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Nagold Umjubelter Auftritt von Wolfgang Ambros

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Liedermacher Wolfgang Ambros begeistert das Nagolder Publikum. Foto: Bernklau

Nagold - Wolfgang Ambros ist so etwas wie der Übervater, aber auch so etwas wie ein Überlebender des Austropop. Nun war der Wiener Liedermacher-Patriarch mit zwei Wegbegleitern in der rappelvollen Alten Seminarturnhalle in Nagold zu Gast.

Im "Watzmann" gibt Wolfgang Ambros dem kraftstrotzenden Bergsteiger-Burschen die Stimme, immer noch. Dem Mann, der da mit der Gitarre auf der Bühne sitzt, sieht man weniger sein Alter an – er ist eigentlich erst 65 – als ein gelebtes Leben von Aufstiegen und Höhenflügen, von Stürzen und Abstürzen, Verletzungen und Triumphen, von Freundschaft, Liebe und einsamer Trauer.

Nach einer schweren Rückenoperation fällt ihm das Gehen schwer, seine zerbrechlich kleine, spindeldürre Gestalt schleppt er tapfer auf den Hocker.

Aus einem überreichen Liedermacher-Leben von 45 Jahren hat Ambros gemeinsam mit seinem alten Freund Günter Dzikowski, dem fulminanten Keyboarder, den er zu Recht einen "Tastenakrobaten" nennt, und mit dem etwas jüngeren erzmusikalischen Gitarristen Roland Vogl "ein Programm herausgezuzelt", das sich wahrhaftig hören lassen kann.

Alle großen Stücke, diese Evergreens sind dabei, meint man. Ziemlich bald kommt aus dem "Watzmann" die Nummer "Abwärts und bergauf". Für die Pisten-Hymne "Schifoan" vertröstet er die Zuhörer gleich mal auf das "allerletzte Lied".

Mit wienerischem Dialekt und Schmäh

Mit der ätzenden Sozial- und Kriminalballade "Da Hofa" hat er damals, mit 19, Geschichte geschrieben und dem Dialekt, seinem Wienerischen mitsamt dem Schmäh, den Weg in die Rockmusik frei gemacht. Auch die Obdachlosen-Zeilen von "De Kinettn wo i schlof" entfalten ihre ganze anklagende Poesie nur in der Mundart.

Den Anfang des Konzerts macht aber die "Frage der Zeit", schon auch ein Hit, ein Erfolg von 1983. Und Ambros gibt damit das vielleicht wichtigste Thema seines Nagolder Abends vor, dem er sich behutsam mit einer "Trilogie aus der Lebensmitte" als seiner Midlife Crisis nähert. Er kreist dann immer enger um die Vergänglichkeit, ums Alter, ja die Hinfälligkeit ("Oid wurn"), manchmal noch mit witzelnder Komik wie bei der "Tendenz zur Demenz". Aber fast unmerklich wird die Nähe des Todes immer kühler spürbar.

Dabei redet Ambros eigentlich immer Klartext in ähnlich einfachen Worten, wie er über schlichten Akkorden seine schönen und einprägsamen Melodien spannt. "Gezeichnet fürs Leben" ist im Lied zwar der junge Bursche, aber jetzt erst, mit den Jahren, sieht man’s ihm an. Da lässt sich dann auch die leicht bange Frage zum letzten Ende stellen "Wos is dann, wann nix is?" Niemand kann’s wissen.

Sein langes Konzert hat eine Dramaturgie

Schon an dem, was dann doch fehlt, merkt man, was dieser Mensch alles geschaffen hat: der "Zentralfriedhof" zum Beispiel, das Lieblingslied der rabenschwarz-makabren Wiener Leichenseligkeit, oder die Dylan-Adaption "Für immer jung" mit dem Heller André. Dafür ist von den Tom-Waits-Geschichten eine dabei ("Die Sunn geht boid auf") oder das älteste der Ambros-Liebeslieder, die "Wintersunn".

Überhaupt hat Ambros vieles an Zweisamkeit mitgebracht, die zärtlichen Lieder, die enttäuschten, die vergeblichen, auch die bösen, die versöhnlichen wie "Samma wiada guat" oder "Langsam wochs ma z’amm". Georg Danzer, dem engen, 2007 gestorbenen Freund und Gefährten von "Austria 3", schickt er mit den "Weißen Pferden" einen Flamenco-Gruß hinauf zum Himmel. Aber das Verhältnis zum Kumpel Rainhard Fendrich ist wegen der blöden Kokaingeschichte immer noch so zerrüttet, dass man auf "Ruf mi ned a" vergeblich wartet.

Wolfgang Ambros spricht seine Sachen zwischen den Liedern ruhig und leise, bedachtsam, aber nicht sichtbar müde. Das Wienerische ist mal mehr, mal weniger farbig und kraftvoll da wie in den Songs auch. Sein langes Konzert, das er staunenswert gut durchhält, hat eine Dramaturgie. "A Mensch mecht i bleibn", auch schon 20 Jahre alt und ein Hit seinerzeit, ist die letzte Nummer. Aber dann kommt noch so ein Medley als Dank für den Jubel. "Schifoarn", wie angekündigt, ist auch dabei, frenetisch gefeiert. Und dann ein Abschied, der auch etwas Todtrauriges hat, mit dem frommen Wunsch "Gott schütze euch!" am Ende, der seltsam unironisch klingt.

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