Nagold Jetzt zieht die Sehnsucht in die Blumenhalle der LGS ein
Schwarzwälder-Bote, 21.07.2012 00:01 Uhr
Orchideen faszinieren die Menschen seit mehr als 2500 Jahren.Foto: Schwarzwälder-Bote
Nagold. Ein Gefühl von Fernweh erzeugt die neue Blumenschau "Flora aus nah und fern", die bis 29. Juli geöffnet ist. Denn sie präsentiert Exoten und Orchideen in einer Vielfalt, wie man sie nur auf anderen Kontinenten vermuten würde.
"Gilt bei uns die Rose als die Königin der Blume, gebührt diese Ehre in Asien der Orchidee", erklärte Jürgen Strohmeier aus Freiburg, Leitender Florist der nunmehr siebten Ausstellung in der ehemaligen Anker-Brauerei. Kein Wunder, dass bei den Betrachtern Urlaubsgefühle aufkeimen: Denn viele Exponate spielen mit der Assoziation des Fremden – auch wenn die Blumen inzwischen an jeder Straßenecke zu erwerben sind.
Aber nicht in dieser Fülle, wie sie die neue Blumenschau zeigt. Orchideen in allen Farben von strahlend Weiß über zartes Gelb bis hin zu allen Violett- und Rosatönen werden teils verschwenderisch, teils solitär in Szene gesetzt. Und jeder der beteiligten Floristen erzählt dazu eine eigene Geschichte. Während man sich in einer Ecke fast wie in Japan fühlt, weil die Blumen von asiatischen Accessoires umstellt sind, findet man sich in einer anderen in Augenhöhe mit den Schönheiten wieder: Auf langen Schlangenhölzern wurden Orchideen befestigt, sie recken ihre Blüten nach oben. "Ganz wie in der Natur", beschreibt Floristikmeisterin Gabriele Haufe ihre Idee, "Orchideen wachsen auf Bäumen und ernähren sich von der Luftfeuchtigkeit."
Sina Kräh dagegen hat einen alten Reisekoffer ihres Großvaters, den er selbst aus Blechbüchsen gefertigt hat, mit exotischen Blumen drapiert. Doch Exotik ist nicht nur auf räumliche Entfernungen begrenzt. "Sie kann sich auch im Kopf abspielen", sagt Jürgen Strohmeier beim Betrachten zweier mit Orchideen bepflanzten Jeans, die für ihn das Rebellische der Jugend symbolisieren. Die Nagolder Floristen haben sich hingegen verstärkt des Themas "nah und fern" angenommen. Ein Bollenhut aus heimischen Blumen steht für den Schwarzwald, ein zartes Arrangement aus Lilien, Orchideen und Wasserhyazinthen für das Fremde. "Sie zeigen hier ganz große Kunst", lobte Wolfgang Hilbich, Geschäftsführer des baden-württembergischen Fachverbands deutscher Floristen, die beteiligten Betriebe. Innenarchitektin Monika Kranz, zuständig für den Umbau der Anker-Brauerei zur Blumenhalle, zeigte sich ganz fasziniert von der neuen Ausstellung und ihrer Blumenpracht: "Die Floristen hauchen dem kargen Industriegebäude eine Seele ein."


