Nagold Polit-Talk in einem der größten Kleiderschränke Europas

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So ganz einverstanden war Hubertus Heil nicht, als ihn Daniela Steinrode mit den hiesigen Bräuchen zur Weiberfasnet vertraut machte. Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder-Bote

von Axel H. Kunert

Nagold. Wahlkampf im Land. Das ist die Zeit, wo sich vermehrt Hochkaräter der Bundespolitik als Unterstützer der Kandidaten vor Ort "ins Zeug" legen. In diesem Fall im wahrsten Sinne des Wortes.

Hubertus Heil, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, wollte beim Besuch von Partei-Kollege und Landtagskandidat Daniel Steinrode unbedingt das Nagolder Unternehmen Digel besichtigen. "Ich kenne Sie. Ich sehe Sie jeden Montag im Spiegel", stellte sich Heil, in seiner Fraktion für die Themen Wirtschaft und Energie, Bildung und Forschung zuständig, Gastgeber Jochen Digel vor. Gemeint waren die Werbeanzeigen des Bekleidungsherstellers im Nachrichten-Magazin "Der Spiegel".

Und dann lud der Hausherr die Polit-Delegation, zu der auch Saskia Esken, Andreas Röhm und Steinrodes Ehefrau und "Wahlkampfhelferin" Daniela gehörten, in "einen der wohl größten Kleiderschränke Europas" ein – Digels drei Fußballfelder großes Waren- und Logistik-Zentrum, in dem bis zu 320 000 Kleiderbügel die schier endlose Palette aus dem Digel-Sortiment vorhalten, um innerhalb kürzester Zeit Bestellungen aus aller Welt abzuarbeiten.

Und genau hier durfte Hubertus Heil sich richtig "ins Zeug" legen: Modell "Siggi" aus der Digel-Kollektion in Übergröße – laut Jochen Digel "natürlich nicht" nach SPD-Chef Sigmar Gabriel benannt – passte Heil sogar noch über den Anzug, den er bereits trug. War also eigentlich deutlich zu groß. "Da muss ich noch hineinwachsen", so Heils augenzwinkernder Kommentar.

Nach der Besichtigung folgt die Gesprächsrunde

Und da just an diesem Tag Weiberfastnacht war, büßte der Gast einige Kleiderreihen später, weil gerade eine Schere zur Hand war, seine edle, knallrote Krawatte ein, als Steinrode-Gattin Daniela dem Gast aus Hildesheim hiesige Gepflogenheiten für diesen besonderen Tag "beibrachte". Ein bisschen Wirtschaftsförderung für Digel, wie ein nicht völlig verständnisvoller Hubertus Heil meinte – schließlich bietet das Unternehmen ja auch eine Krawatten-Kollektion an.

Bei der folgenden Gesprächsrunde im Digel-Showroom wurde es dann deutlich ernster, als Wirtschaftspolitiker Heil seine Gastgeber Jochen Digel und den mittlerweile dazu gestoßenen Senior Hans Digel fragte, was sie denn einem wie ihm gerne einmal ins Stammbuch schreiben würden. "Lösen Sie diese Flüchtlingskrise", so die unmittelbare Entgegnung der Digels. Um dann einen Vorschlag nachzuschieben, den er, so Heil, nach eigenem Bekunden noch nie in dieser Form gehört habe: "Richten Sie doch Sonderwirtschaftszonen ein, in denen Flüchtlinge auch ohne Mindestlohn beschäftigt werden könnten." Dann würden Unternehmen wie ihres längst ins Ausland verlagerte Produktionen wieder zurück nach Deutschland holen können. "Wir überlegen aktuell, dem Unternehmen Hugo Boss, der einzigen deutschen Bekleidungsmarke von Weltruf, mit der Produktion in die Türkei zu folgen, wo es solche Sonderwirtschaftszonen bereits gibt." Und die Vergangenheit habe hierzulande gezeigt, dass Arbeit immer der beste Ort für eine gelungene Integration gewesen sei.

Hubertus Heil versprach, diese Idee aufzugreifen und zu prüfen. Wenngleich ihm eine mit dieser Idee zwangsläufig verbundene Aufweichung des Mindestlohns doch auch eher skeptisch reagieren ließ. Aber außergewöhnliche Zeiten brauchten vielleicht außergewöhnliche Maßnahmen. Sprach es, bevor der hohe Gast zu seinen nächsten Wahlkampfterminen – nun ohne Krawatte – entschwand.

  
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