Von Jelena Wall Nagold-Hochdorf. Die beschlossene Schließung kleiner Geschäftsstellen der Sparkasse Pforzheim Calw sorgte bei der Mitgliederversammlung des VdK-Ortsverbands Nagold für Diskussionsbedarf. Oberbürgermeister Jürgen Großmann verteidigte die Entscheidung.VdK-Kreisverbandvorsitzender Horst Vahsen nahm kein Blatt vor den Mund, als er die Schließung einiger Geschäftsstellen als Fehler bezeichnete. "Diese Geschäftsstellen werden benötigt. Wir haben, als es publik wurde, sofort ein Schreiben an die Geschäftsführung verfasst", so Horst Vahsen.

Bei aller Kritik gab er auch zu, dass einige Argumente durchaus nachvollziehbar sind. Er lobte den Willen der Sparkasse, die Härten, die eine solche Entscheidung nach sich zieht, abzumildern. So sollen in den Orten Geldautomaten und Servicepoints eingerichtet werden. Weil Onlinebanking bald eine noch wichtigere Rolle spielen werde, möchte der VdK seinen Beitrag dazu leisten. "Wir werden Schulungen über Onlinebanking anbieten. Die Sparkasse hat uns ihre Unterstützung hierbei zugesichert", vervollständigte Horst Vahsen seinen Vortrag.

Oberbürgermeister Jürgen Großmann, der gleich nach Vahsen zum Publikum sprach, verteidigte die Entscheidung der Sparkasse: "Es war eine schwere Entscheidung, aber wir alle müssen uns an die eigene Nase fassen. Denn dass Bäcker, Metzger und kleine Läden aus unserer Infrastruktur verschwinden, daran sind einzig und allein wir selbst schuld. Dieses Schicksal erleiden auch die kleineren Geschäftsstellen vor Ort." Gleichzeitig wies er auf die angebotenen Alternativen hin: Es wird ein Bargelddienst eingerichtet, auch die telefonische Vereinbarung für Beratungsgespräche bei sich zu Hause wird angeboten. Der Oberbürgermeister forderte alle Anwesenden auf, dieses Angebot zu nutzen. "Stellen sie den Service auf den Prüfstand. Rufen sie die Dienstleistungen ab", so Großmann.

Zum Schluss wurde darauf hingewiesen, dass die Stadt Nagold mit dem Ortsverband des VdK in einem sehr kon­struktiven Dialog stehe. Ortsverbands-Vorsitzender Friedhelm Schneck bestätigte, dass er im Nagolder Rathaus immer auf offene Ohren treffe. Schneck kündigte am Ende des Nachmittags an, dass er bei der Wahl im nächsten Jahr nicht mehr kandidieren werde. Deshalb hofft er, dass sich jemand zur Wahl stellen wird. Die Mitglieder sprachen jedoch weniger über die möglichen Nachfolger, als über die Strategien, wie sie Friedhelm Schneck von seiner Entscheidung abbringen können.

Beim Bau von behindertengerechten öffentlichen Einrichtungen bestehe in der Stadt weiterhin Bedarf. Darauf verwies der Referent der LBBW, Joachim Steck. Er selbst stammt aus Nagold und sitzt seit über 30 Jahren im Rollstuhl. "Manchmal muss man abwägen, was wichtiger ist – Denkmalschutz oder die Nutzbarkeit eines Objekts. Ich wüsste kaum ein Lokal in Nagold, dass ich ohne Probleme oder fremde Hilfe betreten kann", sagte Joachim Steck. Dabei ist das "Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen" seit 2009 für Deutschland verbindlich.

Nach diesen sehr ersten Themen wurde es besinnlich. Die Jugendkapelle Hochdorf-Schietingen spielte Weihnachtslieder.

Daraufhin wurden langjährige Mitglieder geehrt: Hedwig Riedt für 60 Jahre Mitgliedschaft, Gertrud Peters für 25 Jahre, Familie Gutekunst, Familie Koch, Hannelore Schaf und Maria Raaf für jeweils zehn Jahre