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Nagold Homosexueller Pfarrer muss Stelle wechseln

Sebastian Bernklau , vom 21.07.2011 05:00 Uhr
Steffen Poos ist seit fast drei Jahren Pfarrer in Iselshausen und muss nun die Stelle wechseln, weil er mit seinem Lebenspartner im Pfarrhaus zusammenleben will. Foto: Fritsch
Steffen Poos ist seit fast drei Jahren Pfarrer in Iselshausen und muss nun die Stelle wechseln, weil er mit seinem Lebenspartner im Pfarrhaus zusammenleben will. Foto: Fritsch

Nagold-Iselshausen - Steffen Poos ist evangelischer Pfarrer in Nagold-Iselshausen und er ist sehr beliebt in seiner Gemeinde. Und er ist homosexuell und möchte mit seinem Partner im Pfarrhaus zusammenleben. Doch genau dieser Wunsch nach Zweisamkeit im Pfarrhaus ist der Grund dafür, warum Pfarrer Poos jetzt seine Gemeinde verlassen muss und wohl in die Landeskirche Hessen-Nassau wechselt. Denn die Statuten der württembergischen Landeskirche untersagen gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in Pfarrhäusern.

Die Gemeinde in Iselshausen ist geschockt vom Weggang des beliebten Geistlichen. Nach dem Gottesdienst am vergangenen Sonntag berichtete Poos der Gemeinde von seiner Homosexualität, seinem Weggang und dessen Gründen. Spontan brandete tosender Applaus für den Pfarrer auf. Verständnis für die Haltung der Kirche haben viele Iselshauser Gemeindemitglieder nicht. "Ich kann es nicht verstehen, dass es in der heutigen Gesellschaft noch so eine Haltung gibt", sagt ein Gemeindemitglied.

Eine Frau aus der Gemeinde spricht gar von "großem Schmerz" und "Entsetzen" angesichts des Abschieds von Pfarrer Poos. Die Gemeinde stehe vollkommen zu Steffen Poos und lasse ihn nur sehr schweren Herzens gehen. "Mit ihm lässt die Kirche einen ihrer besten Pfarrer ziehen", ist sie überzeugt. Auch auf Poos’ Homepage äußern Menschen ihr Unverständnis über die Haltung der Landeskirche.

Dass er seiner Gemeinde über seine Homosexualität berichten würde, sei für ihn immer klar gewesen, sagte Poos gegenüber unserer Zeitung, auch weil Wahrheit und Ehrlichkeit ihm ein hohes Gut im Umgang mit den Menschen seien. Konkreter Anlass seines Outings war die im September anstehende Übernahme des bisherigen Pfarrers zur Anstellung in eine Festanstellung. Dass diese an den Statuten der Landeskirche scheitert, diese Entscheidung respektiert Poos zwar, heißt sie aber nicht gut. Mit seiner Entscheidung die württembergische Landeskirche und Iselshausen zu verlassen, mache er nichts gegen die Landeskirche, wie er betont, "sondern etwas für mich und meinen Partner".

In einem Brief an seine Mitarbeiter wirbt Poos um Verständnis für seine Entscheidung und um Vertrauen in seine Person und Vertrauen gegenüber homosexuellen Menschen. Er hoffe, dass sein Weggang nicht zu größeren Irritationen oder gar Grabenkämpfen oder Schlammschlachten führe und Iselshausen sogar gestärkt aus dieser Angelegenheit hervorgeht.

Der für die Gemeinde Iselshausen zuständige Nagolder Dekan Ralf Albrecht stellte gestern gegenüber unserer Zeitung klar, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen in der württembergischen Landeskirche mit Blick auf den pfarramtlichen Dienst keine Rolle spiele. Der entscheidende Punkt beim Iselshauser Pfarrer sei nicht seine Homosexualität, sondern dessen Wunsch nach einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft im Pfarrhaus gewesen. Und das sei rechtlich gesehen in der württembergischen – im Gegensatz etwa zur rheinischen oder bayerischen – Landeskirche nicht möglich, "und dazu stehe ich auch", so der Nagolder Dekan.

Den Dekan als seinen Vorgesetzten habe er schon früh in seine Überlegungen und Pläne eingeweiht, berichtet Poos. Dabei sei er von Albrecht immer fair und respektvoll behandelt worden. Albrecht selbst spricht davon, dass man diesen Weg in gegenseitigem Respekt gegangen sei und weiter gehe. Respekt gegenüber der Entscheidung von Steffen Poos ist es denn auch, den sich der Nagolder Dekan nun von den Christen erhofft.

