Nagold Ulrich Seeger überlässt bei seinen Konzerten nichts dem Zufall

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Das Zwerenberger Vokalensemble präsentierte ein tiefsinniges Konzertprogramm. Foto: koso Foto: Schwarzwälder-Bote

Nagold. Die Neujahrskonzerte des Zwerenberger Vokalensembles bescherten den Zuhörern wieder ein Erlebnis besonderer Art. Auf dem Programm standen Werke des großen italienischen Musikgeistes aus der Umbruchzeit zwischen Renaissance und Barock Claudio Monteverdi (1567-1643).

Seit 38 Jahren gehören die Zwerenberger Konzerte zur kulturellen Schatzkammer der Region. Ulrich Seeger, Initiator der ländlichen Chorbewegung ruft zwei- bis dreimal im Jahr die Sänger aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen, und nach einer intensiven Probenphase präsentieren sie als Zwerenberger Vokalensemble ein tiefsinniges Konzertprogramm.

Nichts überließ Seeger dem Zufall: Neben großer Sorgfalt bei der Auswahl der Werke und gut überlegtem Interpretationskonzept, zu dem auch die historische Klangfarbe des instrumentalen Barockensembles "Cantate Domino" gehörte, wählte er ganz bewusst den Zeitpunkt für die Aufführungen in den Zwerenberger und Nagolder Kirchen, sodass sich die beiden Konzerte in den Weihnachtsfestkreis zwischen Advent und Epiphanias einfügten.

Nach dem spontanen Begrüßungsbeifall brauchten die zahlreichen Zuhörer etwas Zeit, um die Klänge der Psalmen, Magnificat und Gloria als vertonte Zeugnisse der Vergangenheit zu verstehen und zu erleben.

Monteverdi wirkte 22 Jahre in Mantua, dann wurde er zum Kapellmeister am Markusdom in Venedig. In der Renaissance-Zeit stieg die Republik Venedig zu einer politisch-ökonomischen Großmacht auf. Reich war sie, mächtig ihre Herrscher, prächtig die Paläste. Auch die schönen Künste, darunter Musik, die im Zentrum der zahlreichen weltlichen und kirchlichen Feste stand, erlebten ihr goldenes Zeitalter. Seit 1527 fanden in der Basilika von Venedig die sonntäglichen musikalischen Vesper statt und am Markusplatz erklangen geistliche Konzerte. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts besaß Venedig mehrere Opernhäuser.

In den fünf aufgeführten Vesper-Psalmen spiegelte sich der Zeitgeist der Epoche wider. Vor Jahrhunderten vereinigte Monteverdi in seiner Musik den tiefen Glauben mit irdischem Prunk kompositorischer Kunst, jetzt überzogen Chor und Instrumentalisten seine Werke mit einem Schleier der Demut und Frömmigkeit, unter dem die delikate Faktur des mehrstimmigen Gesangs hervorschaute. Die Erhabenheit der biblischen Lobgesänge bestrahlten die Chorsänger mit voluminöser Stimmkraft und frei von Übermut, und sie intonierten so auch eigenartige harmonische Verrenkungen der stellenweise modern wirkenden Musik.

Es war leider unmöglich, trotz bestmöglicher Textwiedergabe den lateinisch verfassten Inhalt zu verstehen, zumal die kunstvollen Strukturen der Motetten, wo verschiedene Stimmen unterschiedlichen Text singen, viele Worte selbst tilgten. Mit Hilfe der deutschen Übersetzung in den Programmheften wurde dieses Problem aufgehoben.

Zuverlässigkeit eines Kenners und Fachmanns

Authentisch im Ausdruck und technisch souverän wirkten die Solisten Jana Reiner und Kristina Schaum (Soprane), Matthias Lucht (Altus), Rüdiger Linn und Thomas Jakobs (Tenöre) und Matthias Horn (Bass). Bar jeglicher stimmlicher Eitelkeit hielten sie das Gleichgewicht zwischen Emotionen und künstlerischer Glaubwürdigkeit und bestimmten in hohen Maßen das einheitliche Klangbild mit dynamischen Schattierungen und Kontrasten ihres sauber ziselierten Gesangs.

Die vokal-instrumentale Balance im nachhallträchtigen Großraum gestaltete der aus Zwerenberg stammende Seeger (zurzeit tätig als Dekanatkirchenmusiker an der Stadtkirche und im Dekanat Friedberg/Hessen) mit Zuverlässigkeit eines Kenners und Fachmanns. Zu Klängen und Farben der Laute, Dulzian, Violone und Zinken offenbarte die Musik ihre einstige Schönheit und verwischte die Grenze zwischen damals und heute. Der reichliche Schlussbeifall begann somit um einige Sekunden zu früh.

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