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Neubulach Operation wird zweiter Geburtstag

Schwarzwälder-Bote, vom 20.08.2010 19:35 Uhr
In seinem "Logbuch" muss Jochen Rupps aus Oberhaugstett sorgfältig jeden Tag Flüssigkeitsmenge, Blutdruck und Körpergewicht notieren. 
Foto: Schnurr Foto: Schwarzwälder-Bote
In seinem "Logbuch" muss Jochen Rupps aus Oberhaugstett sorgfältig jeden Tag Flüssigkeitsmenge, Blutdruck und Körpergewicht notieren. Foto: Schnurr Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Wolf-Ulrich Schnurr

Neubulach-Oberhaugstett. "Der 14. Oktober ist mein zweiter Geburtstag", sagt Jochen Rupps. Im Oktober 2008 begann für ihn mit einer Nierentransplantation ein neues Leben.Rupps wurde am 4. Mai 1950 in Calw geboren. Seit 1974 lebt er in Oberhaugstett. Er lernte ursprünglich Kaufmann bei Perrot und setzte in der dortigen Lehrwerkstatt noch eine Technikerausbildung drauf. Heute arbeitet er als Kundenbetreuer für ein Münchner Unternehmen im Automobilumfeld.

Bereits seit seinem 29. Lebensjahr hatte Rupps gewusst, dass er nur eine Niere im Körper trug. Damals stellte man bei einer Untersuchung fest, dass das zweite der Organe nur als funktionsunfähige Knospe vorhanden war. Für den sportlich aktiven Oberhaugstetter war das lange kein großes Problem.

Doch 2006 waren bei einer Routineuntersuchung seine Stoffwechselwerte ungenügend. Im Jahr darauf verschlechterten sich diese drastisch und es wurde ein sehr niedriger Kreatininwert gemessen – der Hinweis darauf, dass Rupps’ Niere nach und nach ihren Dienst versagte.

Im Januar 2008 hatte er dann sein erstes Gespräch über Transplantationsmöglichkeiten im Stuttgarter Katharinenhospital. Die Niere eines lebenden Menschen erwies sich in seiner Situation bald als einzige Möglichkeit. Denn sieben Jahre Wartezeit auf das Organ eines toten Spenders hätte er höchstwahrscheinlich nicht überstanden.

Ab August 2008 musste er schließlich zur Dialyse. Drei Mal wöchentlich hing er für jeweils fünf Stunden zur Blutreinigung im Calwer Krankenhaus an der Maschine. "Meine Überlebenschance war sehr gering."

Seine Ehefrau Pia erwies sich als Lebensretterin. Sie, die Schwägerin und eine Freundin der Familie waren bereit, ein gesundes Organ abzutreten. Doch nur mit der Ehefrau war im "Crosscheck", einer neun Monate dauernden Untersuchung, die Übereinstimmung gegeben.

Pia Rupps entschied sich nicht leichten Herzens für die Operation. Auch nach der medizinischen Beratung führten die Eheleute viele intensive Gespräche. Doch am 14. Oktober war es so weit: Acht Stunden dauerte die OP im auf Nierentransplantationen spezialisierten Katharinenhospital.

Zwei Tage verbrachte Jochen Rupps danach auf der Intensivstation – "dann ging’s ratzfatz aufwärts. Wenn Sie operiert sind, beginnt ihr neues Leben", beschreibt der heute 60-Jährige. Am 7. November war er wieder zu Hause und schon rund zwei Monate nach der OP standen Rupps und die Spenderin wieder im Berufsleben.

Billig ist die Behandlung nicht: Rund 120 000 Euro haben Untersuchungen und Operation gekostet. Monatlich muss Rupps’ Krankenversicherung zudem etwa 3000 Euro für Medikamente bezahlen. Trotzdem rechnen sich diese Ausgaben: die Versicherung spart nicht nur Ausgaben für eine fortwährende Dialyse, sondern auch jene aufgrund einer andernfalls eingetretenen Arbeitsunfähigkeit.

Natürlich hat sich durch die neue Niere einiges verändert. Bis April dieses Jahres wurde er noch wöchentlich in der Abteilung für Innere Medizin im Calwer Krankenhaus durchgecheckt, seither reicht das monatliche Intervall. Halbjährlich werden außerdem Rupps’ Haut, Herz, Zähne und Augen auf Nebenwirkungen der Medikamente überprüft.

Und bei deren Einnahme muss Rupps strenge Disziplin halten: Viele Betroffene bekommen Komplikationen, weil sie beispielsweise die Mittel gegen die Abstoßung des Organs ("Immunsupressiva") nicht immer zur exakt gleichen Zeit nehmen. Dass er diese Mittel Zeit seines Lebens nehmen muss, sieht er als geringen Preis: Er stehe wieder mitten in Beruf und Leben – "das ist manchmal fast unwirklich".

Allerdings bewirken die Medikamente, dass er sich nicht mehr der direkten Sonne aussetzen darf, weil sein Hautkrebsrisiko deutlich erhöht ist. Urlaub an der Nordsee oder in Südtirol war dank langer Kleidung und starken Sonnenschutzes dennoch möglich.

Mindestens zweieinhalb Liter Flüssigkeit braucht die neue Niere täglich, um ausreichend beschäftigt zu sein. Rupps muss daher ganz genau messen, wie viel er trinkt – "und wie viel wieder rausgeht" –, sein Gewicht und seinen Blutdruck. Das alles trägt er täglich in sein Patientenheft ein, das er augenzwinkernd "Logbuch" nennt. Alkohol darf er in gewissem Maß trinken. Doch der leidenschaftliche Bierfreund ist weitgehend auf Alkoholfreies umgestiegen – denn Alkohol ist für die Nierenzellen nicht förderlich.

Die Operation haben Pia und Jochen Rupps nie bereut. Denn jetzt können Sie auch die letzten Berufsjahre und das Alter gemeinsam erleben. "Das lässt sich durch nichts aufwiegen." Und am 14. Oktober machen sie ein Fläschchen Sekt auf, um auf Jochen Rupps’ zweiten Geburtstag anzustoßen.

Es sei nicht Eitelkeit, wenn er über seine Operation spricht, betont der 60-Jährige, sondern die Chance, den großen Wert einer Lebendspende darstellen: "Das kennt fast niemand. Da könnte man noch viel mehr tun." Bei ihm habe die Spende gut geklappt, deshalb möchte er mit seinem positiven Beispiel dazu anregen, dass auch seine Mitmenschen darüber nachdenken, eine Niere zur Verfügung zu stellen. Für manche Patienten bedeutet das den Unterschied zwischen Leben und Tod.

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