Nagold Zu wenige schwingen sich aufs Rad

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Mobil ohne Auto - das Obere Nagoldtal in eine abgasfreie Flaniermeile und lockt zahlreiche Touristen an. Foto: Fritsch

Nagold - Ein Paradies für Radler – der Aktionstag "Mobil ohne Auto" (MoA) verwandelt das Obere Nagoldtal in eine abgasfreie Flaniermeile und lockt zahlreiche Touristen an – so viel zur grauen Theorie. Praktisch wird im Gemeinderat diskutiert, ob sich die Aktion überhaupt noch lohnt.

"Verunsicherung" – ein Wort, das zu Nagolds OB Jürgen Großmann so gar nicht passen mag. Dennoch gab er in der jüngsten Gemeinderatssitzung ganz offen zu, man sei in Sachen "Mobil ohne Auto" in der Stadtverwaltung nach Gegenüberstellung von Aufwand – sowohl finanziell als auch administrativ – und Ertrag "intern verunsichert".

Für den alle zwei Jahre stattfindenden Aktionstag sperrt der Veranstalter eine etwa 40 Kilometer lange Strecke von Wildberg über Nagold bis zur Erzgrube hinter Altensteig. Diese steht Radfahrern, Inline-Skatern und Fußgängern zur genussvollen Tour durch das schöne Obere Nagoldtal zur Verfügung. Entlang der Strecke wird, wie bei einem kleinen Stadtfest, traditionell Verpflegung angeboten sowie Musik und Aktivitäten.

Ursprünglich sei das Projekt touristisch angelegt gewesen, erinnerte der OB in der Gemeinderatssitzung. Man hatte dabei mindestens 10 000 Teilnehmer als Richtwert für eine lohnenswerte Veranstaltung genommen. So viele sind es aber nicht mehr. Deswegen wollte Großmann sich ein Stimmungsbild der Gemeinderäte holen und fragte bei der Sitzung ganz offen in die Runde, ob eine Fortführung des Aktionstages noch Sinn mache.

Brigitte Loyal, Fraktionsvorsitzende der Grünen, sprach sich daraufhin für den Aktionstag aus. Er sei eine Marke und werde oftmals von jungen Familien genutzt. Zumindest den Grundgedanken solle man behalten. Als umweltfreundliche Alternative schlug sie eine E-Bike-Strecke parallel zur Bundesstraße vor oder ein finanziell attraktives Paket für die Nutzung der Bundesbahn.

"Damals war das eine einmalige Aktion", sagte der Fraktionsvorsitzende der CDU, Wolfgang Schäfer. Doch inzwischen gehe die Akzeptanz landesweit deutlich zurück. Die gesperrte Bundesstraße sei vor allem deswegen etwas Besonderes gewesen, weil die Radwege damals noch nicht so ausgebaut waren. "Inzwischen haben wir einen immensen Personalaufwand für immer weniger Teilnehmer. Wir sollten uns von der MoA verabschieden", stellte er klar. Für eine zeitgemäße Alternative sei er durchaus zu haben. Die wäre dann auch "den Schweiß des Gerechten wert". So ginge es weniger darum, MoA abzuschaffen als massiv fortzuentwickeln.

Eberhard Haizmann, Fraktionschef der Freien Wähler regte an, dass die Stadt mit den Gemeinden Kontakt aufnehmen müsse und er sich gut vorstellen könne, den Tag in einem anderen Rahmen oder einem anderen Rhythmus zu veranstalten.

Laut Fraktionsvorsitzendem Jürgen Gutekunst von der FDP sei die Veranstaltung überholt und habe generell den falschen Namen. "Mobil ohne Auto stimmt gar nicht. Die meisten Leute fahren mit dem Auto zur Strecke, um ab dort mit dem Fahrrad weiterzufahren", erklärte er. Auch er sei dafür, MoA in derartiger Form nicht mehr fortzuführen.

Keine abschließende Meinung gebe es bei der SPD, sagte der Fraktionsvorsitzende Rainer Schmid. Er sei selbst schon mit dem Rad auf der Strecke unterwegs gewesen und meinte: "Richtig Spaß macht es nicht." Außerdem sei es gefährlich, wenn Radfahrer schnell unterwegs seien und Kinder unkontrolliert auf demselben Weg liefen. In dieser Form wolle man MoA bestimmt nicht wieder, aber hier sei die Kommunikation mit den Gemeinden "mal wieder nicht so ganz toll gelaufen", kritisierte er. Das müsse besser werden.

Grob war sich der Gemeinderat also einig: Aktionstag ja, aber nicht mehr so wie bislang. Dieses Jahr kümmere man sich jetzt ums Wandern und habe dadurch praktischerweise eine kreative Pause, in der man über Alternativen zu MoA nachdenken könne, sagte Bürgermeister Hagen Breitling. "Die Dinge so weiter zu machen wie bisher ohne Reflexion, das ist nicht unser Ding", stellte er klar. Beim Rückgang der (auswärtigen) Besucher dränge sich ein neues Konzept auf. Dazu würde man mit den Gemeinden bald das Gespräch suchen. Zum Thema Fahrrad werde man sich außerdem mit Geschäftsführer René Skiba von der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald treffen.

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