Nagold Letzte Arbeiten aus der Kunstfabrik

Schwarzwälder-Bote, 17.08.2012 18:03 Uhr

Von Jelena Wall

Nagold. Am Freitag nächster Woche werden die letzten vier Skulpturen die Kunststraße auf der Landesgartenschau vervollständigen. Die Assoziationen zum Thema "Wasser" nehmen in den Händen des Künstlerehepaars Birgit Rehfeldt und Uli Gsell und den beiden Kunst-Studenten Yaron Bekker und Marlon Lanziner Gestalt an.

Was kann das Wesen von Wasser besser darstellen als eine "Schwimmerin"? Eine Person, die alle Eigenschaften dieses Naturelements auf der Haut spürt, erlebt Wasser als etwas Einzigartiges. Eine solche "Schwimmerin" aus Holz erschafft die Holzbildhauerin Birgit Rehfeldt in der Kunstfabrik auf dem Teufel-Areal. "So nah am Wasser und an diesem tollen Arbeitsplatz kann man sich vor Inspiration kaum zurückhalten", sagt Rehfeldt. Ihre ein Meter lange Figur wird noch farbig und nach der Fertigstellung auf einen hohen Sockel gesetzt.

Ihr Mann Uli Gsell hat sich für seine Umsetzung einen noch härteren und schwer formbaren Werkstoff als Holz ausgesucht.

Uli Gsell arbeitet mit einem Jurastein. In diesem entstehen durch Aushebungen "Wasserwege". Er hat den Stein in mehrere Teile zerteilt, um jedes Einzelstück besser bearbeiten zu können.

Uli Gsell ist nach eigenen Worten die erste Woche um den Stein herumgelaufen und hat verschiedene Zeichnungen ausprobiert, bis er den idealen Verlauf der "Wasserwege" gefunden habe. "Wasser sucht sich immer den leichteren Weg, egal wie verwinkelt und uneben dieser dann auch sein mag. Diese Charakteristik stelle ich in meinem Werk bildlich dar", ergänzt Gsell. Die einzelnen Teile fügt er am Ende wieder zusammen, und der Jurastein wird zu einer verwinkelten Wasserlandschaft.

"Uli und ich kennen uns aus dem Studium. Wir waren die Jugendliebe füreinander und sind zusammen geblieben. Deshalb finde ich es spannend, hier auf junge Studenten zu treffen. Die Gespräche wecken Erinnerungen an die eigene Studienzeit", erwähnt Rehfeldt, auf die beiden Studenten der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart blickend.

Marlon Lanziner befindet sich im fünften Semester seines Studiums. Sein Kunstwerk soll den Titel "Kreislauf" tragen. "Oder wie ich es nenne: 1+1+1+1=1! Es sind vier verschieden große Ringe, die wieder ein Ganzes ergeben", erklärt Lanziner sein mathematisches Wortspiel. Seine Skulptur hat er aus Blechplatten zusammengeschweißt und für den letzten Schliff in die Kunstfabrik gebracht. Beim Transport hat es leider geregnet und somit hat die Beseitigung der rostigen Stellen Vorrang. Danach wird die Skulptur gespachtelt und mit acht Schichten blauem Lack überzogen. "Auf diese Weise wird die Figur nicht nur glänzend und weich, sondern kann noch 20 Jahre stehen ohne zu rosten", fügt Lanziner hinzu. Sein Geflecht aus Ringen stellt die Verflechtung zwischen Natur und Stadt dar. Das Abhängigkeitsverhältnis, dem die beiden unterstehen, wird dadurch symbolisiert, dass es unmöglich ist einen Anfang oder ein Ende zu erkennen.

Yaron Bekker ist ebenfalls Student an der Kunstakademie und macht diesen Herbst sein Staatsexamen. Sein Beitrag zur Kunststraße besteht aus drei lebensgroßen menschlichen Figuren: Ein Vater mit einem Kleinkind auf dem Arm und einer Schaufel in der anderen Hand. Eine Mutter, die neben ihrem Kind kniet. Alle drei haben Wassersäcke auf dem Rücken. "Meine leitende Idee war der Endzeitgedanke: Was wäre, wenn Wasser das knappste Gut auf der Erde wäre?", erklärt Bekker die dargestellte Szene. Die Familie aus Gips, Beton und Industrieschaum befindet sich auf einen Ausflug. Sie sucht in einer ausgetrockneten Landschaft Wasser. So soll die Szene auch heißen: "Familienausflug".

Die vier verschiedenen Interpretationen von Wasser und seiner Bedeutung kann man ab dem 24. August auf der Kunststraße im Riedbrunnenpark bewundern. Bis zur Aufstellung der Skulpturen kann man die Künstler in der Kunstfabrik zwischen 10 und 17 Uhr besuchen und sich mit ihnen austauschen oder einfach bei der Umsetzung ihrer Ideen zusehen.

 
 
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