Nagold Er managt das Heer der Freiwilligen

Schwarzwälder-Bote, 25.05.2012 20:04 Uhr

Nagold. Was sind das für Menschen, die sich aus reiner Freude und ohne Eigennutz in die Landesgartenschau einbringen?

Das ist die Frage, um die es in dieser neuen Porträt-Serie geht. Die erste Folge widmet sich Thomas Baitinger, der für die LGS GmbH die Einsätze der vielen Ehrenamtlichen managt. Und der das natürlich selbst ehrenamtlich macht.

Thomas Baitinger schiebt die Brille auf die Nasenspitze, entfaltet einen großen Plan und tippt mit dem Finger auf schrecklich kleine Buchstaben. "Das", sagt der 53-Jährige stolz, "das hier ist meine Liste." Der Plan ist offenbar etwas Besonderes, und natürlich liegt das nicht an den nackten Fakten, die er enthält: Name, Adresse, Telefonnummer, Dienst als, Anmerkungen. Was das Dokument so wertvoll macht, ist die Arbeit, die in ihm steckt.

Vor langer Zeit habe er einen Anruf von Oberbürgermeister Jürgen Großmann bekommen, berichtet Thomas Baitinger. Ob er sich vorstellen könne, das Thema Ehrenamtliche auf der Landesgartenschau "a bissle zu planen und zu koordinieren". Darauf sei er sofort angesprungen: "Ich fand’s spannend und wollte mal sehen, ob man das zum Funktionieren bringen kann", erinnert sich der Stadtrat.

Also machte er sich auf, Anfragen zu sammeln und auszuwerten, Pressearbeit zu betreiben, Vereins- und Ortschaftsratssitzungen zu besuchen, Vereine anzuschreiben – sprich: "die ganze Sache anzuleiern und zu strukturieren". Anfangs sei es zäh gelaufen, doch irgendwann sei der Knoten geplatzt, jetzt schare er 100 freiwillige Helfer um sich. Ein einmaliges Gefühl sei das: "Ich find’s großartig, wie die Nagolder Bürgerschaft zu ihrer Gartenschau steht." Und nicht nur die: Auch aus Waldachtal, Gäufelden, sogar aus Reutlingen hätten sich Freiwillige gemeldet.

Jeden von ihnen habe er getroffen, ihre Vorlieben und Neigungen eruiert und sie schließlich in drei Bereiche eingeteilt: als Turmvogte auf der Burgruine Hohennagold, als Behindertenbegleiter auf dem Landesgartenschau-Gelände und als Auskunftgeber an den dortigen Info-Points.

Bei einem "bissle" Arbeit blieb es freilich nicht: "In der heißen Phase vor der Eröffnung bin ich jeden Tag locker vier oder fünf Stunden drangesessen." Gut, dass Thomas Baitinger Freiberufler mit flexibler Zeiteinteilung ist, "anders wäre das ja auch nicht gegangen".

Mittlerweile hat sich der Aufwand wieder etwas reduziert, rund zwei Stunden täglich nimmt das Projekt noch in Anspruch. Der gelernte Kaufmann kümmert sich etwa um Nachschulungen, die Rückmeldung an die Geschäftsführung der LGS GmbH und die Suche nach weiteren Interessenten. Das alles tut er sehr gerne: "Es ist einfach toll, gemeinsam mit den unterschiedlichsten Menschen dafür zu sorgen, unsere Gäste von Nagold und der Landesgartenschau zu begeistern." Doch Hand aufs Herz: Ist er nie an einen Punkt gekommen, an dem er am liebsten alles hingeschmissen hätte?

Thomas Baitinger lacht laut: "Mehr als einmal. Aber meine Devise ist: Wenn man etwas macht, dann macht man’s auch fertig."

 
 
Kommentare (0)
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen