Nagold - Zwei junge Forscher mit Ambitionen zur aktiven Weltverbesserung. Wenn alles glatt läuft, wird Energie in ein paar Jahren in "Zudock und Zipfel Kraftwerken" auf effizienteste Weise transportierbar gemacht.

Deutschland in 17 Jahren: Die letzten Tagebauminen wurden geschlossen, die letzte Ölplattform in der Nordsee wurde in den vergangenen Monaten zu einem Zentrum für marinen Tourismus umfunktioniert. Die Energiewende, die das Land lange begleitete, wurde schließlich Realität. Dabei ging alles etwas schneller als erwartet. Mit der Hilfe zweier junger Männer aus Nagold wurden die beiden größten Probleme grüner Energie weitgehend gelöst. Denn dank intelligenter Elektrolyse-Verfahren ist Strom im Jahr 2025 nicht nur speicherbar, sondern lässt sich auch leicht über weite Strecken hinweg transportieren. Erdgas – der Stoff der grüne Energie transportierfähig macht.

So oder so ähnlich, lässt sich die Zukunftsvision der beiden Forschertalente Jan Zudock und Luca Zipfel zur Lösung der Energieproblematik beschreiben. Der Grundstein wurde dabei im Jugendforschungszentrum Nagold (JFZ) gelegt.

Beim Robocup-Wettbewerb angetreten

Bei Jan hat die Arbeit im JFZ in der Robotik angefangen, mit seinem Versuch, einen "Rescue-Roboter" zu bauen. Mit seinem Prototyp ist er dabei sogar beim Robocup-Wettbewerb für Robotik angetreten. Wobei der Erfolg damals noch ausblieb. "Wir haben mit unserem Roboter den Parcours ein wenig umgefahren", erinnert sich der 16-Jährige schmunzelnd. Zeit für ein neues Projekt, für neue Herausforderungen – in Luca Zipfel fand er dabei nicht nur einen geeigneten Forschungspartner, sondern auch einen wahren Freund. Der damals 14-jährige Luca hatte vor einem Jahr bereits den zweiten Platz im Regionalwettbewerb von "Jugend Forscht" mit einem Elektrolyseverfahren zur Wasserstoffherstellung belegt. Die Kritik der Jury war damals, dass Wasserstoff als Energiespeicher zu volatil und zu kapazitätsarm sei.

Das ließ Luca keine Ruhe, und zusammen mit Jan wollte er dieses Problem angehen. Im Gespräch mit den beiden merkt man wie sehr ihnen der Forschungsgegenstand am Herzen liegt: Immer wieder fangen die Zwei an zu fachsimpeln, beschreiben Formeln und Messverfahren, die für den Laien nur schwer zu erfassen sind. Es tut sich in wenigen Minuten ein lebendiges Zusammenspiel zweier talentierter Junger Köpfe auf, denen nichts an Selbstdarstellung, aber sehr wohl etwas am wissenschaftlichen Fortschritt ihrer Arbeit liegt.

Die Ergebnisse beeindrucken selbst einen Laien: Beim derzeitigen Forschungsstand ist es den beiden gelungen, durch das richtige Mischungsverhältnis von Salzen einen Energiewirkungsgrad von 57 Prozent zu erreichen. Das heißt, bei einer Energiezufuhr von 100 Kilowatt lassen sich 57 Kilowatt in Erdgas ernten. Die Salze, die dafür benötigt werden, lassen sich dabei in der Theorie annähernd autark aus den Abfallprodukten selbst synthetisieren.

Die Zwei sind aber noch lange nicht am Ende: "Mit der großen Kiste können wir unsere Analyse des besten Mischungsverhältnisses der Rohstoffe noch sehr viel genauer bestimmen." Mit großer Kiste ist der graue Gaschromatograph gemeint, den Uwe Klein, Leiter des Forschungszentrums, ergattert hat und der derzeit instand gesetzt wird.

Nächstes Ziel der Beiden: "Jugend Forscht 2013". Am 21. und 22. Februar werden die Beiden in der Regionalausscheidung des Wettbewerbs auf eine gute Platzierung hoffen. Aber auch darüber hinaus wird weiter an dem Projekt gearbeitet: "Wir stehen jetzt vor der großen Herausforderung, unseren Prozess wirtschaftlich zu machen, und dafür umsetzbare Visionen zu entwickeln", so die Aussage von Luca zur Zukunft des Projektes.

INFO

In unserer Serie »Jetzt komm ich« werden junge Menschen aus der Region portraitiert, die Außergewöhnliches leisten oder Besonderes erlebt haben. Sie kennen einen solchen Menschen? Dann schreiben Sie uns:

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