Kommentare (20)
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NOV
01
17:28 Uhr, geschrieben von Gerhard Mundt
Heterosexuelle Kirche?
"Ist die evangelische Kirche noch Kirche?" fragten sich bibeltreue Christen bei den kürzlich stattgefundenen Glaubens- und Besinnungstagen. Anlass hierfür war das neue Pfarrdienstrecht der EKD, das es den einzelnen Landeskirchen freistellt, gleichgeschlechtlichen Paaren das Zusammenleben im Pfarrhaus zu gestatten. Die Bibel setzt sich mit der Tatsache einer gleichgeschlechtlichen Prägung als solcher nicht auseinander. Nirgendwo werden dort gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen als Ausdruck einer in Liebe und Verantwortung gelebten Partnerschaft gesehen oder thematisiert. Stattdessen werden Beziehungen verurteilt, die mit gegenseitiger Liebe und Verantwortung nichts zu tun haben! Dadurch entsteht ein Zerrbild homosexueller Menschen, die als solche erscheinen, die sich Gottes Wort widersetzen und ihren Begierden freien Lauf lassen. Bei manchen ist es immer noch nicht angekommen, dass es Menschen gibt, deren gleichgeschlechtliche Prägung für sie genauso Teil ihres Menschseins ist, wie für andere ihre heterosexuelle Prägung. Und ebensowenig die Erkenntnis, dass es auch für gleichgeschlechtlich orientierte Menschen "nicht gut (ist), allein zu sein"! Wichtig ist, dass wir unsere Sexualität in verantwortlicher Weise in das Ganze unseres Lebens einbeziehen und in gegenseitiger Liebe und Verantwortung miteinander umgehen! Hier können auch gleichgeschlechtliche Paare im Pfarrhaus durchaus Vorbilder sein. In der württembergischen Landeskirche scheinen solche Vorbilder nicht erwünscht zu sein. Schade.
AUG
04
11:39 Uhr, geschrieben von Klaus
Denn Sie wissen nicht was Sie tun.
Herr Poos ist bestimmt ein netter Mensch aber die Bibel lehrt uns was anderes. Siehe Römer Brief Kapitel 1 Vers 21-27 21 denn obwohl sie Gott kannten, verherrlichten sie ihn nicht als Gott, noch dankten sie ihm, sondern sie wurden hohlköpfig in ihren Überlegungen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. 22 Obwohl sie behaupteten, sie seien weise, wurden sie töricht 23 und verwandelten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in etwas gleich dem Bild des vergänglichen Menschen und von Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren. 24 Daher überließ sie Gott entsprechend den Begierden ihrer Herzen der Unreinheit, damit ihre Leiber untereinander entehrt würden, 25 ja diejenigen, die die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschten und eher der Schöpfung Verehrung und heiligen Dienst darbrachten als dem Schöpfer, der immerdar gesegnet ist. Amen. 26 Deshalb übergab Gott sie schändlichen sexuellen Gelüsten, denn sowohl ihre weiblichen Personen vertauschten den natürlichen Gebrauch von sich selbst mit dem widernatürlichen; 27 und desgleichen verließen auch die männlichen Personen den natürlichen Gebrauch der weiblichen Person und entbrannten in ihrer Wollust zueinander, Männliche mit Männlichen, indem sie unzüchtige Dinge trieben und an sich selbst die volle Vergeltung empfingen, die ihnen für ihre Verirrung gebührte.
JUL
22
22:37 Uhr, geschrieben von Marianne Pfeffer
Keine homosexuelle Partnerschaft in einem Pfarrhaus der Württemberg.Landeskirche
Die Ev. Württ.Landeskirche erhebt den Anspruch, sich auf das Wort Gottes zu gründen. Jesus lehrt, das wichtigste Gebot sei das Dreifachgebot der Liebe: Gott, den Nächsten und sich selbst zu lieben (Matth.22, 37-39). Die Lieblosigkeit und Scheinheiligkeit, die Vertreter unserer Kirche im Umgang mit Pfr.Poos an den Tag legen, sind ein Trauerspiel und eine Schande! Ich schäme mich für sie im Namen aller aufrechten Christen! Herrn Poos und seinem Partner wünsche ich Gottes reichen Segen für ihren weiteren Lebensweg!
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