Von Dorothee Trommer Nagold. 2012 ist für Nagold ein ganz besonderes Jahr. Wie schon seit sieben Jahren liefert Klaus Birk den Blick zurück, der für die Betroffenen, also die Nagolder Bürger, vieles endlich so klar zeigt, wie man es selbst sich nicht getraut hätte. Aber wenn es dann einer ausspricht – ja, dann kommt das befreiende Lachen.

Die vielen Menschen mit Bändel, die den Weg zur Landesgartenschau suchen, ja die haben schon manchmal genervt. Aber angesichts der überall vorherrschenden, fast schon vorgeschriebenen Freude über das Jahrhundertereignis konnte der pflichtbewusste Nagolder Bürger diesem Unmut eigentlich keinen Raum geben. Doch der gebürtige Nagolder Klaus Birk spottet über Dauerkartenbesitzer ebenso wie über die Tausende von Besuchern, die dauernd nach dem Weg zur Gartenschau fragten.

Die Erscheinung hat sich geändert, der VfB-Schal ist weg, Birk wirkt wie runderneuert, leichter und elegant. Doch der bohrende Blick auf die Ereignisse in Nagold ist wie schon in den Jahren zuvor treffend, aber nicht verletzend.

Ist der OB eigentlich ein Rappen? Die Zeitungsnotiz von seiner Funktion als Zugpferd der Landesgartenschau bringt den Kabarettist zu immer weiter gesponnenen Bildern: Muss jetzt Hafer ins Rathaus geliefert werden? Überhaupt, die Erinnerungen sind stark: Birk ist ja jeden Sonntag auf der Landesgartenschau aufgetreten, und die vielen Gesichter fehlen ihm dermaßen, dass sein Körper oft schon allein am Viadukt gelandet sei, während er schlief.

Ein paar Kommentare zur Landeshauptstadt gab es auch, obwohl dort nicht so viel los war wie in Nagold. Besonders aufgefallen bei der dortigen Oberbürgermeisterwahl ist Klaus Birk, dass die Kandidatin der SPD, Bettina Wilhelm, nicht müde wurde zu betonen, dass sie kein SPD-Mitglied ist, auch Sebastian Turner war es immer wichtig, dass er kein CDU-Mitglied ist. Es grünt und blüht aber überall, und Birk meint, dass in Stuttgart sogar ein grüner Pfosten die Wahl hätte gewinnen können.

Der Inbegriff des Schwäbischen, die Brezel, habe etwas Spirituelles, so Birk. Die Löcher sind das wichtigste: Sie stehen nämlich für Vater, Sohn und den heiligen Geist. Die drei haben auch in jedem Mercedes einen Stammplatz, deshalb nehmen Mercedesfahrer keine Tramper mit.

Spitzen gegen die Calwer gehören einfach dazu, immer mal wieder in einem Nebensatz. Das kann man eigentlich bei jedem Thema machen. "Ich hab nix gegen die Calwer, solange die dort bleiben", lautet eine Birk’sche Parole. Vor der Pause zeigte das Team der Alten Seminarturnhalle einen kurzen Film mit Klaus Birk zum Thema LGS.

Der Titel des aktuellen Programms "Affen im Kopf" erschließt sich nach einer Geschichte über die Art des menschlichen Denkens. Bittet man Menschen, auf eine bestimme Sache zu achten, wie Bälle in einem Basketballspiel, so übersehen sie einen Gorilla der durch das Bild läuft. Der Grund ist, dass nur ungefähr 20 Prozent der Wahrnehmung die Realität sind. Der Rest wird aus Erinnerungen ergänzt. Aus dieser Tatsache spinnt Klaus Birk ein hintergründiges Gedankenkonstrukt. Nun gibt es also eine wissenschaftliche Erklärung, warum ein Mann nach zwei Jahren mit einer Frau auf einmal den Namen der Verflossenen schreit: Die neue ist im Gehirn noch gar nicht angekommen. Ab 25 wird der Mensch langsam unsichtbar, folgert Birk, er habe das kürzlich auf dem Marktplatz gemerkt, als nur ein Rehpinscher ihn bemerkte und für einen Pfosten hielt – und noch nicht mal für einen Kunstleitpfosten.

Dass Schlagzeilen verletzen können, demonstrierte er am Beispiel "Wir schaffen die schwarze Null". "Ja hat das denn der Oberbürgermeister verdient?"

Und dann die LGS-Verlängergung. Die SPD sei empört gewesen, doch weil mittlerweile schon so viele begeistert waren, war der Gemeinderat schließlich auch dafür. Überhaupt sei wohl bei der Treppenaufregung alles "dagegen" schon verbraucht worden.