
Von Diana Nägele
Neubulach. Die Grund- und Werkrealschule Neubulach möchte Gemeinschaftsschule werden und zwar schon ab dem kommenden Schuljahr. Das Konzept ist fertig erstellt. Jetzt liegt es nur am Kultusministerium, ob die Schule die Zustimmung erhält.
Bleranda und Asli gehen in die achte Klasse der Grund- und Werkrealschule Neubulach. Die beiden Mädchen freuen sich förmlich auf die Umstellung zur Gemeinschaftsschule. Sie rechnen sich mit der neuen Schulform wesentlich mehr Chancen aus, was den Start ins Berufsleben betrifft: "Klingt doch besser, wenn ich sage, dass ich auf einer Gemeinschaftsschule war, als auf einer Hauptschule", sagt Asli und lacht.
Außerdem sind sich die beiden 13-Jährigen bewusst, dass sich mit dem neuen Schulsystem auch der Unterricht verändert. Denn Gemeinschaftsschule bedeutet, dass Schüler mit unterschiedlichen Leistungsniveaus in einem Klassenzimmer zusammen unterrichtet werden. Neu an dem Konzept ist, dass künftig auch Schüler mit einer Empfehlung fürs Gymnasium bis zur zehnten Klasse in Neubulach zur Schule gehen können.
Lehrer haben in einer Gemeinschaftsschule die Möglichkeit sich intensiv um den einzelnen zu kümmern und individuell die Leistung zu fördern – da ist sich Schulleiter Bernd Schinko sicher. Seit März feilen Elternvertreter, Vertreter der Lehrerschaft und Vertreter des Gemeinderats am Konzept Gemeinschaftsschule Neubulach.
Im Oktober haben sie die Unterlagen dem Kultusministerium vorgelegt. "Jetzt hoffen wir auf die Zusage", sagt Schinko. "Welche Schulen Gemeinschaftsschulen werden dürfen, welche Kriterien dafür letztendlich ausschlaggebend sind, das wissen wir nicht", sagt er und seufzt. Während für die Grundschüler der Unterricht gleich bleibt, werden die Schüler ab der Klasse fünf in Lerngruppen eingeteilt. "Wir holen die Schüler dort ab, wo sie nach der Grundschule aufgehört haben, und keiner soll dabei irgendwo verloren gehen", sagt Schinko. Die einzelnen Klassenstufen werden durch Lerngruppen ersetzt. Die erste Lerngruppe bilden die Klassen fünf und sechs, eine zweite Lerngruppe ergeben die Klassenstufen sieben und acht, eine dritte die Klassenstufen neun und zehn. Maßstab soll der Bildungsplan von Realschulen sein.
In Sachen Unterrichtsstil soll es einige Veränderungen geben. Der Lehrer wird nicht mehr im Mittelpunkt der Klasse stehen, sondern die Schüler sollen lernen eigenständig zu arbeiten und ihre Leistungen selbst zu reflektieren. Dazu gibt es künftig viele Arbeitsgruppen. Oder Schüler haben die Aufgabe sich eigenständig Fakten zu einem Thema zu erarbeiten.
Für die Lehrer bedeute das, dass es wesentlich mehr Aufwand zur Vor- und Nachbereitung sei als bisher. Doch Schinko sieht eine große Chance für die Neubulacher Schule: "Seit 40 Jahren haben viele starre Vorstellungen, was vermittelt werden soll." Das Projekt Gemeinschaftsschule biete der Neubulacher Grund- und Werkrealschule eine Möglichkeit sich weiterzuentwickeln. Mit der Tatsache, dass die Schule eine Ganztagesschule ist, erfüllt sie bereits eines der wichtigen Kriterien. Denn im Konzept Gemeinschaftsschule gibt es keine Hausaufgaben mehr. Damit Eltern einen Einblick in den Schulalltag haben, werden Schüler ihre Leistung wöchentlich selber reflektieren. Zusammen mit einem Kommentar des Lehrers müssen sie das Dokument den Eltern vorlegen.
Alle drei Monate erhalten Schüler ein Kompetenzprofil, eine Art Zeugnis, in dem alle Leistungen sowie Sozial- und Personalkompetenzen aufgeführt werden. In dem Schulzeugnis stehen jedoch nicht nur Noten. Beispielsweise im Fach Deutsch werden Details aufgeführt wie Textverständnis, Texterstellung, Rechtschreibung, Lesetechnik und Gespräche führen. Die detailreiche Bewertung ermöglicht Eltern, Lehrern wie auch Schülern Schwächen rechtzeitig auszubügeln.
Den Schwerpunkt legt der Bildungsplan auf die Fächer Deutsch, Englisch und Mathe. Bisher sei es so, dass Themen behandelt, in einer Klassenarbeit abgeprüft werden und anschließend ginge es weiter im Lernstoff. Was geschehe aber mit den Schülern, die Grundlegendes nicht verstanden haben – diese hätten ständig mit den Defiziten weiter zu kämpfen. Im Konzept Gemeinschaftsschule will man solchen Fällen Abhilfe schaffen. Dafür soll es Intensivkurse geben, in denen Defizite aufgearbeitet werden.
Leistungsstarke Schüler besuchen zur selben Zeit Wahlfächer wie Let’s dance, Natur pur oder einen PC-Kurs zum europäischen Computerführerschein. Die Teilnahme ist in beiden Fällen verpflichtend. Sobald Schüler im Intensivkurs merken, dass sich ihre Leistung verbessert hat und Lücken quasi nicht mehr vorhanden sind, dürfen sie zusammen mit den anderen die Wahlfächer besuchen.
Weitere Informationen: Informationstag zur Neubulacher Gemeinschaftsschule findet am Samstag, 14. Januar, von 10.30 Uhr bis 16 Uhr statt. Die Veranstaltung beginnt mit einem Vortrag von Jürgen Striby von der Stabsstelle Gemeinschaftsschule des Kultusministeriums.