
Nagold. Zur Eröffnung der Ausstellung "Wo der Hammer hängt" waren deutlich mehr Männer ins Steinhaus gekommen als sonst. Was bei dieser Ausstellung auch kein Wunder ist: Heimwerker und deren Werkstätten sind nämlich das Thema der Schau. Noch bis 18. März bekommt man Einblicke in die echte schwäbische Werkstattwelt.
Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Jürgen Großmann, der sich als Besitzer einer Hobelbank outete, ließ der Tübinger Jungen- und Männerforscher Reinhard Winter, übrigens auch ein Freizeitbastler und –schrauber, die anwesenden Besucher an seinem Männerblick auf die vielleicht letzte Männerdomäne teilhaben.
Bei der näheren Beschäftigung mit dem Thema "Werkstatt und Männer" habe sich ihm schnell gezeigt, dass es einem wie mit dem Blick in manchen Werkzeugschrank gehe: "Es ist erstaunlich, was da alles drin steckt!" Bei Gesprächen mit Heimwerkern, die er in den vergangenen Wochen geführt habe, wurde klar, wie wichtig dieser Raum für Männer ist. Die Werkstatt sei nämlich nicht nur ein Raum, an dem Mann repariert und bastelt, sondern auch ein Ort, der den Männern Power und Kompetenz vermittelt, also männlich "aufgeladen" sei.
Weiter führte Reinhard Winter in seinem Vortrag aus, dass die Heimwerker-Werkstatt auch ein Ort ist, wo sich das Männliche über Autonomie begreift, wo es einen Freiheitsdrang entwickelt und sich nicht unterwerfen will. Viele Werkstätten präsentieren sich als unzivilisiertes Gebiet, sie tendieren zur Unordnung.
Ist die Werkstatt eher ein riskanter Ort, in dem in jeder Ecke etwas Gefährliches lauert – ein spitzer Schraubenzieher, eine frisch geschränkte Säge, eine wattstarke Maschine – dann werde die Werkstatt zum Rückzugsort für das potenziell Unbeherrschte. Der Mann werde dann zum mutigen Abenteurer und zum Dompteur der Gefahren. Zu viel Ordnung würde das wichtige Moment des Risikos verkleinern, dann werde es langweilig.
Schön sei es in jedem Fall, wenn es so einen Raum des Männlichen gibt, wenn er als solcher respektiert werde und nicht dem Sauberkeitsdiktat unterliege, das für den Rest der Wohnung gilt. Kurz und gut, die Werkstatt sei ein Reservoir fürs Männliche, wo man das Männlich sein ohne großen Aufwand spüren könne.
Die im Nagolder Steinhaus gezeigte Ausstellung "Wo der Hammer hängt" ist wahrscheinlich die erste Ausstellung zur häuslichen Werkstatt als Männerort im deutschsprachigen Raum. Man hat es also mit einer echten Entdeckung und Premiere zu tun.
Die beiden Ausstellungsmacherinnen, Herma Klar und Anne Pahnke, haben das Thema schön gestaltet wird. Nicht abwertend oder süffisant, wie das bisweilen der Fall ist, wenn Frauen ein Männerthema anschauen, sondern interessiert, neugierig und offen.
Die im Steinhaus gezeigten Werkstattfotos spiegeln die Vielfalt des Männlichen in der heutigen Zeit wider. Mit dem Fotoapparat waren Anne Pahnke, Reinhard Winter und andere bei den Heimwerkern auf Raumerkundung gegangen. Welche Gedanke und Gefühle diese mit ihrer Werkstatt verbinden, wurde in kurzen Interviews oder selbst geschriebenen Statements festgehalten und zusammen mit den Werkstattfotos ausgestellt. Werkstattinterieur, Werkzeuge und Selbstgemachtes vermitteln Werkstattatmosphäre. Alles in allem eine interessante und anregende Ausstellung. Das fanden wohl auch die Besucher. Sie fachsimpelten vor den Fotografien über Werkstatt und Werkzeug und fühlten sich sichtlich wohl. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. März zu sehen. Am 7. März wird in Zusammenarbeit mit der VHS ein Erzählcafé über Hand- und Heimwerker angeboten.
Weitere Informationen: Museum im Steinhaus, Badgasse 3, Nagold. Telefon 07452/681282, steinhaus@ nagold.de. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Sonntag, 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.