Zweite Änderung und Erweiterung des Bebauungsplans Gewerbegebiet Auf der Höhe Altbulach" keine Mehrheit im Gremium gefunden hat.

Wer gedacht hatte, damit sei dieser Punkt abgehakt und die Wogen der Emotion hätten sich etwas geglättet, sah sich allerdings getäuscht. Insgesamt sechs Stadträte – Ingo Mutterer, Peter Moers, Alois Jerges, Ulrich Fleck, Regina Dürr und Jürgen Bohnet – verließen den Bürgersaal vorzeitig. Damit war der Eklat perfekt. Ein sichtlich perplexer Bürgermeister Walter Beuerle sowie ein Restgremium von Räten blieb im Bürgersaal zurück und handelte die weiteren Tagesordnungspunkte ab.

Zum Schluss sah sich Gemeinderätin Cornelia Dendel noch verpflichtet, den ausgezogenen Kollegen einen Rüffel zu erteilen. Sie sehe darin eine Missachtung der Arbeit des Gremiums.