Nagold. Die Geschäftsführer Richard Kuon und Manfred Wenninger haben eine der erfolgreichsten baden-württembergischen Landesgartenschauen aller Zeiten gemanagt. Im Interview verraten sie, was ihnen selbst am meisten imponiert hat. Herr Wenninger, Herr Kuon: Zwei Monate nach der Landesgartenschau – leiden Sie da an Entzugserscheinungen? Richard Kuon (lacht): Also, ich kann sehr gut mit dem Ende umgehen. Dieses halbe Jahr war absolut toll, aber ich freue mich, dass jetzt so langsam wieder Normalität einkehrt. Manfred Wenninger: "Entzugserscheinungen" kann ich nicht sagen. Aber die Wahrnehmung in den ersten Wochen war schon noch geprägt vom Landesgartenschau-Betrieb. Das merkt man zum Beispiel an der Verblüffung, wenn es beim Verlassen des Büros draußen mal noch hell ist.

Was haben Sie beide jetzt vor? Richard Kuon: Beruflich war ja bei mir alles von Vornherein vorgezeichnet. Im Januar gehe ich zurück in mein Büro im Bauamt und wirke als Hoch- und Tiefbauamtsleiter wieder im Stadtgeschehen mit. Privat freue ich mich vor allem darauf, mehr Zeit mit meiner Frau zu verbringen. Als Ehepaar haben wir in den vergangenen Monaten viel zurückgesteckt.

Manfred Wenninger: Nach der Abwicklung dieser Landesgartenschau gehe ich offiziell in den Ruhestand, und über den ein oder anderen Plan, den ich noch habe, gebe ich im persönlichen Gespräch gerne Auskunft. Ansonsten will ich die neu gewonnene Freiheit nutzen, um mich endlich einmal mit viel Zeit und Muße den Dingen zu widmen, die mich interessieren. Das objektive Gelingen der Landesgartenschau steht ja außer Frage.

Wie aber ist Ihre subjektive Wahrnehmung des Projektverlaufs? Manfred Wenninger: Damit bin ich mehr als zufrieden. Was mich am meisten beeindruckt hat, ist die Resonanz in der Bevölkerung – nicht nur in Nagold, sondern in der gesamten Region. So etwas habe ich in meiner 30-jährigen Gartenschau-Tätigkeit noch nie erlebt.

Richard Kuon: Ich bin von Haus aus ein vorsichtiger Mensch und habe im Traum nicht mit einer solchen Bilanz gerechnet. Dass es so gut geklappt hat, macht mich nicht nur sehr glücklich, sondern vor allem auch stolz auf meine Mitarbeiter. Der Erfolg kommt ja nicht von ungefähr, sondern resultiert aus einem Team, in dem alle Räder perfekt ineinandergegriffen haben. In den Schlüsselpositionen hatten wir Spitzenleute, und auch die anderen haben hervorragende Arbeit geleistet. Das Ergebnis der Landesgartenschau Nagold 2012 ist ein großartiges Gemeinschaftswerk. Was war für Sie persönlich der größte Erfolg?

Richard Kuon: Ganz klar: die Begeisterung der Bürger. Das habe ich zum ersten Mal beim Baustellenfest zum Start des Dauerkarten-Verkaufs im September 2011 erkannt. Da gab es diese Initialzündung, bei der die Identifikation mit dem Projekt auf einen Schlag sichtbar wurde. Von diesem Tag an standen jeden Morgen Menschen vor dem LGS-Kassenhäuschen und im Rathaus-Café, um sich ein Jahresticket zu kaufen.

Manfred Wenninger: Für mich waren der größte Erfolg die Ausstellungsbeiträge. Jeder einzelne davon wurde sensationell gut angenommen. Und das zu Recht: So unterschiedlich die Bereiche waren, sie alle hatten eine hohe Qualität zu bieten. Das gilt für die Floristen, die Hobbygärtner und den Garten- und Landschaftsbau ebenso wie für die Attraktionen unserer regionalen Partner. Der bitterste Rückschlag? Richard Kuon: Dass die Treppe nicht gebaut wurde, hat mich sehr geschmerzt.

Manfred Wenninger: Das fand ich damals auch sehr schade. Doch selbst diese Episode empfinde ich nicht als Rückschlag, da das Projekt gestärkt aus ihr hervorgegangen ist. Und der emotionalste Moment? Richard Kuon: Das war beim Pferdetag, als das morgendliche Wetter nichts Gutes verheißen hatte, ich aber beim Ritt in die Calwer Straße plötzlich all die Zuschauer gesehen habe. Da war ich schlichtweg überwältigt.

Manfred Wenninger: Für mich war es der Gang über das Gelände am 14. Oktober, als ich zum letzten Mal in die strahlenden Gesichter der Besucher blicken konnte.

Welche Lehren ziehen Sie aus dieser spannenden Zeit – zusammengefasst in einem Satz? Richard Kuon (überlegt): Vielmals geht’s auch ohne den Ärger, den man sich innerlich aufbaut.

Manfred Wenninger (grinst): Ich ziehe keine Lehren mehr, ich sag’ einfach: Schön war’s!

u Die Fragen stellte Heike Blottner