Von Benjamin Breitmaier Nagold. Für viele Horrorszenario, für andere harte Realität: Diagnose Demenz, die schleichende Degeneration des Bewusstseins. Doch man muss als Angehöriger oder Betroffener dieses Schicksal nicht allein tragen.

Es sind zwölf Leute im Raum, die Kälte hat einige vom Kommen abgehalten. Man kennt sich. "Was gibt es Neues?", fragt Monika Wehrmann, die in ehrenamtlicher Arbeit den Gesprächskreis Demenz in Nagold leitet. Nach anfänglichem Zögern beginnt eine Dame mittleren Alters ihre Geschichte zu erzählen: "Mutter ist gefallen, sie wohnt jetzt bei mir, das funktioniert besser, denn den Haushalt schafft sie bei sich nicht mehr". Ihrer Stimme ist zu entnehmen, dass die Situation keinesfalls spurlos an ihr vorübergeht. "Sie weiß manchmal nicht, wo sie ist, und seit kurzem jammert sie regelmäßig, dass sie nach Hause will, aber ich kann sie doch nicht alleine lassen."

Der Mimik der anderen Gesprächsteilnehmer ist zu entnehmen, dass ihre Geschichten ähnlich sind, entweder aus Perspektive der Betroffenen im Anfangsstadium oder als Angehörige von bereits schwerer Erkrankten. Einige Gesprächsteilnehmer kommentieren, wollen mit eigenen Erfahrungen helfen. Fragen zu rechtlichen Dingen oder wie man am besten mit der schwierigen Situation umgeht. Auch die Dozentin Wehrmann steht mit fachlich kompetenten Rat ein. Es gibt eine Veränderung in der Stimme der Dame: Der anfängliche Schmerz weicht, die Bitterkeit zerfließt in wahrnehmbarer Erleichterung. Erleichterung darüber, dass man dieses Schicksal nicht alleine trägt, darüber, dass es Menschen gibt, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, die für einen da sind und Hoffnung geben, dass Menschen auch mit Demenz in Würde altern können.

Einmal im Monat findet der Gesprächskreis Demenz in der Volkshochschule Nagold statt. Aufgebaut ist er laut Monika Büchter, Fachbereichsleiterin Gesundheit der VHS, auf drei Säulen: Zum einen der gegenseitige Erfahrungsaustausch, dann die Fachkompetenz der Dozentin Monika Wehrmann und als dritte Säule die Vorträge von externen Experten. Im Gespräch merkt man Büchter schnell an, wie dankbar sie für ihre Kollegin Monika Wehrmann ist, die den Gesprächskreis schon seit Jahren ohne Gehalt leitet. Diese kommentiert ihre Arbeit als Aufgabe, die ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen verlangt. "Man muss die Leute abholen, sich in ihre Situation versetzen. Es geht nicht darum, jemanden eine Meinung aufzudrücken, sondern in dessen Schuhe zu schlüpfen", erklärt Wehrmann.

Auch heute ist eine Expertin zugegen: Christine Hummel-Meyer vom Landratsamt Calw wird über den Pflegestützpunkt referieren, einer Beratungsstelle für Pflegebedürftige und deren Angehörige. Diese hat auch eine Außensprechstunde in Nagold, beispielsweise am heutigen Montag, 17. Dezember, von 14 bis 16 Uhr in der VHS. Den Gesprächskreis in Nagold zum Thema Demenz lobt die Expertin als einen der wenigen, wenn nicht den einzigen im ganzen Kreis. "In Nagold wird sehr offen mit dem Thema Demenz umgegangen, das ist sehr wichtig", erklärt Hummel-Meyer.

Der Gespächskreis findet schon seit dem Wintersemester 2010 monatlich in der VHS statt.

Weitere Informationen: www.bw-pflegestuetzpunkt.de