Nagold Die Neugierde ist schnell geweckt
Schwarzwälder-Bote, 19.07.2012 08:01 Uhr
Kleine "Pflanzendetektive" mit großer Begeisterungsfähigkeit: die Schüler der Klasse 3b der Nagolder Zellerschule.Foto: LGS
Nagold - Wenn Fingerspitzen gerieben, Nasen gekräuselt und Augen fest zusammengekniffen werden, will’s wohl jemand ganz genau wissen. Und tatsächlich: Die Klasse 3b der Zellerschule nimmt ihre Rolle als "Pflanzendetektive" ernst.
So lautet der Titel der Unterrichtseinheit im "Grünen Klassenzimmer", zu der Lehrerin Katrin Schuon die Kleinen angemeldet hat. "Dabei gilt es, genau hinzuschauen und eigene Beobachtungen zu machen, um anhand der unterschiedlichen Farben, Formen, Blüten und Samen die verschiedenen Pflanzen kennenzulernen", sagt Referentin Eva Schloter. Doch vor der Praxis kommt im Klassenraum neben der Blumenhalle die Theorie: "Was ist das für eine Pflanze?", ruft die 28-Jährige mit Blick auf das Wildkraut, das sie in die Luft hält, und prompt schallt es zurück: "Eine Schafgarbe!" Aha, ist an den Mundwinkeln der Diplom-Biologin abzulesen, scheint eine echte Vorzeigeklasse zu sein. Was alle Pflanzen gemeinsam hätten, fragt sie weiter, wozu diese Elemente da seien, welche Gewächse man essen könne, was Photosynthese sei und wozu diese diene. Und die Antworten sprudeln nur so aus den Kindern heraus.
Natürlich sind nicht alle davon hundertprozentig richtig – aber darum gehe es ja auch nicht, sagt Eva Schloter: "Wichtig ist, dass die Kinder neugierig darauf werden, was sich in der Natur abspielt." Und das will nicht nur im stillen Kämmerlein erörtert, sondern vor allem auch in freier Wildbahn erkundet werden. Also nichts wie raus aufs Landesgartenschau-Areal.
Für 425 Kurse des "Grünen Klassenzimmers" mit den unterschiedlichsten Inhalten haben sich in Nagold bereits Schulklassen angemeldet. "Mit rund 60 verschiedenen Unterrichtsthemen ist dies mit das größte Angebot, das wir je hatten", sagt Alexander Pieh, der das Projekt der Förderungsgesellschaft für die Baden-Württembergischen Landesgartenschauen (FGS) federführend organisiert. Der Erlebnis-Unterricht auf Landesgartenschauen und Grünprojekten hat sich zum Ziel gesetzt, das Umweltwissen zu mehren und das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Schutzes der natürlichen Ressourcen durch eigenständiges Forschen und Entdecken begreiflich zu machen. Selbst in den Sommerferien würden Lerneinheiten angeboten, betont Alexander Pieh, "und nach den Ferien gibt es ein großes, erweitertes Programm".
"Bäh, das stinkt", beschwert sich eine Drittklässlerin, die sich vorwitzig heruntergebeugt und an einem unscheinbaren Pflänzchen geschnüffelt hat. Der "Stinkende Storchschnabel" hat seinen Namen offenbar verdient. Aber so hat sie es sich ausgesucht, als Eva Schloter zuvor einige Pflanzen vorgezeigt und die Kinder losgeschickt hat, um sie in ihrer natürlichen Umgebung ausfindig zu machen. Beifuß, Wasserminze, Johanneskraut, Labkraut, Kornblume, Taubnessel, Spitzwegerich, Rote Lichtnelke und die besagte "Stinkeblume" – all das und mehr kommt auf dem kleinen Flecken im Riedbrunnenpark vor.
Vorab-Recherche, erfolgreiche Ermittlung – was fehlt dann noch? Richtig: die Auswertung der Ergebnisse. Und dazu nimmt jeder "Pflanzendetektiv" eine Blüte und ein Blatt zur Begutachtung unter dem Mikroskop mit. Große Augen und offene Münder, als da plötzlich Dinge sichtbar werden, von deren Existenz man bis dahin nichts geahnt hatte: klitzekleine Käfer etwa oder winzige, filigrane Staubbeutel.
Lehrerin Katrin Schuon strahlt, und auch Eva Schloter ist sehr zufrieden. "Schön wäre es, wenn sich die Kinder ein bisschen was merken könnten von dem, was wir über die Pflanzen besprochen haben", sagt die Referentin noch. "Aber das eigentliche Ziel ist es, im Kontakt mit der Natur ihr Interesse zu wecken. Und das haben wir auf jeden Fall geschafft."
Weitere Informationen: www.gruenesklassenzimmer-bwgruen.de.


