
Von Timo Roller
Nagold. Michael Stahl hat viel Schlimmes erlebt in seinem Leben: Sein alkoholabhängiger Vater hat ihn abgelehnt und geschlagen, in der Schule wurde er gehänselt. Zweimal am Tag musste er "von einer Hölle in die andere": Von zuhause in die Schule und von der Schule wieder nach Hause. Er weiß nicht mehr, wo es schlimmer war. Mit acht Jahren stand er am Bahngleis und sah die Selbstaufgabe als einzig denkbaren Ausweg.
Er empfand es als einen Ruf von Gott, der ihn damals in letzter Minute erreichte: "Ich hab noch ganz viel vor mit Dir!" Die ersten Worte der Zehn Gebote und des 23. Psalms sind für Michael Stahl Schlüsselverse für sein Leben: "Ich bin dein. Du bist mein!" Bei einem Vortrag im Hotel Adler, zu dem die "Internationale Vereinigung Christlicher Geschäftsleute" (IVCG) eingeladen hatte, berührte Michael Stahl die etwa 100 Anwesenden mit der eindrucksvollen Schilderung seiner Erlebnisse, besonders mit dem "Happy End" seiner Leidensgeschichte: Schließlich konnte er sich mit seinem Vater versöhnen und wurde nach 37 Jahren von ihm zum ersten Mal in den Arm genommen.
Heute arbeitet der 42-jährige aus Bopfingen als Bodyguard und Sicherheitsexperte, dazu gibt er Kurse zur Selbstverteidigung und Selbstbehauptung in einer eigenen Sportschule. Er kennt manchen Prominenten, war schon für Mohammed Ali und die Klitschko-Brüder sowie die Fußball-Nationalmannschaft tätig, aber auch für den Vatikan. An Schulen und Kindergärten führt er Projekte zur Gewaltprävention durch und in seinem bewegenden Vortrag stellte er fest: "Es gibt schon in der Grundschule Kinder, die nicht mehr leben möchten, weil andere gemein sind." Dies mache ihm zu schaffen und ist seine Motivation, von seinem eigenen Leiden zu erzählen, und Menschen auf den hinzuweisen, der den Schwachen seiner Ansicht nach Kraft geben kann: Jesus Christus.
Er forderte Eltern auf, ihre Kinder nicht vor den "Kisten" verrotten zu lassen. Statt mit der Spielkonsole "Wii" vor dem Bildschirm "herumzuhampeln" sollten die Kinder ins Freie gehen, um Sport zu treiben und Abenteuer zu erleben. "Heute können viele Kinder keinen Purzelbaum", schlussfolgert er aus seiner Arbeit als Trainer. Vor allem an die Väter appellierte er, ihren Kindern Zeit zu widmen und Anerkennung zu geben: "Väter sind die ersten Helden ihrer Söhne!"
Vieles lernte Stahl durch seine Projekte mit Kindern und Jugendlichen, manches aber auch aus eigener bitterer Erfahrung: Seine erste Ehe ging in die Brüche, sein Sohn wollte sich vor drei Jahren das Leben nehmen. Zuletzt wurde seine Frau bei einem Autounfall schwer verletzt, bei dem auch seine Tochter dabei war und eine befreundete Frau starb. Viele dieser Erfahrungen hat Michael Stahl in Büchern verarbeitet. Und er gibt die mutmachende Kraft seines Glaubens in Vorträgen weiter. Die IVCG ist eine Vereinigung, die Geschäftsleute mit dem christlichen Glauben in Verbindung bringen möchte.