Nagold Platzmangel bei Erwin Teufel

Schwarzwälder-Bote, 17.05.2012 18:00 Uhr

Von Jelena Wall

Nagold. Der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel war zu Besuch beim Dialogforum "Unter den Linden". Er sprach über den Wert der Verantwortung früher und heute.

Das Wichtigste für die Wertebildung war und ist der familiäre Hintergrund. Erwin Teufel, der der älteste von neun Geschwistern ist, musste früh die Verantwortung mit übernehmen. "Als ich klein war, hatte ich ein bestimmtes Bild von Kriegswitwen. Meine Mutter hat damals mit ihren 22 Jahren den Hof geführt und sich um uns drei Kinder gekümmert. Alles lastete auf ihren Schultern, bis der Vater zurück kam", schilderte Teufel. "Jeden Abend beteten wir dafür, dass der Vater zurück kommen möge", fügte er nach einer Pause hinzu.

Er findet nicht, dass die heutige Jugend desinteressiert ist. Dass sich die jungen Leute manchmal mehr für Fußball, als für andere Dinge interessieren, hält er für nachvollziehbar. In seiner eigenen Jugend etwa wollte er unbedingt Sportreporter werden.

Es ist ihm ein wichtiges Anliegen, dass die ältere Generation öfters mit der Enkelgeneration über die Kriegs- und Nachkriegszeit spricht: "In unserer jüngsten Geschichte war jede Nachkriegszeit eine Vorkriegszeit. Heute lebt die dritte Generation ohne Krieg. Die Verantwortung liegt bei uns, ihnen das wertvolle an diesem Geschenk zu vermitteln."

Die Erfahrung, dass man sich manchmal der Verantwortung nicht entziehen kann, machte er nach dem Rücktritt von Lothar Späth. "Wenn man mit 62 von 64 Stimmen zum Nachfolger gewählt wird, dann gibt es kein Zurück mehr", erinnerte sich Teufel.

Zum Schluss fragte Dekan Ralf Albrecht, ob der ehemalige Ministerpräsident nie Probleme mit seinem Nachnamen gehabt habe. Erwin Teufel dachte an einen Tag zurück, als zwei Überschriften untereinander standen: "Ratzinger wird Papst" und "Teufel tritt zurück". "Aber ansonsten sage ich immer: Die Einen heißen so, die Anderen sind es vielleicht", fügte er hinzu.

Die Veranstaltung war so gut besucht, dass zusätzliche Bänke gebracht wurden – und selbst die reichten nicht aus.

 
 
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