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Nagold Geschichten zwischen Welten

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Durch Uli Rothfuß (von links) lernten sich Imre Török und Saskia Esken kennen. Foto: Stadler Foto: Schwarzwälder-Bote

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Von Sabine Stadler

Imre Török kam als jugendlicher Flüchtling nach Nagold. Heute ist er Autor. Auf Einladung von Bundestagsmitglied Saskia Esken las er aus seinem aktuellen Buch "Wanderer. Zwischenwelten". Anschließend sprach er auch über seine Zeit in Nagold.

Nagold. Das 2015 erschienene Buch von Imre Török stand im Mittelpunkt der Lesung mit dem Autor im "Longwy". Saskia Esken hatte hierzu auch einen Freund, den Kulturwissenschaftler Professor Uli Rothfuss zu Gast, der im Anschluss an die Lesung in einem Interview Török einige Anekdoten aus seinem Leben entlockte.

Török lebt heute im Allgäu und manchmal in Berlin. "Der kurze Fußweg innerhalb Nagolds kam mir vor, als wenn ich vom Allgäu bis in den Schwarzwald gelaufen wäre" erzählte er zu Beginn seiner Lesung lächelnd und wischte sich die Stirn trocken.

Nachdem einige Türen geschlossen worden waren und die Lautsprecheranlage mit ausreichend Power für eine einigermaßen gute Übertragung der Lesung sorgte, ging’s dann auch los: Imre Török startete mit einer gelesenen Sezierung des Wortes "tisch", das so ziemlich überall innerhalb der deutschen Sprache seinen Niederschlag findet, denkt man nur an quadra-tisch, theore-tisch, demokra-tisch und fana-tisch.

Das gesamte Universum ist ein einziger Tisch

Er beschrieb den Weg von ero-tisch in Verbindung mit dem Auszieh-tisch, der orgas-tisch zum Wickel-tisch führen kann. Für Török ist das gesamte Universum ein einziger Tisch. Es folgte eine kurze Prosa aus seinem Buch über die Jugend. Hier spielten lange Haare oder radikal Kahle eine Rolle. Von Schmarotzern war die Rede, die das Zarte zerstören. Dass es sich dabei um die Entwicklung des Schmetterlings aus der Raupe handelte, erfuhr man erst am Ende.

"Die Geschichten des Prosa-Autors erzählen von Begegnungen in der Heimat und in der Fremde, vom Ankommen und vom Fremdsein, von Minderheiten und von Vorurteilen und passen damit mitten in unsere Zeit", brachte Saskia Esken schon zu Beginn der Lesung in ihrer Begrüßung den Inhalt des Buches "Wanderer. Zwischenwelten" auf den Punkt. Töröks Buch setzt sich in der Eröffnungsgeschichte mit der Kurdenproblematik in der Türkei auseinander. Er engagiert sich für Geflüchtete in der Türkei und hat inzwischen begonnen, die türkische Sprache zu lernen.

Bei seiner Lesung spielte er mit seiner Stimme, variierte die Lautstärke und nahm die Zuhörer auch mit in märchenhafte Erzählungen und solche, die Rechtsextremismus und Faschismus beleuchteten.

Musikalisch umrahmt wurde die Nachmittagsveranstaltung von Margret Hummel an der Violine und Stefanie Höfner am Klavier. Beide unterrichten an der Musikschule in Nagold. Sie spielten "Phantasiestück" von Robert Schumann und sehr zur Freude von Imre Török den "Ungarischen Tanz" aus der Feder von August Nolck.

Am damaligen OHG galt er als "Exot"

Török und Esken lernten sich durch Uli Rothfuß, Vorsitzender der Europäischen Autorenvereinigung "Die Kogge", kennen. Rothfuß, heute Rektor der Akademie Faber-Castell und früherer Kulturdezernent der Stadt Calw, interviewte im Anschluss an die Lesung den Autor, der es vom Redakteur der Nagolder Schülerzeitung "Viadukt" in den Bundesvorstand des Schriftstellerverbandes geschafft hat.

Török kam damals nicht wirklich gerne nach Nagold. Die Ortswechsel durch die Flucht und der "schwarze Wald" rund um Nagold erschienen ihm zu dieser Zeit äußerst bedrohlich. Doch heute hat er sowohl angenehme als auch schmerzliche Erinnerungen, denkt aber noch gerne an seine erste Liebe zurück und die Zeiten oben auf der Burg, im Schwimmbad oder beim Kampf am Gymnasium um die Einführung einer "Raucherecke" – heute undenkbar. Mit viel Sprachbegabung, Selbstdisziplin und Nachhilfe in Deutsch schaffte er den Weg zum Studium von Germanistik, Philosophie und Geschichte in Tübingen.

Am damaligen OHG galt er als "Exot", heute ist er deutscher Staatsbürger, der auf die Leitung eines kleinen Theaters in Sindelfingen zurückblicken kann, an der er die Kindertheatertage mit großem Erfolg eingeführt hatte. Er wurde als Beisitzer in den Bundesvorstand des Schriftstellerverbandes wiedergewählt und – obwohl nicht wirklich gewollt – dort als Vize-Vorsitzender in Amt und Würden.

Die Schlussfrage drehte sich um sein neues Buch, das – wie er bestätigte – unter dem Titel "Die Königin von Ägypten in Berlin" im Herbst 2016 in Deutschland erscheinen wird und bereits in der Türkei erfolgreich verkauft wird. Es handelt sich um einen politischen Roman mit Schauplatz Berlin in den Jahren 1943/44, in dem er eine fiktive Geschichte in sorgfältig recherchierte Realität einbettet.

 
 

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