Nagold Treffpunkt Baden-Württemberg thematisiert Organspende
Schwarzwälder-Bote, 31.05.2012 18:01 Uhr
Die Besucher der Ausstellungseröffnung blicken den roten Luftballons hinterher. Foto: WallFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Jelena Wall
Nagold. "Organspende – schon mal drüber nachgedacht?" steht auf den roten Luftballons, die nach der Ausstellungseröffnung in den Himmel gelassen wurden. Im Treffpunkt Baden-Württemberg auf der Landesgartenschau kann sich jeder bei der zehntägigen Ausstellung über das Thema informieren und mit Menschen, die ein Organ empfangen haben, sprechen.
"Ich möchte mich beim Spender, oder besser bei seiner Familie unbedingt bedanken. Ich denke, die würde sich darüber freuen", sagte Bernhard Meidl, der erst vor drei Monaten eine neue Leber bekommen hat. "Ich denke jetzt anders, ich fühle anders und habe mein komplettes Leben umgestellt. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst", fügte er hinzu. Die anderen anwesenden Organempfänger pflichteten ihm kopfnickend bei. Für sie alle hat sich das Leben in den vergangenen Jahren komplett verändert. Empfänger und deren Angehörige beantworten während der Ausstellung den Besuchern Fragen und versuchen, die Bedenken zu nehmen.
Dem Thema kommt nach der Neuregelung zur Organspende, die vergangenen Freitag im Bundestag verabschiedet wurde, eine besondere Bedeutung zu. Bei der Ausstellung können sich die Besucher unter anderem ein Dialysegerät aus nächster Nähe anschauen. Von den 12 000 Personen, die bundesweit eine Organspende benötigen, warten 8000 auf eine neue Niere. Allein in Baden-Württemberg stehen über 1500 Menschen auf der Empfängerliste. Gleichzeitig bildet Baden-Württemberg bei Organspenden das Schlusslicht im Bundesdurchschnitt.
Das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg sowie das Aktionsbündnis Organspende Baden-Württemberg organisierten die Ausstellung, damit die Menschen sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen und zu einer Entscheidung finden können. "Wir fordern von den Menschen ein Geschenk ein. Wenn Menschen sich dafür entscheiden, müssen sie gut informiert werden. Wir müssen ihre Fragen und Ängste ernst nehmen", sagte Peter Petersen, Leitender Transplantationsbeauftragter des Organisationsbündnis Organspende Baden-Württemberg. "Die Entscheidungslösung bedeutet, dass jeder sich in aller Ruhe für oder gegen eine Organspende ausspricht. Und die Entscheidung nicht den Angehörigen in ihrem schlimmsten Augenblick überlässt", warb Ministerialrat Walter Fessel für den Organspendeausweis.
Nele Kohrs unterstrich die Vorträge musikalisch durch ihren Auftritt mit den Songs "Für dich da" und "Glaubst du daran".
Weitere Informationen: Die Ausstellung "Organspende – informieren, entscheiden, darüber sprechen!" kann ganztätig bis zum 10. Juni auf der Landesgartenschau im Treffpunkt Baden-Württemberg besichtigt werden.


