Nagold - Ein Jahr in Ecuador, am Frühstückstisch mit fremden Menschen, in einer fremden Kultur – viele junge Menschen versuchen mit einem Auslandsaufenthalt ihren Horizont zu erweitern, genau wie Fabian Rennig aus Nagold.

Man steht in der Schlange am Flughafen, Mama mit wässrigem Blick, Abschiedsmomente mit besten Freunden noch frisch in der Erinnerung. Eine letzte Umarmung, dann steht man da. Hinter Metalldetektor und Sicherheitspersonal warten zwölf Monate in einer anderen Welt, zwölf Monate eines großen Unbekannten, ein ganzes Jahr Abenteuer.

"Die Unterstützung meiner Verwandten und Freunde war wirklich fantastisch"

Immer mehr junge Menschen wagen den Schritt, nach der Schulzeit einige Zeit in einer fremden Kultur zu verbringen. Fabian Rennig aus Nagold gehört dazu. Bald wird er in ein Flugzeug steigen, das ihn in das ferne Ecuador bringt. Das zweit­ärmste Land in Südamerika, eine ganze Reihe von sozialen Problemen – Kinderarbeit ist im ganzen Land verbreitet – aber auch unschätzbar wertvolle Naturwunder wie die Galapagos-Inseln erwarten ihn.

Was genau bewegt nun aber einen 20-Jährigen dazu, die behütete Ländlichkeit der Heimat zu verlassen, um am anderen Ende dieser Erde soziale Arbeit zu leisten? "Ich tat mich nach dem Abitur mit der Orientierung schwer, ich wusste nicht so recht wo ich hin will. Außerdem wollte ich unbedingt neue Erfahrungen machen und auch einen Beitrag leisten", erklärt der Nagolder, der im Moment als Freiwilliger im integrativen Kindergarten Unterjesingen arbeitet. "Südamerika stand für mich von Anfang an fest, schon allein wegen der Sprache. Konkret beworben habe ich mich aber für die Länder Bolivien, Kolumbien, Peru und eben Ecuador". Mit "beworben" meint Fabian einen wochenlangen Papierkrieg, mehrere Seminare in Berlin, eine eigene Spendenaktion und banges Warten, ob man beim Programm des "ICJA Freiwilligenaustausch weltweit e.V." überhaupt angenommen wird. Die Freude in der Mimik des 20-Jährigen beim Gedanken an den Augenblick seiner endgültigen Zusage ist unverkennbar. Einfach war es beileibe nicht, denn allein 1800 Euro durch Spenden aufzutreiben, ist keine kleine Herausforderung. "Die Unterstützung meiner Verwandten und Freunde war wirklich fantastisch", erzählt Fabian, wie er auch diese Hürde genommen hat.

In Ecuador selbst wartet bereits seine Gastfamilie, mit der er in der Hauptstadt Quito gemeinsam leben wird. Dort wird Fabian auch arbeiten. Wie Urlaub wird seine Zeit in Ecuador sicherlich nicht. Die Aufgabe klingt einfach: "teaching, playing and hugging" (lehren, spielen und umarmen) von auf der Straße lebenden Kindern wird seinen Arbeitsalltag bei dem Projekt namens Unidad Educativa de San Patricio bestimmen. In einem der ärmsten Länder Südamerikas sicherlich keine leichte Aufgabe.

Die Tage vor Fabians Abreise bedeuten nun einen kleinen Verabschiedungsmarathon und die große Frage nach dem: "Was nehme ich mit?" Bis es dann am kommenden Dienstag heißt: "Ich bin dann mal weg."

Weitere Informationen:

www.icja.de

fabianecuador.wordpress.com