Nagold - Zur Orientierung, um etwas Sinnvolles zu tun oder auch einfach nur, um neue Erfahrungen zu sammeln – die Gründe, warum junge Menschen im Youz Nagold arbeiten wollen, sind zahlreich.

Das Ende des Zivildienstes wurde von vielen sozialen Einrichtungen kritisch beäugt und keiner wollte so recht an einen funktionierenden Bundes-Freiwilligendienst glauben. Aber viele junge Menschen suchen nach ihrer Ausbildung nach Orientierung, wollen neue Erfahrungen machen, andere Menschen kennenlernen und vor allem auch mit anpacken – ohne den Druck, direkt die Entscheidung fürs Leben treffen zu müssen.

Daran hat sich nichts geändert. Das Jugendhaus Youz in Nagold macht diesen jungen Menschen ein Angebot: anderen zu helfen und dabei selbst Hilfe zu bekommen. Und dieses Angebot hört bei der einheimischen Jugend nicht auf. Denn wo man herkommt ist nicht entscheidend, sondern wer man ist. Und so bietet das Jugendhaus interessierten Jugendlichen aus den entlegensten Winkeln dieser Erde die Chance, Deutschland kennenzulernen und gleichzeitig durch Wissen und Erfahrung aus anderen Kulturen einen besonderen Beitrag zu leisten.

Neun Leben, neun unterschiedliche Geschichten, vereint unter dem Dach des großen Hauses in der Marktstraße: Nitasha Gobin heißt die junge Dame mit dunklem Taint und den wachen Augen. Sie kommt aus Mauritius und ist eine von drei Mitbewohnerinnen in der hauseigenen Wohngemeinschaft unter dem Dach. Fünf verschiedene Sprachen spricht sie: Englisch, Deutsch, Französisch, Kreol und seit Neuestem auch beeindruckend sauberes Schwäbisch – als Beweis wurde die Frage nach dem klassischen Hausfliegentötungsinstrument überaus authentisch in Mundart vorgetragen.

Dokumentation über die Arbeit des Youz

Nach ihrem Studium der Sozialwissenschaften in der Schweiz wollte sie noch weitere Erfahrungen in Europa machen und hat zahlreiche Bewerbungen losgeschickt. Im September 2011 hat sie schließlich ihre Stelle im Youz angetreten. Ihre Aufgaben sind zahlreich: Übersetzungsarbeit, Thekendienst und sogar ein eigenes Filmprojekt. Die Mauritierin dreht eine Dokumentation über die Arbeit des Youz, die in Kürze auf Youtube zu sehen ist. Nitasha ist aber nur eine von neun Freiwilligen, die aktiv an den verschiedenen Projekten des Youz mitarbeiten. Da ist zum Beispiel Marta Munoz aus Spanien, die auch in der Haus-WG wohnt und im OHG bei den Spanischangeboten aushilft, oder Nathalie Bächle aus Altingen, die seit März in der Kinderkiste mitarbeitet und einen eigenen Tanzkurs für Mädchen leitet. "Wir haben alle nen guten Job und unterstützen uns gegenseitig" – Nathalie fühlt sich unter ihren Kollegen sichtlich wohl.

Als "der Mann für alles", beschreibt sich der 19-jährige Marian Molitor, der für die ehemals klassischen Zivi-Aufgaben zuständig ist. Als Höhepunkt seiner Arbeit, sieht er die Kulturreise in die Türkei, bei der er als Betreuer dabei war. Schon elf Jahre existiert dabei ein Austausch zwischen dem Youz Nagold und der Millionenstadt Denizli.

Die Kinderkiste des Youz gibt es schon seit 25 Jahren, und viele der Freiwilligen helfen kräftig mit, die sechs- bis zehnjährigen Kinder zu betreuen. So auch Layla Bennacer, die als dritte die Mädchen WG im Dachgeschoss voll macht. Nach ihrem Schulabschluss wollte sie nicht gleich studieren und hat nach Orientierung gesucht: "Das ist eine Zeit, die hast du nur einmal im Leben", antwortet Layla auf die Frage, warum sie im Jugendhaus arbeitet – mit ihrer Entscheidung ist sie demnach mehr als zufrieden.

Die Gruppe der neun Freiwilligen und Praktikanten machen Larissa Winkler aus Horb, Linda Rothfuß aus Haiterbach und Max Weik aus Wildberg komplett. Max ist der Mann für die Spezialaufträge, wie als Moderator beim Kochduell im Veranstaltungsraum. Gemeinsam mit Larissa ist er aber auch in der Kinderkiste tätig. Die 20-jährige Linda arbeitet als Betreuerin an der Burgschule. Gerade das Abitur am OHG abgeschlossen, hilft sie Kindern in den Klassen eins bis neun beim Lernen und führt auch schonmal Projekte durch, bei denen die ganze Schule mit Hilfe der Schüler bekocht wird.