
Von Heiko Hofmann
Nagold. In ihrem Wohngebiet wissen sie ganz genau, wo es für Kinder die spannendsten Spielmöglichkeiten gibt. Doch was ist mit den anderen Stadtteilen? Was ist dort für Kinder geboten? Wer Antworten sucht, wird ab sofort im Stadtplan für Kinder fündig.
Premierenstimmung im Nagolder Kubus. Rund 200 Grundschulkinder haben sich dort versammelt. Feierliche Reden werden geschwungen. Die Emminger Bläserklasse, die "Pustekids", spielen zwei Stücke, der Grundschulchor der Zellerschule stimmt zwei flotte Songs an. An Plakatwänden hängen bunte Kinderbilder. Sie zeigen Nagolder Szenen wie die Urschel, das Stadtwappen, den Alten Turm oder die Burg. Und zum Abschluss gibt es noch Brezeln und Apfelsaft für alle.
So feiert Nagold seinen ersten Kinderstadtplan. Der ist mächtig bunt geworden, sehr umfangreich, enthält neben dem eigentlichen Plan mit den kindgerechten Comicanimationen auch eine Übersicht über Anlaufstellen und Vereine, die für Kinder interessant sein könnten – und somit natürlich auch für die Eltern. Die Grundschüler, allesamt Viertklässler der Nagolder Schulen, sind unterdessen nicht nur schmückendes Beiwerk der Premierenfeier. Sie sind geladene Gäste. Denn allesamt waren die Viertklässler am Stadtplan für Kinder beteiligt. Für die Wohngebiete, wo sie sich auskennen, gaben sie wertvolle Insidertipps: Wiesen zum Drachensteigen lassen, die besten Berge zum Schlittenfahren, oder auch Bäume zum Klettern – die Kindertipps machen den Stadtplan so ungewöhnlich. Auch Gefahrenpunkte an Straßen brachten die Kinder mit ein. Hinzu kamen die besten Treffpunkte zum Spielen oder auch zum Skaten.
Die Hauptarbeit aber leisteten engagierte Erwachsene: Der Arbeitskreis K, im Nagolder Bürgerforum für Kinder zuständig, hatte vor eineinhalb Jahren die Idee, als sein Landesgartenschau-Projekt einen Stadtplan für Kinder zu erarbeiten. "Wir sind richtig stolz", freute sich gestern die Sprecherin des Arbeitskreises, Martina Bitzer. Denn für sie und ihre Mitstreiter war von Anfang an klar: "Eine kinderfreundliche Stadt braucht einen Kinderstadtplan." Dabei war dem Arbeitskreis die Beteiligung der Kinder wichtig. So machte man sich im Vorfeld mit den Kindern zu Begehungen rund um die Schulen auf. Martina Bitzer: "Erst eure Tipps haben den Kinderstadtplan zum Erfolg gemacht."
Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann erklärte den Kindern, wie faszinierend es sei, dass der Kinderstadtplan aus der Vergangenheit komme, aber in die Zukunft verweise. "Es ist euer Stadtplan", sagte er weiter. Froh sei die Stadt, dass die Kinder mitgemacht hätten – für Großmann eine echte "Kleinbürgerbeteiligung." Den anwesenden Kindern sagte er zu, dass alle Amtsleiter der Stadt Nagold den Kinderstadtplan bekommen, und in Zukunft bei allen Planungen immer auch einen Blick auf den Plan der Kinder werfen sollen.
Weitere Informationen: Der Kinderstadtplan ist ab April für 1,50 Euro im Rathaus erhältlich. Die beteiligten Kinder bekommen den Plan kostenlos über die Schulen.