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Nagold Gymnasium bietet Vorbereitungsklasse

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19 Schüler aus zehn Nationen besuchen derzeit die Vorbereitungsklasse für jugendliche Migranten und Flüchtlinge am OHG Nagold. Foto: Rousek

Nagold - Konzentriert beugen sich die Schüler über die Briefumschläge, die ihnen Klassenlehrerin Melanie Schmid gerade gegeben hat. Empfänger und Absender sollen sie darauf schreiben. Für die Jugendlichen, die teilweise erst seit einigen Monaten in Deutschland leben, gar nicht so einfach.

Seit Beginn des laufenden Schuljahres gibt es eine Vorbereitungsklasse (VKL) für jugendliche Migranten und Flüchtlinge am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) Nagold. 19 Schüler aus zehn Nationen, darunter Italien, Ungarn, Afghanistan, Eritrea und die Ukraine, besuchen jeden Tag fünf Stunden lang den Unterricht bei Schmid. Deutsch lernen ist das oberste Ziel. Auch wenn das zuweilen gar nicht so einfach ist, denn die Lernvoraussetzungen der 16- bis 19-Jährigen könnten kaum unterschiedlicher sein: Einige haben schon in ihrem Heimatland Deutsch gelernt, andere kennen noch nicht einmal die lateinische Schrift. Nach ein bis zwei Jahren Unterricht in der VKL sollen die Schüler in normale Schulklassen wechseln und im besten Fall einen guten Abschluss erreichen.

Die Stimmung im Klassenraum ist freundlich. Schon an der Tür hängt ein Plakat mit der Aufschrift "Herzlich Willkommen" und Unterschriften der 19 Jugendlichen. In der Klasse wird viel gelacht, die Schüler necken sich gegenseitig. Hier und da wird Englisch gesprochen, Schmid aber scheint ihre Ohren überall zu haben. "Sprecht bitte Deutsch", ermahnt sie dann.

Internationalität der Klasse ist ein Vorteil

Bis die Schüler einen deutschen Grundwortschatz beherrschen, gehe es recht schnell, meint Walter Kinkelin, Schulleiter des OHG. Gerade dafür sei die Internationalität der Klasse ein Vorteil: Da auch nicht alle Englisch sprechen, bleibt den Jugendlichen auf lange Sicht nichts anderes übrig, als sich auf Deutsch zu verständigen.

"Mit dem Unterricht allein ist es aber noch nicht getan", sagt Kinkelin. Einmal die Woche geht Schmid mit ihrer Klasse ins Jugendhaus, um gemeinsam Mittag zu essen. Und auch am Wochenende ist ab und an das Engagement der Lehrerin gefragt: Alle sechs bis acht Wochen trifft sie sich samstags mit den Schülern, um im Jugendhaus miteinander zu kochen, zu reden und Spaß zu haben. "Die Klasse hatte von Anfang an eine ganz starke Gemeinschaft", schwärmt sie. "Es ist grad für diese Schüler wichtig, dass sie schöne Dinge zusammen erleben." Schließlich haben manche von ihnen in ihrem Heimatland und auf der Flucht Schlimmes mitgemacht.

Für einige ist ihre Klassenlehrerin deshalb auch eine Ansprechpartnerin, wenn die Probleme mal Überhand nehmen. "Es ist immer auch ein Stück weit Lebensberatung dabei, wenn man sowas macht", bestätigt Ulrich Hamann, stellvertretender Schulleiter. Dafür brauche man aber eben engagierte Lehrkräfte, wie Schmid eine ist, sagt er.

Das Konzept der VKL ist in Nagold nicht neu. An den Berufsschulen in Nagold gibt es schon seit längerem mehrere solcher Klassen. Auch an der Zeller- und der Lembergschule lernen Migranten und Flüchtlinge in einer separaten Klasse Deutsch. Für die Altersgruppe dazwischen – die 16- bis 19-Jährigen – war es aber bislang schwierig, eine passende Betreuung zu finden. Bis sich das OHG dafür entschied, eine VKL einzurichten. "Die Schüler sind dankbar und lernhungrig", freut sich Kinkelin. "Sie wissen es zu schätzen, dass sie die Chance bekommen, hier zu lernen."

Bereicherung für beide Seiten

Unterrichtet werden die Migranten und Flüchtlinge in Deutsch, Gemeinschaftskunde sowie Mathematik. In Mathe besuchen einige schon jetzt den Unterricht der "Regel-Klassen". "Mathe ist in jedem Land das Gleiche", meint Hamann. Deshalb falle das Fach vielen leichter. Die Integration in die jeweiligen Klassen klappe hervorragend, betont Kinkelin. "Die Schülerschaft ist im Allgemeinen sehr sozial eingestellt. Sie gehen ganz selbstverständlich damit um." So sei der gemeinsame Unterricht eine Bereicherung für beide Seiten.

Im Deutschunterricht der VKL wird gerade das Thema Bewerbungen behandelt. Auf der Tafel stehen Begriffe wie Lebenslauf, Empfänger, Chef. In die Briefumschläge, die die Jugendlichen adressieren sollten, werden feinsäuberlich Bewerbungsunterlagen gesteckt. Die Schüler sind nämlich allesamt auf Praktikumssuche. Manche von ihnen haben zwar schon Berufserfahrung, jedoch nicht in Deutschland. "Sie sollen einfach mal eine Woche irgendwo reinschnuppern, um herauszufinden, wo es hingehen soll", erklärt Schmid.

Bislang mangle es aber noch an Unternehmen, welche die Jugendlichen mit den begrenzten Deutschkenntnissen aufnehmen möchten. Die Klassenlehrerin hofft, dass sich das bald ändert: "Die Schüler sollen die Möglichkeit bekommen, zu zeigen, was sie können."

Und vielleicht springe dabei sogar die Chance für eine Ausbildung heraus.

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