Nagold - Wegen Diebstahl in drei Fällen hat das Amtsgericht eine 50-jährige Hausfrau aus Nagold zu einer Gefängnisstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Ihre Töchter müssen jeweils 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Am 8. Mai 2012 gegen 17.15 Uhr betrat die Angeklagte in Nagold ein Ladengeschäft für Geschenkartikel. Bereits zwei Wochen vorher hatte sie sich dort ausführlich umgeschaut. Diesmal waren ihre beiden Töchter mit dabei. Die 50-Jährige "interessierte sich besonders für einen Artikel im hinteren Raum", erzählte die Verkäuferin vor Gericht. Während sie mit der Kundin nach hinten gingen, ließ eine der Schwestern eine außergewöhnliche Vase in der Umhängetasche verschwinden.

Einen Tag später waren die Drei erneut unterwegs. Gegen 18 Uhr betraten sie das Geschäft einer Goldschmiedin in Neubulach und ließen sich mehrere handgearbeitete Stücke zeigen. In einem unbeobachteten Augenblick wanderten ein Dutzend Ringe und ein Armband in die Tasche einer der Töchter. Die Ladeninhaberin bemerkte den Verlust erst zwei Tage später und erstatte Anzeige gegen Unbekannt. Als sie in der Zeitung den Polizeibericht über den Diebstahl einer Vase las, setzte sie sich mit der Verkäuferin in Verbindung. Die Personenbeschreibung stimmte mit ihren Angaben überein.

Am 16. Mai tauchte das Trio um 18.30 Uhr zum zweiten Mal im Neubulacher Schmuckgeschäft auf. Die Designerin ließ sich kurz entschuldigen, ging in den Nebenraum und beobachtete, wie eine Perlenkette im Wert von 260 Euro aus einer Vitrine entwendet wurde. Sie stellte die Hausfrau und ihre Töchter zur Rede und schloss den Laden ab. Der Ehemann rief die Polizei.

"In unserer Klasse erzählen alle, wie cool das ist, etwas zu klauen ohne sich erwischen zu lassen", begründeten die Schwestern ihr Handeln. Zumal die Sachen "offen rumlagen". Ihre Mutter sagte aus, sie sei entsetzt gewesen, als die Polizei in ihrer Wohnung auftauchte und ein Teil des Diebesgutes sicherstellte. "Das hätte ich nie und nimmer von meinen Mädchen erwartet." Die Vase wurde unter einem Haufen Kleidungsstücke im Schlafzimmer gefunden. Später stellte sich heraus, dass vier Ringe an einen Nagolder Juwelier verkauft und eingeschmolzen wurden. Ein Weißgoldarmband und ein großer Muschelring fehlen bis heute.

Barbara Schittenhelm von der Jugendgerichtshilfe charakterisierte die damals 16 Jahre alten Mädchen als "unauffällig und voll integriert". Das nährte in Staatsanwalt Daniel Ebinger den Verdacht, dass die Diebstähle von der Mutter eingefädelt wurden. Für sie forderte er in seinem Plädoyer zwölf Monate Gefängnis – mit dreijähriger Bewährung – und für die beiden Schülerinnen eine Woche Jugendarrest.

Richter Martin Link verurteilte die Hausfrau zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf drei Jahre Bewährung. Außerdem muss sie der Schmuckdesignerin 1200 Euro als Teilwiedergutmachung bezahlen. Verteidiger Claus Unger kündigte an, dass man in Berufung gehen wolle.